Wissenschaft
22.05.2012

Computer-Schach nur via Hirnströme

Mit einer EEG-Kappe (Elektroencephalogramm) auf dem Kopf spielt Sven Dähne, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität in Berlin, mit Marieke Thurlings Schach. Foto: Stephanie Pilick

Berlin (dpa) - Schach als reiner Denksport: Allein mit der Kraft seiner Gedanken steuerte der Berliner Student und Schach-Profi Martin Krämer die Figuren in Echtzeit über ein virtuelles Spielbrett - ohne einen Finger zu rühren.

Die neue lernfähige Technologie, ein sogenanntes Brain-Computer-Interface, brauchte nur zehn Minuten, um sich auf das Elektroenzephalogramm (EEG) des Spielers einzustellen. Anders als bisherige Verfahren funktioniert diese Hirn-Computer-Schnittstelle von der Technischen Universität Berlin nicht über Bewegungsvorstellungen, sondern über visuelle Aufmerksamkeit: Der Schachspieler blickt konzentriert auf die entsprechenden Felder.

Die Forschungsgruppe um Prof. Klaus-Robert Müller und Michael Tangermann entwickelte die Technik im Rahmen des EU-finanzierten TOBI-Projekts. «Die Hirnaktivität wird dabei zum Steuerungselement», erläuterte Tangermann. Bislang handele es sich zwar um Grundlagenforschung, betonte er, aber grundsätzlich sei ein solches Verfahren auch einsetzbar, um völlig bewegungsunfähigen Locked-In-Patienten eine Kommunikationsmöglichkeit zu verschaffen.

«Das heute vorgestellte Verfahren funktioniert über visuelle Aufmerksamkeit. Es ist aber genauso möglich, eine auf spezielle Töne gerichtete auditorische Aufmerksamkeit zu nutzen», erläuterte Tangermann der Nachrichtenagentur dpa. Bestimmte Töne würden dabei an Inhalte gekoppelt, so dass auch Patienten, die ihre Augen nicht mehr öffnen und steuern könnten, Reaktionsmöglichkeiten erhielten.

In einzelnen klinischen Studien wird das Verfahren bereits von Patienten mit Lähmungen oder unzureichender Muskelkontrolle getestet: Dazu gehört die gedankengesteuerte Nutzung von Webbrowser, Online-Fotobuch, sozialem Netzwerk oder Media-Player. Interessierte können die beeindruckende Technologie am 2. Juni während der Langen Nacht der Wissenschaften ab 20 Uhr im TU Hauptgebäude ab 20 Uhr als Vorführung erleben.



Thema des Tages

Obama in Berlin: Neue Schritte zur atomaren Abrüstung

Berlin (dpa) - Die Rede vor dem Brandenburger Tor war der Höhepunkt des Besuchs. Barack Obama nutzt den symbolträchtigen Ort für eine neue Abrüstungsinitiative. Geprägt ist der Tag von vielen Gesten der Freundschaft. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Report: La-Ola für Obama - Erst am Brandenburger Tor jubelt Berlin
  • Viele freundschaftliche Gesten beim Obama-Besuch
  • Bundeskanzlerin Merkel im Internet-«Neuland»
  • Computer

    Bundeskanzlerin Merkel im Internet-«Neuland»

    Berlin (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat mit einer Bemerkung über das Internet für heitere und spöttische Reaktionen im Netz gesorgt. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Künftiger Telekom-Chef rudert bei Tempo-Bremse zurück
  • Sony zieht fehlerhaftes Update für Playstation 3 zurück
  • Google fordert offiziell mehr Transparenz bei Geheimdienst-Anfragen


  • Wissenschaft

    Vögel in Städten sind besonders vorsichtig

    Radolfzell (dpa) - Stadtvögel sind stärker auf der Hut als ihre Artgenossen im Wald. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee herausgefunden. Demnach verändert das Stadtleben die Persönlichkeit der Tiere. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Langzeitexperiment zum Klimawandel beginnt
  • Studie: Pestizide verringern Artenvielfalt in Gewässern
  • Mechanisches Gepardenbaby - Schweizer bauen Roboterkatze
  • Börse
    DAX
    DAX 8.209,50 -0,24%
    TecDAX 958,00 -0,11%
    EUR/USD 1,3408 +0,10%

    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation