Wissenschaft
15.05.2012

Gentherapie ermöglicht älteren Mäusen längeres Leben

Heidelberg/Madrid (dpa) - Eine Gentherapie hat erwachsenen Mäusen zu einem längeren Leben verholfen. Die Behandlung verlangsamt das Altern und bessert die Gesundheit der Tiere, wie eine Studie am Spanish National Cancer Research Centre in Madrid ergab.

Die Forscher hatten mit Hilfe der Gentherapie das sogenannte Jungbrunnen-Enzym Telomerase in den Zellen der Mäuse entstehen lassen. Dieses bremst die Alterung der Erbgutträger (der Chromosomen).

Nach der Behandlung hätten die Tiere eine drastische Verbesserung der Gesundheit, Fitness und Langlebigkeit gezeigt, berichtete die europäische Wissenschaftsorganisation EMBO in Heidelberg, in deren Journal «Molecular Medicine» die Studie veröffentlicht wurde. So habe die Therapie im Alter von einem Jahr das Leben der Mäuse um insgesamt ein Viertel verlängert. Im Alter von zwei Jahren ließ sich die Lebensdauer auf diese Weise im Durchschnitt um 13 Prozent verlängern. Dabei sei das Krebsrisiko nicht erhöht worden - wie in einigen vorhergegangenen Versuchen mit jüngeren Tieren.

«Gentherapie wird normalerweise als Möglichkeit angesehen, Gene in Zellen zu bringen um genetische Defekte oder Krankheiten zu korrigieren», sagte Maria Blasco, eine der Hauptautoren der Studie. Allerdings könne man auch das Altern als eine Art fehlerhafte Genfunktion betrachten. «Dann ist die Gentherapie eine wirkungsvolle Strategie, um das Altern zu verlangsamen und die Lebensspanne zu erhöhen.»

Die Arbeit sei wichtig, um zu zeigen, dass diese Gentherapie recht sicher sei, kommentierte Utz Herbig von der New Jersey Medical School (NJMS) im selben Journal. Sie müsse nun aber an anderen Säugetieren erprobt werden, die wesentlich länger leben als Mäuse. Die Versuchsmäuse von Basco erreichen ohne Therapie ein Alter von rund drei Jahren.

Das Enzym Telomerase verlängert die Telomere, die die Erbgutstränge in der Zelle abschließen. Mit jeder Zellteilung werden diese Enden ein Stück kürzer, so dass sie im Laufe des Lebens schrumpfen. Bei Neugeborenen haben sie wieder die volle Länge. Ein Team um Blasco hatte bereits eine junge Supermaus geschaffen, die länger lebt, und 2008 im Fachjournal «Cell» darüber berichtet. Die Molekularbiologin erhielt für Arbeiten zur Telomerase ebenfalls 2008 den renommierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft.



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