Wissenschaft
04.06.2012

Forscher: Vögel machten gigantischen Insekten den Garaus

Washington (dpa) - Mit der Entwicklung der Vögel vor etwa 150 Millionen Jahren ging es den riesigen Insekten auf der Erde an den Kragen.

Während sie bis dahin zeitweise gigantische Ausmaße erreicht hatten, waren nun auf einmal kleinere und wendigere Insekten im Vorteil, die den Verfolgern in der Luft besser ausweichen konnten. Dies berichten US-Forscher in den «Proceedings» (Online Vorab) der US-Nationalen Akademie der Wissenschaften.

Bisher hatten viele Forscher angenommen, dass vor allem der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre die Körpergröße der Insekten bestimmt hatte. Dieser Theorie zufolge begünstigt ein hoher Sauerstoffgehalt die Entwicklung besonders großer Insekten. Denn bei hohen Sauerstoffwerten können die Tiere über ihre starren Tracheen, die sie anstelle von Lungen besitzen, noch genügend Sauerstoff aufnehmen, um ihren Körper und - bei fliegenden Insekten - vor allem die Flugmuskeln zu versorgen.

Diese Annahme ist wohl auch richtig, aber nur in den ersten 150 Millionen Jahren der Insekten-Evolution, berichten Matthew Clapham und Jered Karr von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz. Sie hatten mehr als 10 500 fossile Insekten aus den vergangenen 320 Millionen Jahren untersucht und die Länge der Flügel mit dem jeweils zu Lebzeiten vorhanden Sauerstoff in der Atmosphäre verglichen.

Demnach variierte die Größe der Insekten tatsächlich mit dem Sauerstoffgehalt. Vor 300 Millionen Jahren flatterten die größten Insekten durch die Luft, zum Beispiel Riesenlibellen mit einer Flügelspannweite von bis zu 70 Zentimetern. Das ist größer als bei vielen heute lebenden Vögeln. Sanken die Sauerstoffwerte, wurden auch die Insekten kleiner.

Das Bild änderte sich vor etwa 150 Millionen Jahren. Trotz hoher Sauerstoff-Werte wurden die Insekten plötzlich kleiner - genau zu dem Zeitpunkt, als die Vögel auf der Bildfläche auftauchten. Vor 90 bis 65 Millionen Jahren schrumpften die Insekten vermutlich noch einmal. Da es aus dieser Zeit nur wenige fossile Überreste gibt, sei die Entwicklung nicht allzu gut nachzuvollziehen, schränken die Autoren ein. Es gebe mehrere mögliche Gründe dafür, etwa die Entwicklung der Fledermäuse oder das Massensterben am Ende der Kreidezeit.

«Ich nehme an, dass es auf die weiteren Spezialisierung der Vögel zurückzuführen ist», sagte Matthew Clapham. «Die ersten Vögel waren nicht besonders gut im Fliegen. Aber zum Ende der Kreidezeit sahen die Vögel ziemlich genauso aus wie die modernen Vögel.»

Clapham betont, dass es zu allen Zeitpunkten der Evolution kleine Insekten gegeben hat, selbst zu Zeiten, als die Giganten durch die Luft flogen. Es sei stets eine Kombination aus ökologischen Faktoren und aus Umweltfaktoren, die die Körpergröße beeinflussten und es gebe eine Reihe von ökologischen Gründen dafür, dass Insekten klein sind.



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