Thema des Tages
31.05.2020

Söder: Kanzlerkandidatur wird im Januar entschieden

Von Stefan Heinemeyer, dpa

Berlin (dpa) - CSU-Chef Markus Söder rechnet für Januar mit einer Entscheidung über die Kanzlerkandidatur der Union. «Die Frage, wer als Kanzlerkandidat antritt, wird voraussichtlich erst im Januar entschieden.

Im Dezember wählt die CDU einen neuen Vorsitzenden. Das muss man abwarten», sagte der bayerische Ministerpräsident der «Welt am Sonntag». «Wer weiß, was bis dahin noch alles passiert.»

Auf die Frage, ob Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angesichts der derzeit guten Umfragewerte der Union weitermachen solle, antwortete Söder: «Die Kanzlerin führt unser Land sehr gut durch diese Krise. Alles andere entscheidet sie für sich selbst.» Dann fügte er mit Blick auf die Corona-Pandemie hinzu: «Die Krise zeigt, wem die Deutschen in schwierigen Zeiten vertrauen. Das ist eine hohe Verantwortung.» Auf die Nachfrage, ob er doch noch einmal über seine Rolle im Bund nachdenke, sagte Söder: «Ich habe nur ganz allgemein gedacht.»

Söder hatte mehrfach betont, dass sein Platz in Bayern sei. Seine Umfragewerte sind in der Corona-Krise aber stark gestiegen, er liegt zum Teil weit vor anderen potenziellen Kanzlerkandidaten. Im jüngsten ZDF-Politbarometer ist er der zweitbeliebteste Politiker nach Merkel. Gesundheitsminister Jens Spahn liegt im Mittelfeld, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet deutlich dahinter. Söder schnitt unter den Unionsanwärtern auf die Kanzlerkandidatur im ARD-Deutschlandtrend vor drei Wochen am besten ab, sowohl bei allen Befragten als auch bei den Unionsanhängern.

Vor der K-Frage muss allerdings die Nachfolge von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer geklärt werden. Um den CDU-Vorsitz - und damit indirekt auch die Kandidatur - bewerben sich Laschet, der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen. Laschet tritt im Rennen um den Parteivorsitz im Tandem mit Spahn an. Der Gesundheitsminister soll im Fall eines Sieges von Laschet auf dem Parteitag stellvertretender Vorsitzender werden.

Dass sich noch weitere namhafte Kandidaten für den Parteivorsitz melden, glaubt der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans nicht. «Ich gehe derzeit nicht davon aus, dass es weitere Bewerbungen gibt», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Es verstehe sich aber von selbst, dass sich Kandidaten bis Dezember bewerben könnten. Nach der Wahl würden dann «die Vorsitzenden von CDU und CSU darüber sprechen, wer Kanzlerkandidat wird». Der Saar-CDU-Chef fügte hinzu: «Das war bisher immer guter Brauch. Und das wird auch dieses Mal wieder so sein.» Sowohl CDU- als auch CSU-Vorsitzende seien «natürlicher Aspirant auf die Kanzlerkandidatur».

Eigentlich hätte Kramp-Karrenbauers Nachfolge längst geklärt sein sollen. Ein für April geplanter Sonderparteitag wurde aber wegen der Corona-Krise abgesagt. Nun soll es keinen Sonderparteitag vor dem regulären Parteitag im Dezember geben. Es sei auch mit den Kandidaten besprochen, dass es keinen Sinn mache, wenige Wochen vor einem regulären Parteitag einen Sonderparteitag durchzuführen, sagte Kramp-Karrenbauer vor wenigen Tagen dem Sender n-tv.

Röttgen geht davon aus, dass der Wettbewerb der Kandidaten für den Parteivorsitz erst im Herbst Fahrt aufnimmt. «Ich denke, es ist realistisch, dass wir vielleicht zwei Monate vor dem Parteitag intensiver zu einem Wettbewerb der Kandidaten kommen und gemeinsam auftreten werden so wie es ursprünglich geplant war», sagte der 54-Jährige «Zeit online».

Unklar ist auch, wen die SPD als Kanzlerkandidaten ins Rennen schickt, was bei Umfragewerten von aktuell 15 bis 16 Prozent auch verwegen erscheint. Das Magazin «Cicero» berichtete jüngst, SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sei der Wunschkandidat der Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans. Als möglicher Anwärter gilt Bundesfinanzminister Olaf Scholz, der Vizekanzler hält sich aber bedeckt.

Noch etwas besser als die SPD stehen in aktuellen Umfragen die Grünen da, wenngleich sie in der Corona-Krise an Zustimmung verloren haben. Parteichef Robert Habeck sagte dem «Tagesspiegel am Sonntag» auf die Frage, ob er sich von Gedanken getrennt habe, Kanzlerkandidat zu werden: «Ich weiß, dass die Frage nach Kanzlerkandidaten und Umfragen wichtig erscheinen. Aber für mich galt vor der Krise und gilt heute: Wir ziehen unsere Stärke daraus, dass wir uns nicht ständig mit uns selbst beschäftigen.»



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation