Wissenschaft
28.06.2020

Neuer Umweltskandal in russischer Tundra

Norilsk (dpa) - In der russischen Tundra hat der Nickelproduzent Nornickel nach der Katastrophe mit 21.000 Tonnen ausgelaufenem Öl laut Medienberichten hochgiftige Flüssigabfälle in Flüsse und Seen entsorgt.

Die regierungskritische Zeitung «Nowaja Gaseta» veröffentlichte Videos von den mit Schwermetallen und Säure belasteten Ableitungen. Diese flossen in den Fluss Charajelach, der über einen weiteren Fluss in den einzigartigen Süßwassersee Pjassino mündet.

Die Staatsanwaltschaft der Region Krasnojarsk leitete Ermittlungen ein wegen des illegalen Entsorgens giftiger flüssiger Abfälle. Das Unternehmen Nornickel räumte einer Mitteilung zufolge Fehler ein. Die Abwasser-Entsorgung sei gestoppt, die Verantwortlichen von ihren Posten entfernt worden, hieß es.

«Das ist ein Verbrechen gegen die Natur und gegen unsere Kinder», sagte der frühere Mitarbeiter der örtlichen Umweltschutzbehörde, Wassili Rjabkin. Er hatte den neuen Skandal gemeinsam mit Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace und mit der Zeitung öffentlich gemacht.

Die Gewässer in der Nähe des Nordpolarmeeres kämpfen aktuell mit den Folgen der Ölkatastrophe von Ende Mai, als 21.000 Tonnen Öl ausgeflossen waren. Dort war in einem Heizkraftwerk in der Nähe der Stadt Norilsk ein riesiger Tank offenbar durch den auftauenden Permafrostboden abgesackt und gebrochen. Experten sprachen von der größten Ölkatastrophe in der russischen Arktis.

Nach Mitteilung von Greenpeace wollten Naturschützer und der Oppositionspolitiker Sergej Mitrochin Bodenproben am Wochenende mit nach Moskau zu nehmen. Sie wurden demnach aber auf dem Flughafen, der ebenfalls zu Nornickel gehört, gestoppt und daran gehindert, die Proben zu transportieren. Es werde alles unternommen, um die Aufklärung der Katastrophe zu behindern, kritisierte Greenpeace.

«Nowaja Gaseta» veröffentlichte zudem ein Foto davon, wie eine Planiermaschine bei einem Unfall ein Polizeiauto plattmachte. Es habe sich nicht um Absicht gehandelt, hieß es. Das Fahrzeug stand dort, nachdem besorgte Bürger die Polizei, den Zivilschutz, die Umweltaufsicht und die Staatsanwaltschaft wegen des neuen Umweltskandals alarmiert hatten.

© dpa-infocom, dpa:200628-99-596466/2



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation