Thema des Tages
09.02.2020

Wie das neue Coronavirus in Deutschland Fuß fasste

München (dpa) - Deutsche Forscher haben die ersten Infektionen mit dem neuen Coronavirus in Bayern und damit bundesweit rekonstruiert.

Dabei verweist das Team um Camilla Rothe vom Uniklinikum München im «New England Journal of Medicine» («NEJM») auf zwei Besonderheiten: Zum einen habe die chinesische Mitarbeiterin, die den Ausbruch verursachte, zu jener Zeit allenfalls unspezifische Symptome verspürt. Zum anderen bestehe die Möglichkeit, dass Menschen auch nach ihrer Genesung noch infektiös sein könnten.

Quelle des Erregers war - wie bekannt - eine Frau aus Schanghai, die den Automobilzulieferer Webasto in Bayern vom 19. bis 22. Januar besuchte und an Firmentreffen teilnahm. Eine spätere Befragung ergab, dass sie sich am 20. Januar ein wenig warm fühlte, aber nicht fiebrig. Um am nächsten Tag fit zu sein, habe sie eine Tablette genommen. Am 21. war sie demnach nachmittags müde und hatte auf Druck leichte Muskelschmerzen. Am Tag ihres Abflugs fröstelte sie etwas in ihrer leichten Geschäftskleidung, bis sie einen Schal anzog.

Erst am Abend des 23. Januars fühlte sie sich wirklich krank, und hatte eine Temperatur von etwa 38 Grad, die bis zum Abend des Folgetags auf 38,7 Grad stieg. Nach Angaben der Autoren wurde sie am 26. Januar positiv auf den Erreger getestet. Am 27. informierte sie das Unternehmen über ihre Erkrankung, worauf ihre Kontakte überprüft wurden - auch in Bayern.

Unterdessen hatte der erste deutsche Patient, ein 33-jähriger Webasto-Mitarbeiter, dem Bericht zufolge am 24. Januar Halsschmerzen, Frösteln und Muskelschmerzen bemerkt. Einen Tag später folgten Husten und 39,1 Grad Fieber. Am Abend des 26. Januars fühlte er sich besser und kehrte am 27. zur Arbeit zurück, bevor der Erreger bei ihm nachgewiesen wurde.

Am 28. Januar wurden drei weitere Mitarbeiter der Firma positiv getestet - aber nur einer von ihnen hatte der Studie zufolge Kontakt zu der Chinesin gehabt. Die anderen beiden Angestellten hätten sich bei dem 33-Jährigen infiziert, schreibt das Team, zu dem neben Münchner Medizinern auch der Coronavirus-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité zählt. Zudem sei bei dem 33-Jährigen Erbgut der Coronaviren nachgewiesen worden, als dieser sich schon wieder gesund fühlte.

«Die Tatsache, dass Personen ohne Symptome mögliche Quellen der 2019-nCoV-Infektion waren, kann eine Neueinschätzung der Übertragungsdynamik des derzeitigen Ausbruchs rechtfertigen», schreibt das Team. «In diesem Zusammenhang bereitet der Nachweis von 2019-nCoV und eine hohe Virenlast im Sputum bei einem genesenen Patienten Sorge über eine Verbreitung von 2019-nCoV nach der Besserung.»

Die Funktionsfähigkeit der nachgewiesenen Viren müsse jedoch noch im Labor gezeigt werden, betont das Team. Die Forscher berichten, dass die vier in der Studie beschriebenen deutschen Patienten lediglich eine leichte Symptomatik hatten. Sie seien nur aus Sorge um die öffentliche Gesundheit in Krankenhäusern behandelt worden. Insgesamt waren in Deutschland bis Freitag 13 Fälle nachgewiesen: Elf davon in Bayern hängen mit dem beschriebenen Ausbruch zusammen. Zwei weitere Menschen, die aus China zurückgeholt wurden, werden in Frankfurt/Main behandelt.



Thema des Tages

Staatsanwaltschaft geht vom Tod Maddies aus

Braunschweig/Wiesbaden (dpa) - Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hält die vor rund 13 Jahren in Portugal verschwundene dreijährige Madeleine «Maddie» McCann für tot. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Kein Frust bei Werder: «Rückschlag, aber kein Knockout»
  • 130 Milliarden gegen Krise: Mutig oder «teure Gießkanne»?
  • Neue Anklagen im Fall Floyd - Heftige Kritik an Trump
  • Computer

    Technik-Messe CES soll 2021 trotz Corona-Sorgen stattfinden

    Las Vegas (dpa) - Die Technik-Messe CES in Las Vegas soll im kommenden Jahr ungeachtet der Corona-Risiken stattfinden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Justizministerium: 150.000 mehr Ermittlungen durch NetzDG
  • Zuckerberg verteidigt Umgang mit Trump-Äußerungen
  • Grüne Justizminister beharren auf Gesetz für Corona-Warn-App


  • Wissenschaft

    Der Weg zur Genesung - Wie es Patienten nach Covid-19 geht

    Berlin (dpa) - Zig Millionen Menschen weltweit haben eine Infektion mit dem Coronavirus bereits überstanden. Die Dunkelziffer gilt als hoch, auch weil Sars-CoV-2 vielfach kaum oder gar keine Symptome verursacht. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Wohl älteste und größte Monumentalanlage der Maya entdeckt
  • Studie: Hydroxychloroquin schützt nicht vor Ansteckung
  • 2019 verschwand alle 6 Sekunden ein Fußballfeld Primärwald
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.429,00 -0,47%
    TecDAX 3.248,75 -0,45%
    EUR/USD 1,1200 -0,33%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation