Wissenschaft
25.05.2012

Einst gefährdeter Schmetterling profitiert vom Klimawandel

Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis) breitet sich aufgrund der wärmeren Sommer immer weiter nach Norden aus. Foto: Louise Mair/Eurekalert

Washington/York (dpa) - In Großbritannien scheint eine Schmetterlingsart vom Klimawandel zu profitieren. Der einst seltene Kleine Sonnenröschen-Bläuling (Aricia agestis) breitet sich aufgrund der wärmeren Sommer immer weiter nach Norden aus, berichten britische Forscher im Fachblatt «Science».

Die Schmetterlinge nutzten früher fast ausschließlich Gelbe Sonnenröschen zur Ablage ihrer Eier, die bevorzugt an sonnigen Südhängen wachsen. Seitdem die Sommer wärmer sind, weichen sie jedoch auch auf andere Pflanzen zur Eiablage aus.

Der Kleine Sonnenröschen-Bläuling war noch in den 1980er Jahren nur selten zu finden, die Bestände galten als rückläufig. In den 1990er Jahren beobachteten Schmetterlingsfreunde dann eine deutliche Zunahme der Bläulinge. In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Tiere knapp 80 Kilometer in Richtung Norden ausgebreitet, schreiben die Forscher um Rachel Pateman von der University of York. Dies sei ungewöhnlich schnell für eine Art, die als hoch spezialisiert und eher sesshaft gilt.

Auffällig war, dass die Bläulinge nun vor allem in Gegenden lebten, in denen die ursprüngliche Hauptwirtspflanze, das Gelbe Sonnenröschen (Helianthemum nummularium), gar nicht vorkommt. Die Schmetterlinge legten ihre Eier vermehrt auf Storchschnabelgewächsen ab, allen voran auf dem Weichen Storchenschnabel (Geranium molle). Diese Art ist weiter verbreitet als das Gelbe Sonnenröschen. Die durchschnittlichen Sommertemperaturen sind in Großbritannien deutlich gestiegen: Zwischen 1990 und 2009 lagen sie um 0,78 Grad Celsius über dem Durchschnitt der Jahre von 1800 bis 1989.

Die Schmetterlinge waren damit nicht mehr auf die seltenen, sonnigen Standorte des Sonnenröschens angewiesen, sondern fanden auch auf anderen, weiter verbreiteten Pflanzen geeignete Bedingungen. Fachleute gehen häufig davon aus, dass die Anpassung an den Klimawandel besonders für Arten schwer ist, die für ihre Vermehrung auf andere Lebewesen angewiesen sind. Die Studie zeige, dass auch das Gegenteil der Fall sein könne, schreiben die Forscher.



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