Überblick
02.08.2020

Zverev kritisiert US-Open-Pläne: «Bisschen verrückt»

Von Wolfgang Müller, dpa

Biot/Frankreich (dpa) - Als Alexander Zverev zu seiner kurzfristigen Absage für das Berlin-Turnier nach der umstrittenen Adria-Tour befragt wurde, stand Deutschlands bester Tennisprofi einfach auf und brach die Pressekonferenz ab.

«Bis morgen», sagte der Weltranglisten-Siebte aus Hamburg, lächelte noch einmal kurz in die Kamera und beendete die Videoschalte. Der 23-Jährige hatte bei einem Show-Spektakel in der Mouratoglou-Akademie in Südfrankreich gerade sein erstes Match gegen Felix Auger-Aliassime gewonnen. Tags darauf spielte er im Finale erneut gegen den 19 Jahre alten Kanadier - und setzte sich erneut im sogenannten Sudden Death durch.

Zunächst noch blendend gelaunt und durchaus meinungsstark gab Zverev am Samstag die weitere Zusammenarbeit mit dem spanischen Ex-Profi David Ferrer als Coach bekannt und äußerte seine Vorbehalte gegenüber einer Austragung der US Open. «Es ist ein bisschen verrückt, jetzt die US Open zu spielen», sagte er. «Ich würde es lieber haben, wenn die US Open nicht stattfinden würden und wir in Europa anfangen.»

Es sei «nicht die richtige Zeit, jetzt nach Amerika zu fliegen», sagte Zverev, schloss eine Absage aber aus - im Gegensatz zum Australier Nick Kyrgios, der am Sonntag seinen Verzicht bekanntgab. «Wenn die US Open stattfinden, was sollen wir Spieler machen? Gerade wenn alle spielen, es geht ja auch um Ranglistenpunkte», sagte Zverev. Trotz der nach wie vor hohen Covid-19-Zahlen in den USA und der Vorbehalte vieler Profis hält der US-Verband daran fest, zuerst das von Cincinnati nach New York verlegte Frauen- und Männerturnier und ab dem 31. August die US Open ohne Zuschauer auszutragen.

Natürlich hatte der Presse-Mann am Samstagabend noch darauf hingewiesen, dass bitte nur Fragen zum «Ultimate Tennis Showdown» zugelassen seien und bitte auf keinen Fall nach Covid-19 oder der Adria-Tour gefragt werden dürfe. Beim (ebenfalls nicht vorgesehenen) Thema US Open noch auskunftsfreudig, blieb Zverev also auch weiterhin Antworten schuldig nach seinem Verhalten in der Corona-Krise.

Inmitten der aktuellen Debatten um den Neustart der Tour, eines positiven Corona-Tests vor dem Damen-Turnier in Palermo und der immer stärker werdenden Zweifel an den US Open und nun auch dem Masters in Madrid war der Auftritt in der Nähe von Nizza immerhin Zverevs erster öffentlicher seit der folgenreichen Adria-Tour.

Im Juni war er dort zunächst zusammen mit dem Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic und weiteren Profis wegen Partyvideos und der Missachtung von Hygieneempfehlungen negativ aufgefallen. Danach war ein Partyvideo mit ihm, ohne zeitliche Zuordnung, im Internet aufgetaucht. Schließlich verärgerte Zverev die Organisatoren eines Einladungsturniers in Berlin mit seinem kurzfristigen Rückzieher.

Keine guten Themen für diesen lauschigen Sommerabend in der schmucken Akademie des Serena-Williams-Coaches Patrick Mouratoglou. Sportlich hatte das Duell mit seinem 19 Jahre alten regelmäßigen Trainingspartner nur bedingt Aussagekraft, teilweise spektakulär anzusehen war es aber - auch wegen der revolutionären Regeln.

So wird beispielsweise jedes Match über vier Viertel à zehn Minuten gespielt. Die Spieler bekommen Spitznamen verpasst (Zverev ist «The Lion», Auger-Aliassime «The Panther») und werden vom Stuhlschiedsrichter auch permanent so genannt. Zudem haben sie die Möglichkeit, virtuelle Trumpfkarten zu ziehen und damit beispielsweise dem Gegner einen Aufschlag weniger zu gestatten oder den nächsten gespielten Punkt doppelt oder dreifach zählen zu lassen.

Weil es zwischen Zverev und dem Weltranglisten-20. unentschieden stand, entschied ein Sudden Death. Wer zwei Punkte nacheinander macht, gewinnt. «Es hat einfach Spaß gemacht, wieder ein Match zu bestreiten», sagte Zverev. Auf unbequeme Fragen hatte er keine Lust.

© dpa-infocom, dpa:200802-99-11045/6



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