Wissenschaft
17.08.2019

Handel mit Wildtieren: Eine Lösung für deren Schutz?

Genf (dpa) - Elefantenschädel als Jagdtrophäen, Elfenbein für Schmuck: Geht es nach dem Willen mehrerer Länder im südlichen Afrika, soll mehr Handel mit Elefanten erlaubt werden.

Seit Samstag beraten Vertreter der 183 Unterzeichner des Washingtoner Artenschutzübereinkommens über den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen (Cites) über diese und andere Anträge in Genf. An der Lockerung von Wildschutzbestimmungen scheiden sich die Geister.

Die neue Generalsekretärin des Übereinkommens, Ivonne Higuero, hat Verständnis für solche Anliegen. Der Schutz von Tieren und Pflanzen vor Wilderern sei kostspielig, die lokale Bevölkerung müsse von ihrem Einsatz auch wirtschaftlich profitieren können, sagte sie zum Auftakt der Konferenz. «Der Schutz und der legale Handel mit Wildarten tragen zu nachhaltiger Entwicklung bei, das ist bewiesen», sagte sie. «Tourismus ist ein Teil der Lösung, aber wir müssen weitere Lösungen im Rahmen legalen Handels finden.»

Tierschützer kritisieren diese Auffassung. Bei Cites gehe es einzig um den Schutz der Arten, keine anderen Aspekte, sagte Daniela Freyer, Mitgründerin der Organisation Pro Wildlife. Sie ist gegen die Lockerung von Wildschutz.

Sambia, Botsuana, Namibia und Simbabwe begründen ihre Anträge auf Lockerung des Elefanten- und Nashornschutzes damit, dass ihre Schutzmaßnahmen erfolgreich gewesen seien. In Botsuana etwa sei die Elefantenpopulation zwischen 2002 und 2015 von rund 100.000 auf 130.000 Tiere gewachsen. In der Zählung des «Great Elephant Census» hieß es 2016 allerdings, seit 2010 sei die Population schon wieder um 15 Prozent geschrumpft. Über eine neue Wildereikrise in Botsuana berichtete Scott Schlossberg im Juli in der Fachzeitschrift «Current Biology». Im Norden des Landes sei die Zahl frischer Elefantenkadaver zwischen 2014 und 2018 um fast 600 Prozent gestiegen. Im vergangenen Jahr seien dort 156 Elefanten gewildert worden. 

Jagdverbände befürworten eine Lockerung des Schutzes. Geld aus Abschusslizenzen könnte etwa in Bildungseinrichtungen oder die Sanitärversorgung der örtlichen Bevölkerung fließen, sagt Dietrich Jelden, Ex-Leiter der deutschen Cites-Vollzugsbehörde und Experte beim Internationalen Rat zur Erhaltung der Jagd und des Wildes (CIC). «Jede Einkommensquelle, die in Einklang steht mit einem nachhaltigen Wildschutz, ist extrem wichtig», sagt er. Die Einnahmen aus Jagdlizenzen kämen vor allem den Organisatoren von Jagdreisen zu Gute, selten in großem Umfang der lokalen Bevölkerung, meint hingegen Freyer.

Die Bundesregierung will sich in Genf vor allem für einen besseren Kampf gegen die Wilderei einsetzen. «Dafür darf es keine Lockerung der geltenden internationalen Handelsverbote geben», teilte das Bundesumweltministerium mit. Elefanten und andere Tiere dürfen schon heute als Jagdtrophäen mit Genehmigungen nach Deutschland eingeführt werden. Im vergangenen Jahr wurden Einfuhrlizenzen für 48 Elefanten, 31 Leoparden, 17 Löwen und vier Eisbären ausgestellt, wie aus der Antwort auf eine Anfrage der Bündnis 90/Grünen-Abgeordneten Steffi Lemke im Bundestag hervorgeht. Die Konferenz dauert bis 28. August.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation