Überblick
26.03.2020

Coronavirus lässt Verbraucherstimmung einbrechen

Nürnberg (dpa) - Die aktuelle Corona-Krise hat die Verbraucherstimmung in Deutschland auf den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise einbrechen lassen.

In seinem monatlich ermittelten Konsumklimaindex prognostiziert der Nürnberger Marktforscher GfK für April einen Rückgang um 5,6 Punkte auf 2,7 Zähler.

Nur im Mai 2009 auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise lag der Index mit 2,6 Punkten niedriger. «Ein so starker Rückgang ist seit Beginn der Erstellung des Konsumbarometers 1994 beispiellos», sagte GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl.

Wegen der starken Ausbreitung des Coronavirus und den damit einhergehenden Beschränkungen in der Wirtschaft zog die GfK ihre Konsumprognose von einem Prozent Wachstum in diesem Jahr zurück. Handel, Hersteller und Dienstleister müssten sich auf eine Rezession einstellen. «Wie schwer diese ausfällt, wird davon abhängen, wann die Wirtschaft wieder in eine Art Normalität zurückfindet», sagte Bürkl.

Insbesondere auf den Handel würden schwere Zeiten zukommen. Dem Lebensmitteleinzelhandel hat das Coronavirus laut GfK Ende Februar jedoch noch einen Umsatzsprung von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat beschert. Der Zuwachs sei vor allem auf Hamsterkäufe in der neunten Kalenderwoche (24. Februar bis 1. März) zurückzuführen, in der in einzelnen Kategorien wie Konserven, Nudeln und Reis sogar ein Umsatzplus von bis zu 200 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche zu verzeichnen gewesen sei.

«Dieser Trend wird auch im März und unter Umständen in den Folgemonaten anhalten. Die Stilllegung des öffentlichen Lebens führt neben Hamsterkäufen auch zu einer Verlagerung des Außer-Haus-Konsums in die privaten Wohnungen und lässt die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr steigen», sagte der GfK-Handelsexperte Robert Kecskes. Mittel- und langfristig werde sich aber auch der Lebensmitteleinzelhandel auf die unsichere Lage vieler Haushalte einstellen müssen.

Die Verbraucher sehen auf Deutschland wirtschaftlich sehr schwierige Zeiten zukommen, so die GfK. Gefragt nach ihrer Konjunktureinschätzung äußerten sie sich so negativ wie zuletzt im August 2012.

Drohende Kurzarbeit und steigende Arbeitslosenzahlen schlagen inzwischen auch voll auf die eigene Einkommenserwartung durch. Dieser Indikator fiel um 13,4 Zähler auf nun 27,8 Punkte, dem niedrigsten Wert seit sieben Jahren. «Die Angst vor dem Jobverlust hat stark zugenommen», sagte Bürkl.

Die Anschaffungsneigung der Verbraucher sank noch stärker um 22,2 Zähler auf jetzt 31,4 Punkte. Ein höheres Minus gab es laut den Nürnberger Konsumforschern nur während der Mehrwertsteuererhöhung im Januar 2007.

Dagegen nahm die zuletzt wegen der Niedrigzinsen stark zurückgegangene Sparneigung der Verbraucher wieder zu. Dieser Parameter legte laut Bürkl um 10 Prozent zu. «In der Krise halten die Menschen jetzt ihr Geld zusammen», sagte er.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation