Wissenschaft
16.02.2018

Krebsrisiko und verarbeiteten Lebensmittel hängen zusammen

Paris (dpa) Menschen mit hohem Konsum an stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Fischstäbchen, abgepackten Snacks und Limo haben ein höheres Krebsrisiko.

Das schreiben zumindest französische Forscher um Thibault Fiolet von der Universität Paris 13 im Fachjournal «British Medical Journal» («BMJ»). Demnach sei das allgemeine Krebsrisiko um 12 Prozent höher, wenn der Anteil verarbeiteter Lebensmittel an der Ernährung um 10 Prozentpunkte erhöht ist. Unabhängige Experten sind bei der Interpretation der Ergebnisse aber vorsichtiger.

Bei ihrer statistischen Arbeit stellte die Gruppe um Fiolet auch fest, dass Menschen mit hohem Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln auch eher Raucher und Sportmuffel sind. Da Zigaretten und wenig Bewegung auch das Krebsrisiko beeinflussen, rechneten die Wissenschaftler den Einfluss von diesen und andere Faktoren aus ihrem Ergebnis heraus.

Die Forscher hatten Daten von knapp 105 000 Menschen über einen Zeitraum von acht Jahren ausgewertet. Die Probanden füllten alle sechs Monate einen Online-Fragebogen aus, in dem sie alle Lebensmittel und Getränke angaben, die sie in den vergangenen 24 Stunden zu sich genommen hatten. Die Ergebnisse wurden anhand von Blut- und Urintests sowie Interviews überprüft.

Die Gründe für den beobachteten Zusammenhang untersuchten die Wissenschaftler nicht. Sie weisen darauf hin, dass weitere Studien nötig seien, um sagen zu können, welche Art von Verarbeitung oder welche Zusatzstoffe für das erhöhte Krebsrisiko verantwortlich sind.

In einem Kommentar zur Studie geben sich Adriana Monge und Martin Lajous vom Nationalen Gesundheitsinstitut von Mexiko zurückhaltend. Die Untersuchung gebe «einen ersten Einblick in einen möglichen Zusammenhang», schreiben sie in «BMJ». Die Ergebnisse seien zwar interessant, müssten aber genauer werden und durch weitere Untersuchungen bestätigt werden. So müsste beispielsweise die Frage beantwortet werden, welche Produkte es im Einzelnen sind, die zu Krebs führen können.

Monge und Lajous merken an, dass «der Zusammenhang zwischen dem Verzehr von stark verarbeiteten Lebensmitteln und den Krebsraten relativ klein» ist. Es sei nicht auszuschließen, dass sich Faktoren wie wenig Bewegung in dem Ergebnis niederschlagen, obwohl die Faktoren versucht haben, diese herauszurechnen. «Wie sind noch weit davon entfernt, zu verstehen, welchen Einfluss die Verarbeitung von Lebensmitteln auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben.»

«Stark verarbeitete Lebensmittel» im Sinne der Studie von Fiolet und Kollegen waren unter anderem massenproduziertes, abgepacktes Brot und Brötchen, industriell hergestellte Teilchen und Desserts, Hähnchen-Nuggets, Fleischbällchen und andere Fleischprodukte mit Konservierungsstoffen sowie Fertiggerichte. Einer Studie aus dem vergangenen Jahr zufolge gehörten gut 46 Prozent aller von deutschen Haushalten gekauften Lebensmittel zur Kategorie der «stark verarbeiteten Lebensmittel».



Thema des Tages

Zensus-Klagen: Kein Extra-Geld für Berlin und Hamburg

Karlsruhe (dpa) - Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg müssen ihre Hoffnungen auf höhere Zuwendungen aus dem Finanzausgleich begraben. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte am Mittwoch die aktuellen Einwohnerzahlen der Städte und Gemeinden, die dafür eine wichtige Größe sind. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Nordkorea will Atomanlagen schließen
  • Empörung in der SPD über Maaßens Beförderung
  • BVB mit Duseltor zum Sieg - Unglückliche Götze-Rückkehr
  • Computer

    IBM will «Black Box» der Künstlichen Intelligenz lüften

    Berlin (dpa) - IBM will mit einem neuen Software-Werkzeug mehr Transparenz in Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz (KI) bringen und damit das Vertrauen in solche Lösungen stärken. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Musks Aktien-Tweet: Strafermittler wollen mehr Informationen
  • Patentstreit von Apple und Qualcomm geht weiter
  • Netzagentur verteidigt Pläne für Mobilfunk-Versteigerung


  • Wissenschaft

    Mikroplastik gelangt über Mücken in Vögel und Fledermäuse

    Reading (dpa) Mikroplastik kann Forschern zufolge über Mücken auch in Vögel, Fledermäuse und Spinnen gelangen. Winzige Kunststoffstückchen, die Mücken als Larven im Wasser geschluckt haben, seien auch noch in erwachsenen, fliegenden Insekten zu finden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Tuberkulose bleibt tödlichste Infektionskrankheit vor Aids
  • Süchtig nach Likes und Strikes
  • Junge Meeresschildkröten stärker von Plastikmüll bedroht
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.178,50 +0,17%
    TecDAX 2.883,00 -0,85%
    EUR/USD 1,1699 +0,25%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation