Thema des Tages
10.02.2020

Sturmtief «Sabine»: Wenn nichts mehr fährt

Von Larissa Schwedes, dpa

Köln (dpa) - Sonntagabend an einem großen deutschen Hauptbahnhof, das heißt eigentlich: volle Abteile, Schaffner mit Trillerpfeifen, letzte Wochenend-Küsse vor sich schließenden Zugtüren und Eltern, die ihren abreisenden Kindern vom Gleis aus zuwinken.

Doch nicht an diesem Februarabend, an dem ein Sturm mit dem eigentlich harmlos klingenden Namen «Sabine» über das Land fegt. Stattdessen: Stillstand.

Kein Zug bewegt sich mehr vor und zurück. Schon am Nachmittag hat die Bahn den Fernverkehr in Nordrhein-Westfalen komplett eingestellt, nach und nach sollte der Rest der Republik folgen. In vielen Regionen sind auch keine Regionalzüge mehr unterwegs.

Nachdem die ersten Bäume auf Gleise stürzten, ging die Bahn lieber auf Nummer sicher. «Die Erfahrung früherer Stürme hat gezeigt: Es ist besser, sich um Fahrgäste an geeigneter Stelle zu kümmern als Gefahr zu laufen, dass ein voll besetzter Zug auf freier Strecke irgendwo stehen bleibt», sagt ein Bahn-Sprecher. Im Laufe der Nacht sollte «Sabine» Wetterexperten zufolge Windgeschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometer erreichen.

Die Anzeigetafeln auf den Kölner Gleisen zeigen die Uhrzeit 23.59 an, doch das hat nichts zu sagen. «Vor 7 Uhr fährt hier garantiert nichts mehr», ruft einer der Bahn-Angestellten in roten Windjacken, die von den zahlreichen gestrandeten Fahrgästen belagert werden. Wegen der Unwetterschäden könne am Morgen «bundesweit im Regional- und Fernverkehr keine zuverlässige Betriebsaufnahme» gewährleistet werden, teilt das Unternehmen derweil mit. «Erst nach Sichtung der Schäden im Rahmen von Erkundungsfahrten und erforderlichen Reparaturarbeiten werden die Strecken sukzessive wieder freigegeben.»

Das Einzige, was am Kölner Hauptbahnhof an diesem Abend noch abfährt, sind Taxis. Wenn gestrandete Bahnfahrende sich lange genug anstellen, haben sie Chance auf einen Taxi-Gutschein auf Kosten der Bahn. An die 20 Wagen mit gelbem Leuchtschild reihen sich in der Zufahrt zum Bahnhofsvorplatz auf, ständig fahren welche los und machen Platz für neue. Ein Ordner weist die Wartenden in Grüppchen den Autos zu: «Ich brauche ein 7er hier vorne, los.»

Auf den Gleisen in Kölner Hauptbahnhof herrscht dagegen gähnende Leere. Die Empfangshalle ist dafür umso voller. Lange Schlangen haben sich vor den Info-Schaltern gebildet. «Ich lasse mich mal überraschen», sagt ein 29-jähriger Bundeswehrsoldat in Uniform, der eigentlich aus Wuppertal zurück in seine Kaserne bei Würzburg fahren wollte. «Ich bin da völlig stressfrei.» Notfalls: eine Nacht im Aufenthaltszug.

In dem besagten Aufenthaltszug auf Gleis 1, den die Bahn in Köln - wie auch an vielen anderen größeren Bahnhöfen - die Nacht über bereitstellt, ist am frühen Abend noch nicht viel los. Die Freundinnen Ann-Kathrin und Tabita haben es sich mit einer Sektflasche in einem Vierer-Sitz gemütlich gemacht und hoffen noch darauf, von der Bahn einen Hotel-Gutschein zu bekommen. Ein 53-jähriger Pendler aus dem Westerwald hat sich ein Abteil weiter schon mit seinem Schicksal abgefunden und die Schokobonbons der Bahn vor sich ausgebreitet. «Ich habe das schon erprobt», erzählt er. Während des letzten großen Sturmtiefs, Friederike, habe es ihn auch erwischt und er habe die Nacht im Zug geschlafen. «Das war einwandfrei.»

Schon Tage bevor «Sabine» auf Deutschland traf, riet die Bahn Reisenden, ihre Fahrten - wenn möglich - auf die Zeit nach dem Sturm zu verschieben. Es scheint: Wer trotzdem fährt, hat starke Nerven.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation