Wissenschaft
18.06.2012

Forscher: Große CO2-Speicher könnten die Erde beben lassen

Flammender Greenpeace-Protest gegen CO2-Speicherung: Die Speicherung in unterirdische Speicher im großen Maßstab könnte mancherorts Erdbeben auslösen - das befürchten US-Forscher. Foto: Sebastian Kahnert

Stanford (dpa) - Die Speicherung von Kohlenstoffdioxid in unterirdischen Lagerstätten könnte US-Forschern zufolge mancherorts Erdbeben zur Folge haben.

Mark Zoback und Steven Gorelick von der Universität Stanford warnen in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS») vor den möglichen Risiken der sogenannten CCS-Technik (Carbon Capture and Storage). Dabei wird Kohlenstoffdioxid, kurz CO2, zur Speicherung in die Erde gepresst - so soll verhindert werden, dass das Gas in die Atmosphäre gelangt.

Die Wissenschaftler argumentieren, dass die CCS-Technik aufgrund des enormen weltweiten CO2-Ausstoßes nur im großen Maßstab Sinn habe - also wenn riesige Mengen in die Tiefe gepumpt würden. Gerade dann aber gebe es Risiken. Kleine Beben hätten zwar meist keine großen direkten Schäden zur Folge - sie seien jedoch fatal für die Dichtheit der Lagerstätten und die Effektivität der CCS-Technik.

Kohlenstoffdioxid zählt zu den Treibhausgasen, die für die globale Erderwärmung mitverantwortlich sind. Es entsteht unter anderem bei der Verbrennung von Kohle in Kraftwerken. Beim CCS-Verfahren wird das CO2 zunächst von anderen Abgasen getrennt, gereinigt und dann unter hohem Druck verflüssigt. In dieser Form soll es unterirdisch gespeichert werden.

Wenn eine Flüssigkeit in tiefe Quellen gepresst werde, könne der sogenannte Porendruck ansteigen, schreiben die Forscher. Geschehe dies nahe bestimmter Verwerfungen, also von Bruchstellen im Gestein, könnten Erdbeben ausgelöst werden. So habe es im vergangenen Jahr mehrere kleine Beben in den USA gegeben, die bei der Injektion von Abwasser entstanden seien. Erdbeben, die von Untergrund-Techniken ausgelöst wurden, gab es auch in Deutschland schon. Ein Geothermie-Kraftwerk im pfälzischen Landau ließ zum Beispiel mehrmals die Erde leicht beben.

In den «Proceedings» heißt es, dass große Verwerfungen bei der Erkundung potenzieller CO2-Lagerstätten durchaus erkannt und große Beben so vermieden werden könnten. Kleine Bruchstellen würden jedoch leicht übersehen. Eine mögliche Folge: kleine Beben bei der CO2-Einpressung - mit der Gefahr, dass danach Gas aus undicht gewordenen Stellen entweicht. «Um den gleichen Klimanutzen wie bei erneuerbaren Energien zu erreichen, darf nur weniger als ein Prozent des gespeicherten CO2 je tausend Jahre aus den Lagerstätten sickern», schreiben die Forscher.

CCS-Pilotprojekte in Deutschland stießen bislang oft vor allem bei Anwohnern und Umweltverbänden auf Widerstand. Ein Gesetz, dass die Erprobung des Verfahrens regeln sollte, wurde im vergangenen Jahr vom Bundesrat gestoppt.



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