Wissenschaft
02.07.2012

Klein und gemein: Fliegenwinzling köpft vermutlich Ameisen

Die Grafik zeigt die Silhouette einer Stubenfliege, Musca domestica (links oben) im Vergleich zur kleinsten bekannten Fliege, Euryplatea nanaknihali (links unten). Rechts ist eine Vergrößerung des Winzlings zu sehen. Foto: Inna-Marie Strazhnik

Lanham/Los Angeles (dpa) - Die kleinste bekannte Fliege der Welt haben Forscher in Thailand entdeckt. Sie misst gerade einmal 0,4 Millimeter. Damit ist sie etwa 15 Mal kleiner als eine gewöhnliche Stubenfliege und immer noch 5 Mal kleiner als eine Fruchtfliege.

Die Forscher berichten in den «Annals of the Entomological Society of America» von ihrer Entdeckung. Trotz ihrer winzigen Größe stelle die Fliege vermutlich für einige Ameisen ein großes Problem dar: Wahrscheinlich entwickeln sich die Larven der Fliegen im Kopf der Ameisen, was dazu führt, dass dieser abfällt.

Euryplatea nanaknihali, so der Name des neuen Rekordhalters, gehört zur Familie der Phoridae. In dieser Familie finden sich zahlreiche Arten, deren Larven als Parasitoide in Ameisen leben und diese allmählich enthaupten. Im Deutschen werden die Fliegen deshalb auch «Scharfrichter-Fliegen» genannt. In einigen südlichen Staaten Nordamerikas werden sie eingesetzt, um die dort eingeschleppten aggressiven Feuerameisen zu bekämpfen. In Asien wurde bisher keine Fliege aus der Gattung Euryplatea entdeckt.

Die Forscher um Brian Brown vom Natural History Museum des Los Angeles County (Los Angeles/US-Staat Kalifornien) haben einen Befall oder eine Enthauptung von Ameisen durch E. nanaknihali bisher noch nicht direkt beobachtet. Sie halten es aber für sehr wahrscheinlich, dass die Fliege kleinere Ameisenarten befällt. Von dem einzigen bekannten Verwandten der Fliege, der in Äquatorialguinea vorkommenden Art Euryplatea eidmanni, ist das Verhalten jedenfalls bekannt.

«Man hat immer angenommen, dass kleinere Ameisen-Arten von den Attacken verschont bleiben, weil es für ein bis drei Millimeter große Fliegen physikalisch unmöglich ist, sich in den relativ kleinen Ameisenköpfen zu entwickeln», so Brown. Ihre Entdeckung zeige jedoch, dass selbst die kleinsten Ameisen dem Parasitismus wahrscheinlich nicht entkommen.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation