Überblick
04.03.2021

Kombinierer bei Heim-WM chancenlos - Bauer hört auf

Von Thomas Eßer und Patrick Reichardt, dpa

Oberstdorf (dpa) - Rekord-Champion Eric Frenzel schlich völlig ausgepumpt aus dem Zielbereich und hatte «Wut im Bauch»: Den deutschen Nordischen Kombinierern droht bei der Heim-WM ein Fiasko.

Titelverteidiger Frenzel, Fabian Rießle und ihre Teamkollegen waren im Kampf um die Medaillen in Oberstdorf beim Gold-Triumph des 19 Jahre alten Österreichers Johannes Lamparter chancenlos. Wie bereits an den beiden Tagen zuvor, schaffte es erneut kein deutscher Sportler im Allgäu auf das Podest - auch die Langläuferinnen in der Staffel nicht. Im Team der Skispringerinnen geht die Ära von Bundestrainer Andreas Bauer zu Ende.

Bei den Kombinierern belegte Titelverteidiger Frenzel als Bester Athlet des Deutschen Skiverbands wie schon im Wettkampf von der Normalschanze den vierten Platz. Seit dem ersten WM-Einzel von der Großschanze im Jahr 2001 hatten es die deutschen Sportler in diesem Wettkampf immer auf das Podest geschafft - bis zu den Titelkämpfen dahoam.

«Bei Weltmeisterschaften geht's natürlich um die Medaillen. Da hätte ich sehr gerne mitgekämpft», sagte Frenzel. Sein Trikot mit der Aufschrift «World Champion 2019» erinnerte an vergangene Erfolge. Silber gewann Jarl Magnus Riiber aus Norwegen, Bronze holte der Japaner Akito Watabe. Direkt hinter Frenzel lief Rießle als Fünfter über die Ziellinie.

«Ich glaube, dass wir heute das Maximale rausgeholt haben», sagte Rießle mit Blick auf die schlechte Position nach dem Springen. Bundestrainer Hermann Weinbuch stellte fest: «Die Mannschaft hat Kämpferherz gezeigt. Mit Platz vier und fünf sind wir noch ganz gut weggekommen.»

In einem schwachen Sprungdurchgang war Rießle am Vormittag als bester Deutscher auf Rang zehn gelandet. Sein Rückstand auf den führenden Lamparter betrug 1:55 Minuten, die Podestplätze waren 1:18 Minuten weg. Frenzel lag nochmal 19 Sekunden hinter Rießle. Für die Medaillenränge war bereits da «der Zug abgefahren», wie Weinbuch treffend sagte. Die beiden Lokalmatadoren Vinzenz Geiger und Johannes Rydzek enttäuschten mit den Plätzen 15 und 17, Manuel Faißt belegte den 19. Rang.

Bei den vergangenen drei Weltmeisterschaften hatte es für die Kombinierer immer mindestens zwei Goldmedaillen gegeben, vor vier Jahren in Lahti sogar gleich vier. Solche Bilanzen sind nun ausgerechnet im Allgäu weit weg. Im Team hatten Terence Weber, Rießle, Frenzel und Geiger den zweiten Platz belegt.

Eine weitere Medaillenchance haben die Kombinierer noch im Teamsprint, wo sie Titelverteidiger sind. In Seefeld hatten Frenzel und Rießle 2019 Gold geholt und auch diesmal will Frenzel wieder angreifen. «Die Wut im Bauch ist auf jeden Fall da», sagte er.

Wenige Stunden zuvor hatte Bauer seinen Rücktritt als Bundestrainer der Skispringerinnen nach dieser Saison verkündet. «Ich bin schon seit längerer Zeit zu dem Entschluss gekommen, dass die Heim-WM in Oberstdorf nochmal das Highlight für mich wäre. Dass ich bis dahin gerne bereit bin, weiterzumachen. Zum Saisonende werde ich mein Amt niederlegen», sagte der 57-Jährige in einer Medienrunde. Als Begründung nannte er ein «privates Projekt», das mit dem zeitintensiven Job nicht mehr vereinbar sei.

Bauer begleitete die Springerinnen seit der ersten Weltcup-Stunde 2011/2012 und verantwortete in den vergangenen Jahren viele Siege, WM-Titel und zwei Olympia-Medaillen. Wer auf den Oberstdorfer folgt und die Springerinnen um Katharina Althaus zu den Olympischen Winterspielen 2022 nach Peking begleitet, ist noch nicht bekannt.

Bei den Langläuferinnen feierte Norwegens Superstar Therese Johaug mit der Staffel ihre dritte Goldmedaille bei dieser WM. Mit Landesflagge hüpfte die 32-Jährige jubelnd durch den Zielraum. Das deutsche Quartett Laura Gimmler, Katharina Hennig, Pia Fink und Victoria Carl hielt im Kampf um Bronze lange mit und belegte am Ende den fünften Platz. Platz zwei sicherten sich die Russinen vor Finnland.

© dpa-infocom, dpa:210304-99-690489/3



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