Thema des Tages
08.07.2020

Trump drängt auf Öffnung der Schulen nach den Sommerferien

Washington (dpa) - Trotz dramatisch hoher Coronavirus-Fallzahlen will US-Präsident Donald Trump Druck auf die US-Bundesstaaten ausüben, damit dort die Schulen nach den Sommerferien wieder öffnen.

«Wir wollen, dass unsere Schulen im Herbst geöffnet sind», sagte Trump bei einem Runden Tisch zu dem Thema im Weißen Haus. Das sei sehr wichtig sowohl für das Land als auch für das Wohlbefinden von Schülern und deren Eltern. «Wir werden Druck auf die Gouverneure und alle anderen ausüben, die Schulen zu öffnen.»

Der Republikaner warnte davor, Schulen aus politischen Erwägungen geschlossen zu halten. Er spielte damit auf demokratische Gouverneure von Bundesstaaten an, die sich in großer Zahl gegen Trumps Drängen auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität wehren. Trump spielte die Lage in den USA erneut herunter. «Weil wir mehr testen, haben wir mehr Fälle. Wenn wir die Hälfte der Tests machen würden, hätten wir viel weniger Fälle», sagte er. Die Zahl der neuen Fälle steigt seit Mitte Juni allerdings proportional stärker an als die der Tests.

Trump sagte am Dienstag, die Zahl der Todesfälle habe deutlich abgenommen - das ist im Vergleich zum Höhepunkt der Krise richtig. Allerdings sagte der US-Präsident auch, dass die Sterblichkeitsrate in den USA «die niedrigste auf der Welt» sei. Das ist nach Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) nicht korrekt: Unter den 20 am schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern haben 13 Staaten eine niedrigere Sterblichkeitsrate pro 100 bestätigter Infektionen.

Trump übte scharfe Kritik an der US-Eliteuniversität Harvard, die am Montag mitgeteilt hatte, wegen des Coronavirus im Wintersemester alle Vorlesungen online abzuhalten. «Ich denke, dass sie es sich leicht machen, und ich denke, sie sollten sich schämen», sagte Trump. Der Präsident schloss einen erneuten Lockdown wegen der Pandemie aus. «Wir bleiben offen, wir schließen nicht.»

Die Zahl der Neuinfektionen in den USA ist seit Mitte Juni infolge der Lockerung der Corona-Auflagen dramatisch angestiegen. Die USA verzeichneten am Montag nach der JHU-Statistik einen Anstieg um 45 000 neue bestätigte Fälle. In der vergangenen Woche waren es teilweise mehr als 50.000 pro Tag. Das Niveau bleibt damit deutlich höher als zum bisherigen Höhepunkt der Pandemie zwischen März und Mai, als die USA täglich zwischen 25.000 und 35.000 Neuinfektionen erfassten. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie rund drei Millionen Coronavirus-Infektionen in den USA verzeichnet. Mehr als 130.000 Menschen starben infolge einer Covid-19-Erkrankung.

Der Immunologe Anthony Fauci - der zur Corona-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses gehört - hatte sich am Montag angesichts des raschen Anstiegs der Corona-Neuinfektionen im Süden und Westen des Landes besorgt gezeigt. Die gegenwärtige Lage sei «wirklich nicht gut» und erfordere «sofortiges» Handeln, sagte der Direktor des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in einem Live-Chat.

Die USA hätten die Pandemie nie unter Kontrolle gebracht und steckten daher immer noch in der ersten Welle des Virus, sagte Fauci. Vergangene Woche hatte der Experte bei einer Anhörung im Kongress gewarnt, ohne entschlossenes Gegensteuern könne die Zahl der Neuinfektionen pro Tag in den USA bald auf bis zu 100.000 steigen.

Der Impfstoffhersteller Novavax erklärte am Dienstag, 1,6 Milliarden Dollar von der US-Regierung zur Verfügung gestellt zu bekommen, um die Entwicklung von 100 Millionen Dosen eines Coronavirus-Impfstoffs bis Ende des Jahres zu unterstützen. Die US-Regierung treibt die Impfstoffsuche im Rahmen des Projekts «Operation Warp-Geschwindigkeit» voran. Ziel der Regierung sei es, im kommenden Jahr mit der Verabreichung von 300 Millionen Dosen eines Impfstoffs zu beginnen, erklärte das Gesundheitsministerium.

© dpa-infocom, dpa:200708-99-711071/2



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