Wissenschaft
09.05.2019

Ethikrat: Eingriffe in Erbgut von Nachkommen unzulässig

Berlin (dpa) - Der Deutsche Ethikrat hält gezielte gentechnische Veränderungen des Erbguts ungeborener Babys bis auf weiteres für unzulässig. Solche Eingriffe seien wegen ihrer unabsehbaren Risiken derzeit unverantwortlich, teilte das unabhängige Beratergremium am Donnerstag in Berlin mit.

Bundesregierung und Bundestag sollten sich für einen verbindlichen internationalen Stopp klinischer Anwendungen beim Menschen einsetzen. Grundsätzlich ethisch auszuschließen seien sogenannte Keimbahneingriffe aber nicht. Voraussetzung müsste dann jedoch eine hinreichende Sicherheit und Wirksamkeit sein. Auch in Deutschland sei eine grundlegende Debatte über das Thema nötig.

Für weltweites Aufsehen und Empörung hatte die im November 2018 in China bekannt gegebene Geburt der ersten «Designer-Babys» gesorgt. Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui verkündete, die beiden Zwillingsmädchen durch eine vorgeburtliche genetische Manipulation lebenslang vor einer Ansteckung mit HIV geschützt zu haben.

Der Vorsitzende des Ethikrats, der Theologe Peter Dabrock von der Universität Erlangen-Nürnberg, machte die Dimension deutlich: «Es gibt den Menschen nun als GVO, als gentechnisch veränderten Organismus.» Der ungeheuren Dynamik der Entwicklung gelte es Rechnung zu tragen. Der Ethikrat hatte bereits 2017 mit Arbeiten für die nun vorgelegte Stellungnahme begonnen. Dabei gehe es um mehr als eine Abschätzung von Risiko und Chancen, sagte Dabrock.

Konkret benennt das Gremium ethische Maßstäbe, die als Orientierung dienen sollen - darunter sind die Menschenwürde, der Lebensschutz, Freiheit, Natürlichkeit, das Vermeiden von Schädigungen, Gerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung. Daraus ergebe sich «keine kategorische Unantastbarkeit der menschlichen Keimbahn», sagte Alena Buyx von der Technischen Universität München. Sie erläuterte, mit einem globalen Moratorium seien nicht die Aktivitäten «jeder Hütte» zu kontrollieren. Dies sei aber «eine rote Linie». Jeder, der dagegen verstoße, bewege sich außerhalb des akzeptierten Standards. Auch Forschungsförderung sei nicht mehr möglich. «Das ist nicht nichts.»

Andreas Lob-Hüdepohl von der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin erläuterte, dass es zu manchen Aspekten auch unterschiedliche Auffassungen gebe. So könnten Gen-Eingriffe Paaren mit schweren Erbkrankheiten die Chance auf ein gesundes Kind eröffnen. Für eine Minderheit im Rat sei das Ziel legitim, aber nicht hochrangig genug, um Aufwand und Risiken für Kinder und Kindeskinder zu rechtfertigen. Er betonte zugleich, die Keimbahn sei nicht «sakrosankt» und besitze keine fundamentale Würde wie sie der Mensch insgesamt habe.



Thema des Tages

Nach der Europawahl beginnt in Brüssel der Personalpoker

Brüssel (dpa) - Nach der durchwachsenen Europawahl und Erfolgen rechter Nationalisten beginnen die EU-freundlichen Parteien heute mit Gesprächen über ein Reformprogramm und neues Spitzenpersonal für die Europäische Union. »weiter
Lesen Sie auch:
  • FPÖ und SPÖ einigen sich auf Sturz der Kurz-Regierung
  • Fiat Chrysler schlägt Fusion mit Renault vor
  • Parteigremien beraten Wahl-Ergebnisse von Europa und Bremen
  • Computer

    Visable tritt gegen Internet-Riesen an

    Hamburg (dpa) - Die Geschichte von «Wer liefert was» (WLW) begann 1932 als Katalog der Leipziger Messe. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der in Hamburg verlegte Katalog schnell zum Standard-Nachschlagewerk für gewerbliche Einkäufer. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Facebook löscht Milliarden gefälschter Accounts
  • Amazon-Armband soll Gefühle erkennen können
  • Bundeskartellamt nimmt Online-Bewertungen unter die Lupe


  • Wissenschaft

    Seltene Aufnahme in China: Albino-Panda tappt in Fotofalle

    Peking (dpa) - Im Südwesten Chinas ist eine seltene Aufnahme von einem Albino-Panda geglückt. Der Riesenpanda mit dem vollständig weißen Fell tappte laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua in einem Naturpark in der Provinz Sichuan in eine Fotofalle. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Vor 60 Jahren flogen zwei Affen ins All
  • Zwanghaftes Sexualverhalten als Krankheit anerkannt
  • SpaceX bringt 60 Satelliten für globales Internet ins All
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.059,50 +0,40%
    TecDAX 2.860,50 +0,55%
    EUR/USD 1,1194 -0,14%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation