Thema des Tages
04.04.2020

USA raten zum Tragen von Masken - Trump will nicht

Washington (dpa) - Die US-Regierung rät entgegen der bislang geltenden Richtlinien nun zum Tragen von Gesichtsmasken als Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus. «Das ist freiwillig», sagte US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus.

Er fügte hinzu: «Ich habe mich entschieden, es nicht zu tun.» Die Empfehlung gelte für Masken aus Stoff, die man zum Beispiel zu Hause machen könne, nicht aber für medizinische Schutzmasken. Diese müssten dem medizinischen Personal vorbehalten bleiben. Trump betonte, die Empfehlung ersetze die bisher eingeführten Schutzmaßnahmen nicht, sondern ergänze sie.

DER KURSWECHSEL

Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte gesunden Menschen ohne Symptome bislang explizit nicht dazu geraten, Masken zu tragen. Nun heißt es allerdings, Stoffmasken, die Mund und Nase abdeckten, sollten in der Öffentlichkeit getragen werden. Dies gelte vor allem für Situationen wie in Supermärkten oder Apotheken, in denen es schwierig sei, stets genügend Distanz zu anderen Menschen zu halten. Die Empfehlung gilt besonders für Gebiete, in denen es bereits viele Infektionen gibt.

Experten befürchten, dass eine Empfehlung zum Tragen von Schutzmasken eine verstärkte Nachfrage auslösen und damit den Mangel an Masken für Personal im Gesundheitswesen verschärfen könnte. Zudem ist die Schutzwirkung der jetzt empfohlenen improvisierten Masken umstritten.

TRUMP WILL NICHT MASKIERT MIT DIKTATOREN REDEN

Trump sagte am Freitagabend (Ortszeit) auf die Frage eines Reporters, warum er selbst sich nicht an die neue Masken-Maßnahme halten wolle: «Im Oval Office zu sitzen, hinter diesem schönen Resolute Desk (dem Schreibtisch des Präsidenten im Weißen Haus), dem großartigen Resolute Desk - ich denke, eine Gesichtsmaske zu tragen, wenn ich Präsidenten, Ministerpräsidenten, Diktatoren, Könige, Königinnen grüße, ich weiß nicht, irgendwie sehe ich das für mich selbst nicht. Sehe ich einfach nicht. Vielleicht werde ich meine Meinung ändern.»

DRAMATISCH STEIGENDE ZAHLEN IN DEN USA

Die Lage in den USA in der Corona-Krise spitzt sich weiter zu. Die Zahl der Toten lag am Samstagmorgen (Ortszeit) nach Daten der Johns-Hopkins-Universität bei mehr als 7000. Die Zahl bekannter Infektionen lag demnach bei fast 300.000 - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Nach Berechnungen des Instituts IHME der Universität Washington in Seattle, auf die auch das Weiße Haus jüngst Bezug genommen hat, wird der Höhepunkt der Epidemie in den USA jedoch erst am 16. April erwartet - mit dann möglicherweise mehr als 2600 Toten an diesem Tag.

HOTSPOT NEW YORK

Der Ostküstenstaat New York und die gleichnamige Metropole sind derzeit am schlimmsten von der Coronavirus-Epidemie betroffen. Gouverneur Andrew Cuomo bat erneut um mehr Hilfe aus anderen Landesteilen, die derzeit noch nicht so stark vom Virus Sars-CoV-2 betroffen sind. New York sei derzeit «die Speerspitze» und brauche Hilfe. Sobald sich die Lage beruhige, werde New York anderen stärker betroffenen Landesteilen helfen, versprach Cuomo. Er betonte: «Gegenseitige Hilfe ist die einzige Lösung.»

EXPORTVERBOTE VON MASKEN

Trump kündigte unterdessen an, dass die US-Regierung den Export knapper medizinischer Schutzausrüstung wegen der Ausbreitung des Coronavirus verbieten wolle. Verhindert werden solle etwa der Export von Atemschutzmasken des Typs N95, von Operationshandschuhen und anderen Produkten. «Wir brauchen diese Produkte sofort bei uns im Land», mahnte er. Trump betonte zugleich, wenn bestimmte Länder wie etwa Spanien große Probleme hätten und längerfristige Bestellungen aufgegeben hätten, werde er solche Lieferungen nicht stoppen. Spanien ist ebenfalls schwer von der Corona-Krise getroffen.

KRITIK VON BETROFFENEM UNTERNEHMEN

Das US-Unternehmen 3M, das unter anderem Atemschutzmasken herstellt, äußerte sich kritisch zu den Anweisungen aus dem Weißen Haus. Diese hätten erhebliche humanitäre Auswirkungen für bestimmte Länder. Außerdem könne der Schritt nach sich ziehen, dass andere Staaten ebenfalls den Export solcher Produkte in die USA aussetzten, was in der aktuellen Lage kontraproduktiv wäre. Trump tat die Kritik des Unternehmens ab und sagte, er sei nicht zufrieden mit 3M.

Trump hatte im vergangenen Monat ein Gesetz aus Kriegszeiten aktiviert, um angesichts der Corona-Krise verstärkt in die Privatwirtschaft eingreifen zu können. Damit will er unter anderem die Produktion von Beatmungsgeräten und Atemschutzmasken ankurbeln. Dieses Gesetz hatte er am Donnerstag gegen 3M angewandt.

DER BISHERIGE KURS

Der oberste Gesundheitsbeamte der US-Regierung, Vizeadmiral Jerome Adams, hatte Ende Februar auf Twitter geschrieben: «Im Ernst, Leute - hört auf, Masken zu kaufen!» Masken seien nicht dazu geeignet, die Infektion einer breiten Masse von Menschen durch das Coronavirus zu verhindern. Ein Mangel an Masken gefährde das medizinische Personal. Am Freitagabend gab er dann in einem Video der Gesundheitsbehörde CDC eine Anleitung, wie aus einem zerschnittenen T-Shirt eine Maske gebastelt werden kann. «So einfach ist das», sagte der Vizeadmiral.



Thema des Tages

Trump ruft zu härterem Durchgreifen auf und greift Biden an

Washington (dpa) - Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis kommen die USA nicht zur Ruhe. In mehreren US-Metropolen kam es in der sechsten Nacht in Folge zu Protesten, die teils in Gewalt ausarteten. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Konjunkturpaket: Koalition vor wegweisenden Entscheidungen
  • Mehr als halbe Million Corona-Infizierte in Brasilien
  • Der Mann, der die Welt verpackte: Christo ist tot
  • Computer

    Apple kauft kanadisches Daten-Start-up Inductiv

    Cupertino (dpa) - Apple will seine Sprachassistentin Siri mit einem Zukauf verbessern. Der iPhone-Konzern übernahm das kanadische Start-up Inductiv, das sich auf Technologie zum maschinellen Lernen spezialisiert, wie ein Sprecher bestätigte. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Avatar? Plötzlich wieder da - als Spielerei bei Facebook
  • Rocket Internet fürchtet herben Dämpfer durch Corona-Krise
  • Russland weist Vorwurf der Beteiligung an Hacker-Fall zurück


  • Wissenschaft

    Raumfahrer wieder von den USA aus zur ISS gestartet

    Cape Canaveral (dpa) - Erstmals seit neun Jahren sind wieder Astronauten von den USA aus zur Raumstation ISS gestartet - und erstmals starteten sie mithilfe eines privaten Raumfahrtunternehmens. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Deutschlands Welt der Falter erstmals in einem Atlas
  • Pfizer: Corona-Impfstoff zunächst in westlichen Ländern
  • Physiker aus Deutschland bekommen hoch dotierten Kavli-Preis
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.652,50 +0,57%
    TecDAX 3.208,00 +0,70%
    EUR/USD 1,1133 +0,17%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation