Brennpunkte
25.05.2019

Chef-Ermittler: Hintergrund der Explosion in Lyon unklar

Lyon (dpa) - Nach einer Explosion mit 13 Verletzten in der französischen Stadt Lyon ist der Hintergrund der Tat noch unklar. Es habe noch niemand die Tat für sich reklamiert, erklärte Staatsanwalt Rémy Heitz am Samstag in Lyon.

Aber allein die Tatsache, dass jemand mitten am Tag in einer belebten Straße eine solche Tat verübe, reiche für Anti-Terror-Ermittlungen aus. Die Staatsanwaltschaft ermittle nun unter anderem wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit einem terroristischen Hintergrund. Der Täter sei weiterhin auf der Flucht.

Zur Identität des mutmaßlichen Täters machte Heitz keine weiteren Angaben. Allerdings konnte mithilfe von Sicherheitskameras ein Teil des Weges des mutmaßlichen Täters nachverfolgt werden. Der Tatverdächtige habe eine Papiertüte vor der Bäckerei im Zentrum der Stadt abgestellt und sei danach wieder auf sein Fahrrad gestiegen und habe denselben Weg zurück genommen. Es werde nun alles in Bewegung gesetzt, um den Täter schnell festzunehmen. Die Polizei veröffentlichte am Samstagabend weitere Fahndungsbilder.

Seit Freitagabend seien Dutzende Ermittler im Einsatz und werteten etwa Videoaufnahmen aus, so Heitz. Ersten Erkenntnissen nach ist die Explosion mit einem Fernzünder ausgelöst worden. In der abgestellten Tüte seien Objekte aus Metall gewesen. Der Nachrichtensender BFMTV berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass auf der Tüte DNA gefunden worden sei. Ob diese zum mutmaßlichen Täter gehöre, sei aber nicht klar. Außerdem wurden dem Sender zufolge geringe Mengen des hochexplosiven Sprengstoffs TATP sichergestellt.

Bei der Explosion wurde dem Chefermittler zufolge auch ein Mädchen verletzt. Elf Menschen mussten in Kliniken gebracht werden. Am Samstagvormittag waren nach Angaben des Bürgermeisters und ehemaligen französischen Innenministers Gérard Collomb noch drei Verletzte zur Behandlung in einem Krankenhaus. Zwei von ihnen hätten leichte Verletzungen, einer etwas schwerere erlitten, sagte Collomb dem Fernsehsender BFMTV. Die Menschen hätten bei der Explosion außerdem einen Schock erlitten. Sie könnten das Krankenhaus aber bald verlassen. Collomb zeigte sich angesichts der geringen Zahl an Verletzten erleichtert: «Es hätte schlimmer kommen können.»

Die Sperre um den Tatort wurde aufgehoben, die Präfektur erhöhte aber die Sicherheitsvorkehrungen für Veranstaltungen am Samstagnachmittag. Die Bevölkerung solle aufmerksam sein, erklärte die Präfektur auf Twitter. Für Samstag waren mehrere Demonstrationen, unter anderem der sogenannten «Gelbwesten» angekündigt.

Lyon liegt im Südosten Frankreichs, es ist die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Rhône und der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Mit mehr als 515 000 Einwohnern ist Lyon die drittgrößte Stadt des Landes nach Paris und Marseille.

Der Vorfall überschattet die Europawahl in Frankreich. Sie begann bereits am Samstag in französischen Überseegebieten wie Guadeloupe und Martinique, im europäischen Kernland wählen die Franzosen dann am Sonntag.



Thema des Tages

Högl will über Wehrpflicht diskutieren

Berlin (dpa) - Die neue Wehrbeauftragte Eva Högl (SPD) hat vor dem Hintergrund rechtsextremistischer Vorfälle in der Bundeswehr eine Debatte über die Wiedereinführung Wehrpflicht angestoßen. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Trump düstere Botschaft zum Auftakt des Unabhängigkeitstages
  • Britische Regierung warnt Kneipengänger vor Alkohol-Exzessen
  • Überschwemmungen in Japan: Hunderttausende müssen fliehen
  • Computer

    Führende Videokonferenzsystemen fallen bei Kurztest durch

    Berlin (dpa) - Die führenden Videokonferenzsysteme wie Microsoft Teams, Skype, Zoom, Google Meet, GoToMeeting, Blizz und Cisco WebEx sind bei einem Kurztest der Berliner Datenschutzbeauftragten Maja Smoltczyk alle durchgefallen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • E-Patientenakte kommt voran - Kritik beim Datenschutz
  • Gesetz gegen Hass und Hetze im Netz nimmt letzte Hürde
  • Spahn: 300 bisher über Corona-Warn-App gemeldete Infektionen


  • Wissenschaft

    EuGH stärkt Recht von Feldhamstern auf Lebensraum

    Luxemburg (dpa) - Der Europäische Gerichtshof hat das Recht von Feldhamstern auf ihren Lebensraum gestärkt. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Patente auf Schimpansen gelten nicht mehr
  • Baumfällungen in der EU haben stark zugenommen
  • USA kaufen große Teile der geplanten Remdesivir-Produktion
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.585,00 -0,19%
    TecDAX 3.014,25 +0,49%
    EUR/USD 1,1249 +0,10%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation