Wissenschaft
19.01.2019

Munich Re: Winter werden wärmer - trotz Kältewelle

München (dpa) - Die USA und Europa stehen den meteorologischen Vorhersagen zufolge vor einer Kältewelle - doch das widerspricht nach Einschätzung der Munich Re nicht dem Langfristtrend wärmerer Winter.

«In Zukunft haben wir mehr milde Winter zu erwarten, auch wenn es immer wieder Kältephasen geben kann», sagte der Geowissenschaftler Eberhard Faust, Forschungsleiter für Klimarisiken und Naturgefahren bei dem weltgrößten Rückversicherer.

Ursache für die wohl bevorstehende Kälte in der kommenden Woche ist eine ungewöhnliche Wetterlage. «Im Winter liegt über dem polaren Bereich in der höheren Atmosphäre, der Stratosphäre, ein Wirbel, der vom Jetstream umschlossen wird und die kalte Luft quasi einschnürt», sagte Faust. «Nun kann es passieren, dass sich der Polarwirbel abschwächt und die kalte Luft aus der Polarregion weit nach Süden vordringen kann.»

Die Vorgänge in der hohen und bodennahen Atmosphäre seien gekoppelt. «Im Extremfall kann diese Struktur sogar zerstört werden, so dass zwei Tochterwirbel entstehen. Eine solche Lage haben wir derzeit, mit einem Tochterwirbel in Nordamerika im Bereich über der Hudson Bay und einem zweiten über Westsibirien», sagte Faust. In einer derartigen Situation seien Kaltluftausbrüche nach Süden leicht möglich.

Die Munich Re dokumentiert seit Jahrzehnten Naturkatastrophen und Georisiken rund um den Globus, da dies für die Risikobewertungen der Versicherungsbranche von großer Bedeutung ist. Die Expertise der Münchner Fachleute fließt auch in die Einschätzungen des Weltklimarats IPCC ein.

So wie es sich im Moment darstellt, werde sich die Kälte in der kommenden Woche vom 21. bis 27. Januar und mindestens auch in der Folgewoche in östlichen und zentralen Teilen Nordamerikas festsetzen. «Auch in Teilen Europas kann es nach den derzeitigen Vorhersagen im Zusammenhang des destabilisierten Polarwirbels im Verlauf der kommenden Wochen deutlich kühler werden», sagte Faust.

Der Ostküste der USA steht zudem voraussichtlich ein kräftiger Wintersturm bevor. «Bei uns kommen Winterstürme meist aus westlichen Richtungen im Zusammenhang mit milderen Temperaturen, weil dabei mildere Luftmassen vom Atlantik herantransportiert werden. An der US-Ostküste hingegen gibt es die so genannten Nordoststürme oder Noreaster», sagte Faust. Ein kalter Sturmwind komme von Nordosten und könne starken Schneefall in den Küstenregionen mit sich bringen.

«Generell sind die Winter aber auch in den USA, insbesondere in der Westhälfte, milder geworden», sagte der Wissenschaftler. Im Nordosten zeigten zumindest die Tiefsttemperaturen seit vier Jahrzehnten einen Zunahmetrend. «In Mitteleuropa, insbesondere Deutschland, sehen wir, dass die Winter im Langzeittrend milder und niederschlagsreicher geworden sind, und auch die Anzahl der Frosttage abgenommen hat.»



Thema des Tages

FC Bayern dran am BVB: 3:2-Sieg in Augsburg

Augsburg (dpa) - Nach dem schnellsten Eigentor der Liga-Geschichte hat der FC Bayern seine Pflichtaufgabe vor dem Champions-League-Kracher gegen den FC Liverpool glanzlos erledigt. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Deutschland will mehr für Verteidigung tun
  • Die neun wichtigsten Köpfe der Sicherheitskonferenz
  • Das Ringen der großen Mächte ist zurück
  • Computer

    5G: Eilantrag von Vodafone könnte Frequenzauktion verzögern

    Köln (dpa) - Der Widerstand gegen Mobilfunk-Ausbauregeln der Bundesnetzagentur verstärkt sich. Nach Telefónica reichte mit Vodafone ein weiterer Netzbetreiber Antrag auf Eilrechtsschutz beim Kölner Verwaltungsgericht ein, wie ein Behördensprecher sagte. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • IT-Verband gegen Smartphone-Verbot für Kinder unter 14
  • Facebook droht Milliarden-Datenschutzstrafe in den USA
  • Deutschland will bei Künstliche Intelligenz aufholen


  • Wissenschaft

    Zecken breiten sich aus: Höchststand bei Hirnentzündung FSME

    Berlin (dpa) - In Deutschland sind 2018 überdurchschnittlich viele Menschen an der von Zecken übertragenen Hirnentzündung FSME erkrankt. Zudem gab es bei den Risikogebieten einen Sprung nach Norden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • In die Fotofalle getappt: Seltener schwarzer Leopard gefilmt
  • Nasa gibt Mars-Rover «Opportunity» auf
  • Neue Schildkrötenart steht kurz vor Ausrottung
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.337,50 +2,23%
    TecDAX 2.593,00 +1,13%
    EUR/USD 1,1293 -0,02%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation