Wissenschaft
04.06.2012

Stechmücken trotzen im Regen extremen Kräften

Washington/Atlanta (dpa) - Stechmücken der Gattung Anopheles sind im Regen wahre Überlebenskünstler. Sie überstehen sogar das Auftreffen großer Tropfen, die über 50-mal schwerer sind als sie selbst. Die Insekten werden zwar kurz nach unten gedrückt, lassen dann aber das Wasser einfach abperlen.

Dabei halten die Mücken kurzfristig eine Beschleunigung von bis zu 300 g aus, also dem 300-fachen der Erdbeschleunigung. Bei einen Menschen hingegen kann bereits eine Beschleunigung von 14 g zum Tode führen. Von Regentropfen getroffene Insekten erzielen damit vermutlich die höchste Widerstandskraft gegen Beschleunigung im Tierreich, schreiben US-Forscher um Andrew K. Dickerson vom Georgia Institute of Technology in Atlanta (US-Bundesstaat Georgia) in den «Proceedings» der US-Akademie der Wissenschaften («PNAS»).

Zu verdanken haben die Stechmücken diese Widerstandsfähigkeit ihrem Exoskelett, das eine stabile äußere Hülle bildet, und ihrem geringen Gewicht von 0,2 Gramm. Dadurch werden sie von einem Regentropfen, der sie direkt trifft, mitgerissen, ohne dass Flugbahn und Geschwindigkeit des Tropfens sich sehr verändern. Sie können sich jedoch schnell vom Tropfen befreien und wieder ihre ursprüngliche Flughaltung einnehmen. Allerdings werden sie bis zu 20 Körperlängen nach unten geschoben, so dass es für die Mücken sehr gefährlich werden kann, im Regen tief zu fliegen.

Mehr als drei Viertel aller auftreffenden Tropfen berühren jedoch nur die Beine oder die Flügel der Stechmücken, was sie ins Trudeln bringt. Sie benötigen oft nur eine Hundertstelsekunde, um ihre Flugbahn wieder zu stabilisieren. Anhand von Aufnahmen einer Hochgeschwindigkeitskamera mit 4000 Bildern pro Sekunde konnten die Wissenschaftler diesen Vorgang sichtbar machen.

Ausweichmanöver der Stechmücken beobachteten Andrew K. Dickerson und sein Team übrigens nicht. Das hätte auch nicht viel Sinn, denn die Mücken könnten dabei höchstens die Hälfte ihrer Maximalgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde erreichen, was in den meisten Fälle nicht ausreichen würde, um einem von ihnen wahrgenommenen Regentropfen zu entkommen.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation