Thema des Tages
17.05.2019

Die E-Tretroller kommen - auf Radwegen und ab 14 Jahren

Berlin (dpa) - Elektro-Tretroller können bald in deutschen Städten starten. Der Bundesrat machte am Freitag den Weg für eine Zulassung sogenannter E-Scooter mit maximal 20 Kilometern pro Stunde (km/h) im Sommer frei - änderte aber wichtige Sicherheitsregeln.

Fahrer müssen mindestens 14 Jahre alt sein und Radwege nutzen, auch wenn sie auf langsameren Modellen unterwegs sind. Gehwege bleiben für die neuen Gefährte zum Schutz von Fußgängern tabu. Die Bundesregierung will die Änderungen nun zügig umsetzen, nötig ist noch ein Kabinettsbeschluss. Voraussichtlich im Juni soll die geplante Verordnung in Kraft treten.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Wichtig war, dass wir eine schnelle und - für alle Verkehrsteilnehmer - gute Einigung erzielt haben.» E-Rollerfahrer dürften sich freuen: «Noch vor der Sommerpause gehts für sie nun endlich richtig los.» Der Bund will dafür auf Sicherheitsbedenken der Länder eingehen. Ursprünglich war in der Verordnung vorgesehen, dass langsamere E-Tretroller in Schrittgeschwindigkeit auf Bürgersteigen fahren sollten. Sie sollten mit einem Maximaltempo von unter 12 km/h auch schon für Zwölfjährige erlaubt werden. Beides ist nun vom Tisch.

Die neuen E-Roller sollen insbesondere für kurze Strecken etwa von der Bushaltestelle ins Büro oder zum Geschäft ein paar Straßen weiter ein neues Angebot sein. Sie sind in der Regel kleiner und leichter als Fahrräder, oft lassen sie sich auch zusammenklappen. Anbieter von Leih-Rollern stehen in größeren Städten schon in den Startlöchern. Auch in ICEs und Intercitys sollen die Gefährte nach Angaben der Bahn kostenlos an Bord - zusammengeklappt unter oder über dem Sitz.

Allerdings gibt es weiterhin auch viele Bedenken, was Sicherheit, Ärger mit Radfahrern und Umweltaspekte angeht. Forderungen, die Gefährte erst ab 15 Jahren zu erlauben, fanden im Bundesrat keine Mehrheit. Einen Helm müssen die Fahrer nicht tragen, sie brauchen auch keinen Führerschein. Anders als Fahrräder sollen die neuen Gefährte versicherungspflichtig sein, dafür soll es einen Aufkleber geben. Fahren sollen die Tretroller in der Regel auf Radwegen oder Radfahrstreifen - gibt es keine, darf die Fahrbahn genutzt werden.

Fußgängervertreter und Verkehrssicherheitsexperten waren gegen eine Nutzung von Gehwegen Sturm gelaufen. Aber auch viele Radfahrer sind nun nicht begeistert von der Aussicht, sich ihre Wege künftig mit E-Tretrollern zu teilen. «Wir sagen: Doppelt so viel Platz und hohe Wegequalität für den Radverkehr, dann klappts auch mit dem gemeinsamen Fahren von Fahrrädern, Pedelecs und E-Scootern», sagte der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC, Burkhard Stork. Radwege seien ohnehin oft schlecht, holprig oder gar nicht vorhanden. Für E-Scooter mit kleineren Rädern und hoher Beschleunigung sei das «richtig unbequem und gefährlich».

Umweltschützer sehen die elektrischen Flitzer als Baustein einer Verkehrswende, fordern aber eine größere Debatte darüber, welchen Raum welches Verkehrsmittel bekommt: «Wer Verkehrsmittel abseits des Autos stärken oder neu etablieren will, muss ihnen zusätzlichen Raum geben. Und dieser Raum muss dafür dem Autoverkehr entzogen werden», sagte etwa BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg. Zudem sieht er Verleihsysteme kritisch: Erfahrungen aus anderen Städten zeigten, dass dort viele Roller «offenbar bereits nach drei Monaten ausgetauscht und verschrottet werden.»

Chaos wie mit dem mobilen Verleih von Fahrrädern, der in vielen Städten Ärger macht, wollen die Kommunen diesmal vermeiden. Die Räder standen und stehen teils kreuz und quer auf Bürgersteigen oder liegen kaputt herum. Städtetags-Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy hatte betont, dass Fahrzeuge unterschiedlicher Anbieter gebündelt werden müssten, wo öffentlicher Platz knapp sei. Dafür könnten die Städte dann Sondergenehmigungen für öffentliche Parkflächen aussprechen.



Thema des Tages

Der Mann, der die Welt verpackte: Christo ist tot

New York (dpa) - Wer glaubte, dass Christo in seinem silbern verpackten Berliner Reichstag oder seinen leuchtend gelben, schwimmenden Stegen auf einem See in Italien irgendeine tiefere Bedeutung sah, der irrte. »weiter
Lesen Sie auch:
  • «Justice for George»: Proteste in der Fußball-Bundesliga
  • Die USA in Aufruhr: Proteste und Gewalt in vielen Städten
  • Söder: Kanzlerkandidatur wird im Januar entschieden
  • Computer

    Apple kauft kanadisches Daten-Start-up Inductiv

    Cupertino (dpa) - Apple will seine Sprachassistentin Siri mit einem Zukauf verbessern. Der iPhone-Konzern übernahm das kanadische Start-up Inductiv, das sich auf Technologie zum maschinellen Lernen spezialisiert, wie ein Sprecher bestätigte. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Avatar? Plötzlich wieder da - als Spielerei bei Facebook
  • Rocket Internet fürchtet herben Dämpfer durch Corona-Krise
  • Russland weist Vorwurf der Beteiligung an Hacker-Fall zurück


  • Wissenschaft

    Raumfahrer wieder von den USA aus zur ISS gestartet

    Cape Canaveral (dpa) - Erstmals seit neun Jahren sind wieder Astronauten von den USA aus zur Raumstation ISS gestartet - und erstmals starteten sie mithilfe eines privaten Raumfahrtunternehmens. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Deutschlands Welt der Falter erstmals in einem Atlas
  • Pfizer: Corona-Impfstoff zunächst in westlichen Ländern
  • Physiker aus Deutschland bekommen hoch dotierten Kavli-Preis
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.727,00 +1,21%
    TecDAX 3.227,25 +1,30%
    EUR/USD 1,1110 -0,03%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation