Wissenschaft
24.03.2019

Sehr heißer Tee erhöht das Risiko für Speiseröhrenkrebs

Teheran (dpa) - Sehr heißer Tee kann die Entstehung von Speiseröhrenkrebs fördern: Wer regelmäßig mehr als 0,7 Liter Tee bei einer Temperatur von mindestens 60 Grad trinkt, hat ein deutlich erhöhtes Risiko, an einem Plattenepithelkarzinom in der Speiseröhre zu erkranken.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter Leitung von Farhad Islami von der Tehran University of Medical Sciences in Teheran (Iran), die im «International Journal of Cancer» vorgestellt wird.

Hinweise auf einen solchen Zusammenhang gibt es schon länger. Deshalb stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) das «Trinken sehr heißer Getränke bei über 65 Grad Celsius» als «möglicherweise krebserregend» ein. Auch der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) warnt auf seiner Internetseite im Zusammenhang mit Speiseröhrenkrebs vor sehr heißen Getränken.

Die Forscher um Islami präsentieren nun Ergebnisse auf einer sehr großen Datenbasis: Für ihre Untersuchung erhoben sie zwischen 2004 und 2017 Daten von mehr als 50.000 Frauen und Männern in der nordiranischen Provinz Golestan. Wie es den Teilnehmern erging, wurde im Durchschnitt gut zehn Jahre lang nachverfolgt. Neben den genauen Umständen des Teekonsums erfassten die Forscher sozioökonomische Daten und Ernährungsgewohnheiten.

Trainierte Mitarbeiter besuchten dazu die Studienteilnehmer in ihren Wohnungen. Zur Ermittlung der bevorzugten Trinktemperatur wurden jeweils zwei Tassen Tee eingeschenkt. In eine Tasse steckte der Mitarbeiter ein Thermometer. Wenn die Temperatur des Tees auf 75 Grad Celsius gesunken war, wurden die Teilnehmer gebeten, von dem Tee zu trinken. War ihnen der Tee noch zu heiß, wurden sie bei 70, 65 und 60 Grad erneut gebeten, ihn zu trinken. Die bevorzugte Trinktemperatur wurde notiert. In früheren Studien hatten die Teilnehmer selbst berichtet, wie heiß ihr Tee üblicherweise ist, wenn sie ihn trinken - ein fehleranfälliges Verfahren.

Im Untersuchungszeitraum gab es unter den Teilnehmern 317 Fälle von Plattenepithelkarzinomen, eine der beiden häufigsten Arten von Speiseröhrenkrebs. Nach einer Bereinigung um mögliche andere Einflussfaktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum ergaben sich statistisch eindeutige Zusammenhänge zwischen der Temperatur des Tees und dem Krebsrisiko. Dazu passt, dass das Krebsrisiko umso größer war, je kürzer die Zeit zwischen dem Einschenken und dem Trinken bei dem jeweiligen Teetrinker war.

Zur möglichen Ursache schreiben die Forscher, dass die heiße Flüssigkeit Verletzungen verursachen könne, die entzündliche Prozesse im Gewebe der Speiseröhre zur Folge haben. Dabei wiederum könne das Erbgut direkt verändert oder die Bildung krebserregender Substanzen verstärkt werden - mit einem Tumor als mögliche Folge.

Auch Stephen Evans von der London School of Hygiene & Tropical Medicine, der nicht an der Studie beteiligt war, vermutet Hitzeverletzungen als Ursache. Auch in der Mikrowelle erhitzte Marmelade sei dafür bekannt, dass sie Verletzungen der Speiseröhre verursacht. «Es ist möglich, dass die Verletzung zu Zellveränderungen und somit zu Krebs führt».



Thema des Tages

Hummels-Rückkehr perfekt: Dortmunds Angriff auf Bayern

Dortmund/München (dpa) - Mit der Rückholaktion von Mats Hummels aus München hat Borussia Dortmund ein erneutes Ausrufezeichen auf dem Transfermarkt gesetzt und bläst endgültig zur Jagd auf den FC Bayern. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Abschuss von Flug MH17: Mordanklagen gegen vier Rebellen
  • Christine Lambrecht wird neue Justizministerin
  • Christine Lambrecht: Juristin mit Hang zu Finanzen
  • Computer

    Ebay feiert 20. Geburtstag in Deutschland

    Berlin/Dreilinden (dpa) - Ebay feiert seinen 20. Geburtstag in Deutschland und hat dafür ab dem 20. Juni zahlreiche Aktionen für seine Nutzer angekündigt. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • 5G in Autoproduktion: Telekom-Branche mit großen Hoffnungen
  • Plan für Weltwährung von Facebook in der Kritik
  • «Top 500» der Supercomputer: Ohne «Petaflops» geht nichts


  • Wissenschaft

    Milliarden Menschen noch ohne sauberes Trinkwasser

    Genf (dpa) - Mehr als zwei Milliarden Menschen weltweit haben nach einem Fortschrittsbericht der Vereinten Nationen weiterhin keine sichere Versorgung mit sauberem Trinkwasser. 2,2 Milliarden Menschen sind betroffen, das sind 28,6 Prozent der Weltbevölkerung. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Sonne, Stiche, Salzwasser: Die Haut hat im Sommer Stress
  • Riesige Schwammspinner-Plage in Gunzenhausen und Gera
  • Woher kommt der süße Blick von Hunden?
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.303,50 -0,23%
    TecDAX 2.839,25 -0,16%
    EUR/USD 1,1214 +0,17%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation