Wissenschaft
15.02.2019

Zecken breiten sich aus: Höchststand bei Hirnentzündung FSME

Berlin (dpa) - In Deutschland sind 2018 überdurchschnittlich viele Menschen an der von Zecken übertragenen Hirnentzündung FSME erkrankt. Zudem gab es bei den Risikogebieten einen Sprung nach Norden.

Mit 583 gemeldeten Fällen von Frühsommer-Meningoenzephalitis wurde der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2006 (546) überschritten. Das geht aus einem aktuellen Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin hervor.

Demnach gibt es nun erstmals ein FSME-Risikogebiet in Norddeutschland: Im niedersächsischen Landkreis Emsland waren vermehrt Menschen erkrankt. Die vier weiteren neuen Risikogebiete in Sachsen und Bayern grenzen an bestehende Risikogebiete. Weiterhin besteht ein Risiko laut RKI vor allem in Bayern und Baden-Württemberg, in Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Teilen Sachsens. «Es muss sorgfältig beobachtet werden, ob FSME-Naturherde sich nachhaltig in nördlichen und westlichen Regionen Deutschlands etablieren bzw. weiter ausbreiten», schreiben die Experten.

Die Werte von 2018 lagen 20 Prozent über denen des Vorjahres. Eine RKI-Sprecherin sagte, Schwankungen der Fallzahlen seien bei FSME üblich. Vermutlich habe der gute Sommer 2018 günstige Bedingungen für die Übertragung von FSME-Viren geschaffen. Im Bericht heißt es, auch in anderen Jahren mit hohen Fallzahlen habe wahrscheinlich das Zusammenspiel ökologisch-klimatischer Faktoren das Geschehen begünstigt: Zecken und Viren seien vermutlich verbreiteter gewesen, zudem führe schönes Wetter mehr Menschen in die Natur.

Menschen, die in Risikogebieten Kontakt zu Zecken haben könnten, wird eine Schutzimpfung empfohlen. Die FSME-Impfquoten dort seien «nach wie vor unzureichend, um eine starke Zunahme der FSME-Fallzahlen» zu verhindern, heißt es im Bericht. Ein Großteil der Erkrankungen wird als vermeidbar eingestuft. 98 Prozent der 2018 erfassten FSME-Patienten waren nicht oder unzureichend geimpft.

Das Risiko, an FSME zu erkranken, steigt laut RKI ab 40 Jahren deutlich an, Männer seien gefährdeter als Frauen. Die Zeit von Mai bis Oktober gilt als Hochphase. Die Krankheit beginnt mit grippeähnlichen Beschwerden. Bei einer Minderheit der Betroffenen kann es nach kurzer Zeit ohne Symptome zu einer zweiten Phase mit Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung kommen. Bei sehr schweren Verläufen sind Ausfälle mit leichten Lähmungen, Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen möglich. Nur im Extremfall verläuft die Krankheit tödlich.

Zecken können neben FSME-Viren weitere Erreger übertragen, etwa die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose. Nach einem Zeckenstich bildet sich dann oft ein charakteristischer roter Ring auf der Haut. Weitere Symptome können Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Fieber sein. Es gibt Antibiotika gegen die Krankheit. Unbehandelt sind jedoch verschiedene Spätfolgen möglich. Typische Risikogebiete und einen Impfschutz gibt es nicht.

Das RKI empfiehlt, Zecken immer umgehend zu entfernen und die Wunde zu desinfizieren. Helle, geschlossene Kleidung könne Zeckenstichen vorbeugen helfen, ebenso das Vermeiden von Unterholz und hohem Gras.



Thema des Tages

Terroralarm in Utrecht: Polizei fahndet nach 37-Jährigem

Utrecht (dpa) - In der niederländischen Großstadt Utrecht sind mehrere Menschen durch Schüsse in einer Straßenbahn verletzt worden. Das teilte die Polizei über Twitter mit. Das niederländische Radio berichtete, dass mindestens ein Mensch getötet worden sei. Die Polizei bestätigte dies zunächst nicht. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Medien: Dritte Brexit-Abstimmung wohl nicht in dieser Woche
  • Neuseeland verschärft nach Anschlag Waffengesetze
  • Chemnitz-Prozess: Verteidigung zieht Richter in Zweifel
  • Computer

    Apple stellt neue iPad-Generation vor

    New York (dpa) - Apple hat die siebte Generation seines Tablet-Computers iPad auf den Markt gebracht. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Uber-Rivale Lyft strebt Milliarden-Erlös bei Börsengang an
  • 5G-Mobilfunkauktion vor dem Start


  • Wissenschaft

    E-Zigaretten: Süße Aromen verführen Jugendliche zum Dampfen

    Lebanon (dpa) - Sie schmecken nach Süßigkeiten, Menthol oder Früchten und sprechen so vor allem Jugendliche an: Mit süßen Aromen versetzte Liquids sind ein Hauptgrund dafür, dass junge Menschen zur E-Zigarette greifen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Abholzung des Amazonas-Regenwaldes legt zu
  • Wohl weltälteste Spermien schwängern Schafe nach 50 Jahren
  • Forscher wollen Rheinschiffern helfen
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.667,50 -0,16%
    TecDAX 2.661,50 -0,20%
    EUR/USD 1,1346 +0,17%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation