Wissenschaft
06.07.2020

UNAIDS: Die Welt ist beim Kampf gegen HIV nicht auf Kurs

Genf (dpa) - Die Weltgemeinschaft hat ihre selbst gesetzten Ziele im Kampf gegen HIV und Aids verfehlt. Im vergangenen Jahr haben sich nach Schätzungen 1,7 Millionen Menschen weltweit mit dem Virus angesteckt.

Das berichtet das Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) zum Auftakt der virtuellen Welt-Aids-Konferenz. Eigentlich sollten es durch neue Programme, Initiativen und Investitionen nur noch 500.000 Menschen im Jahr sein. Die Epidemie sollte bis 2030 besiegt werden.

«Die Coronavirus-Pandemie droht, uns noch weiter vom Kurs abzubringen», sagte UNAIDS-Exekutivdirektorin Winnie Byanyima in Genf. Wachsende Armut durch den Stillstand der Wirtschaft führe zu zunehmender häuslicher Gewalt und gefährde vor allem Mädchen und junge Frauen. Sie treibe Menschen in prekäre Situationen, in denen das Risiko einer HIV-Infektion steige.

Infizierte könnten zudem teils nicht zu Ärzten gehen, heißt es in dem Bericht. Auch sei die Kondom- und Arzneiproduktion eingeschränkt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) laufen 73 Länder bereits Gefahr, dass ihnen die Vorräte an HIV-Medikamenten ausgehen. 24 Länder hätten schon große Nachschubprobleme oder fast leere Lager gemeldet. In diesen 24 Ländern lebe ein Drittel der Menschen, die die wichtige antiretrovirale Therapie erhalten.

Wenn die Behandlung mit antiretroviraler Therapie nur für 20 Prozent der HIV-Infizierten für sechs Monate unterbrochen werde, führe das zu 110.000 zusätzlichen Todesfällen, so UNAIDS. Eric Goemaere von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Südafrika bezeichnete das als inakzeptabel: «Wir dürfen wegen der Covid-19-Pandemie bei der HIV/Aids-Epidemie keinen Rückzieher machen.» Covid-19 ist die Krankheit, die das Coronavirus auslösen kann.

Es gebe Fortschritte, aber sie seien ungleich verteilt, sagte Byanyima. In Osteuropa, Zentralasien und Lateinamerika sowie im Nahen Osten und Nordafrika sei die Entwicklung nicht gut. Dennoch glaubt sie, dass das Ziel, die Epidemie bis 2030 zu beenden, mit neuen Anstrengungen noch erreicht werden kann. Ein leuchtendes Beispiel sei das kleine Königreich eSwatini (früher: Swasiland) im südlichen Afrika. Das Land mit rund einer Million Einwohner reduzierte die Zahl der Neuinfektionen von 13.000 im Jahr 2010 auf 6500 im Jahr 2019, wie Ministerpräsident Ambrose Dlamini sagte.

Zu den Fortschritten zähle auch, dass 2019 dreimal so viele Menschen wie 2010 mit einer antiretroviralen Therapie behandelt wurden, heißt es in dem Bericht. Ende vergangenen Jahres waren das 25,4 Millionen der weltweit schätzungsweise 38 Millionen HIV-Infizierten. 690.000 Menschen starben 2019 an den Folgen ihrer Infektion, 39 Prozent weniger als 2010 - aber deutlich mehr als für 2020 angepeilt: Es sollen in diesem Jahr nur noch 500.000 Infizierte sterben. Die Zahl der Neuinfektionen, 1,7 Millionen, war 2019 so niedrig wie seit 1989 nicht mehr.

Dennoch reiche das nicht. «Die Welt hat zu wenig investiert, zu wenig Menschen Zugang zu Behandlungen verschafft und dabei versagt, die Kurven mit neuen HIV-Infektionen und Todesfällen im Zusammenhang mit Aids bedeutend abzuflachen», heißt es in dem Bericht. 2019 hätten nur gut zwei Drittel der finanziellen Mittel für Aufklärung und Behandlung zur Verfügung gestanden. «Dieses kollektive Versagen (...) hat einen hohen Preis: Zwischen 2015 und 2020 hat es 3,5 Millionen mehr Infektionen und 820.000 mehr Todesfälle mit Bezug zu Aids gegeben, als es der Fall wäre, wenn die Welt im Plan gewesen wäre, um die Ziele für 2020 einzuhalten.»

© dpa-infocom, dpa:200706-99-693110/3



Thema des Tages

Mallorca in Sorge: «Tödlicher Schlag» für den Tourismus

Madrid/Berlin (dpa) - Nach der Reisewarnung Deutschlands für fast ganz Spanien einschließlich Mallorca wächst die Angst vor einem wirtschaftlichen Absturz auf den Balearen. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Proteste in Belarus: Lukaschenko warnt vor Revolution
  • Historischer Bayern-Triumph: 8:2 gegen Barça «unbegreiflich»
  • Zahl illegaler Autorennen steigt
  • Computer

    «Fortnite»-Entwickler wagt Kraftprobe mit Apple und Google

    Cary/Cupertino (dpa) - Die Macher des populären Online-Spiels «Fortnite» legen sich in einer bisher einmaligen Kraftprobe mit Apple und Google an. Mit mehreren hundert Millionen Fans im Rücken wollen sie die App-Store-Regeln der Smartphone-Plattformen aufbrechen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Amazon schließt gravierende Sicherheitslücken in Alexa
  • Microsoft startet mit Klapp-Smartphone «Surface Duo»
  • Uber und Lyft bereiten Stopp in Kalifornien vor


  • Wissenschaft

    1449 registrierte Corona-Neuinfektionen in Deutschland

    Berlin (dpa) - Die Zahl der bekannten Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland ist erneut leicht gestiegen. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) bis Donnerstagabend 1449 neue Corona-Infektionen innerhalb eines Tages. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Am Corona-Hotspot Kupferzell war etwa jeder Zehnte infiziert
  • WHO warnt vor «Impfstoff-Nationalismus»
  • Informationslücken bei Ärzten und Patienten über Medikamente
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.864,50 -0,99%
    TecDAX 3.072,50 -1,62%
    EUR/USD 1,1842 +0,23%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation