Wissenschaft
14.05.2019

Kinder schlafen schlechter, sind morgens aber munter

Von Elke Silberer, dpa

Köln (dpa) - Die kleine Johanna hat schlecht geschlafen. Das haben ihre Eltern Hans und Odette Exner - beide Ärzte - an der Aufzeichnung der Hirnaktivität abgelesen. Die Familie wohnt nur fünf Kilometer vom Flughafen Köln/Bonn entfernt.

Es gibt keine Kernruhezeiten, und so donnern die Maschinen auch nachts übers Haus. Johanna gehört zu den 51 Grundschulkindern im Bereich des Flughafens Köln/Bonn, die an einer Fluglärmstudie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) teilgenommen haben. Die Wissenschaftlerinnen stellten am Dienstag die Ergebnisse vor.

Kinder schlafen demnach in stärker mit Fluglärm belasteten Gebieten schlechter, fühlen sich deshalb am Morgen aber nicht müder. «Wir haben den Eindruck gewonnen, dass Fluglärm im alltäglichen Leben keine so große Bedeutung für die Kinder hat wie für die Erwachsenen», sagte DLR-Projektleiterin Susanne Bartels.

So wachten Kinder bei gleichem Lärmpegel mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit auf als Erwachsene. Anders als bei Erwachsenen sei bei Kindern das Empfinden von Störung oder Ärger über den nächtlichen Fluglärm nicht von der tatsächlich gemessenen Fluglärmbelastung abhängig, hieß es auch. Ausschlaggebend seien vielmehr persönliche Eigenschaften wie Lärmempfindlichkeit oder Ängstlichkeit gegenüber Flugzeugen.

Die Schlafqualität der Acht- bis Zehnjährigen war der Analyse zufolge allerdings schlechter. Ihr Tiefschlaf, der eine wichtige Rolle bei der geistigen und körperlichen Entwicklung und der Erholung von Kindern eine Rolle spielt, war merklich reduziert, nämlich um 2,6 Prozent. «Wenn man die Kinder aber danach fragt, wie hast du in der letzten Nacht geschlafen oder wie fühlst du dich gerade, wie müde bist du, dann sieht man diese Effekte nicht», sagte Bartels - die Kinder fühlten sich erholt.

Man könne nicht sagen, welche Langzeitauswirkung die Reduktion des Tiefschlafes haben könnte, sagte der Kinder- und Jugendarzt Alfred Wiater. «Dazu müsste man die körperliche, psychische und geistige Entwicklung der Kinder langfristig beobachten und mit der nicht-lärmbelasteter Kinder vergleichen», sagte der Schlafforscher.

Die Psychologinnen Susanne Bartels und Julia Quehl sind für die Studie in die Kinderzimmer gegangen und haben die Kinder vor dem Schlafengehen mit Messinstrumenten verkabelt, Herzschlag, Hirnströme, Augen- und Muskelbewegungen gemessen und die Kinder am Morgen zu ihrem Schlaf befragt.

Johannas Vater Hans Exner sieht sich angesichts der Ergebnisse in seinem Eindruck bestätigt: «Zwischen dem, was ich auf dem EEG gesehen habe und wie ich Johanna empfunden habe, gab es einen Unterschied. Wir merken keinerlei Auswirkungen von Lärm auf schulische Leistungen oder Verhalten unserer Tochter. Johanna ist nicht müde tagsüber, sie hat sehr, sehr gute Noten. Das ist alles im grünen Bereich.»

Susanne Bartels erzählt von ähnlichen Rückmeldungen anderer Eltern wie: «Das nehme ich eigentlich auch so wahr, dass mein Kind weniger unter Fluglärm leidet als ich selbst. Ich habe das Gefühl, mein Kind wacht dadurch nicht so häufig auf wie ich selbst», fasst sie Aussagen anderer Eltern zusammen.

Eine Studie aus Hessen zu gesundheitlichen Risiken von Verkehrslärm hatte 2015 nachgewiesen, dass Grundschulkinder bei ständigem Fluglärm langsamer Lesen lernen. Ob und wie genau Fluglärm den Schlaf von Kindern beeinträchtigt, war bisher nicht erforscht. Im Grundschulalter ist das Schlafverhalten nach Angaben der Forscherinnen noch sehr homogen. Darum wählten sie Probanden aus dieser Altersgruppe.

Auf andere Gebiete an Flughäfen wie Düsseldorf oder Frankfurt seien die Ergebnisse nicht übertragbar. Wegen der Kernruhezeiten dort in der Nacht gebe es viel mehr Verkehr in den Randzeiten, wo die Kinder schon schlafen. «Es könnte sein, dass die Kinder da von den Ruhezeiten profitieren, aber in den Randzeiten noch mehr unter dem Lärm leiden», sagte Bartels.

Der Luftverkehr nimmt zwar zu, gleichzeitig werden aber neuere und leisere Flugzeuge eingeführt, wie das DLR-Institut für Aerodynamik und Strömungstechnik mitteilte. Die umfassende Einführung leiserer Flugzeuge soll in etwa 20 Jahren abgeschlossen sein. Wie sich das auf die Lärmentwicklung auswirkt, ist Gegenstand der Forschung.



Thema des Tages

SPD will mit Vermögensteuer 10 Milliarden jährlich kassieren

Berlin (dpa) - Der kommissarische SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel hat ein Konzept für eine Vermögensteuer erarbeitet, die dem Staat jährlich zehn Milliarden Euro einbringen soll. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Scholz und Geywitz offen für Bündnis mit Grünen und Linken
  • Brände in Brasilien: Bolsonaro verbittet sich Ratschläge
  • Wahlumfrage: CDU in Sachsen sechs Punkte vor der AfD
  • Computer

    Bericht: iPhones bekommen weiteres Ultra-Weitwinkel-Objektiv

    San Francisco (dpa) - Neue Spitzenmodelle des iPhones von Apple sollen im Herbst laut einem Medienbericht ein zusätzliches Ultra-Weitwinkel-Objektiv sowie den Namenszusatz «Pro» bekommen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • TimeRide bietet virtuelle Zeitreise durch geteiltes Berlin
  • Telekom: Schnelles Internet in über 30 Millionen Haushalte
  • Großer Andrang bei Eröffnung der Gamescom


  • Wissenschaft

    Experten: Nachtarbeit ist wahrscheinlich krebserregend

    Lyon (dpa) - Arbeiten wenn andere schlafen: Krankenpfleger, Fließbandarbeiter oder Flugbegleiter machen beruflich regelmäßig die Nacht durch. Für den Körper ist das nicht nur wegen Müdigkeit besonders belastend. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • WHO will mehr Studien über Mikroplastik im Trinkwasser
  • ISS bekommt neuen Landungssteg für private Raumschiffe
  • Keine neuen Schranken für Elfenbeinhandel
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.772,00 +0,21%
    TecDAX 2.766,50 -0,61%
    EUR/USD 1,1052 -0,26%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation