Wissenschaft
10.05.2012

Enges Wechselspiel zwischen Diabetes und Depression

Stuttgart (dpa) - Zwischen Diabetes und Depression besteht nach Auffassung des Experten Bernhard Kulzer ein enges Wechselspiel.

«Diabetes ist ein Risikofaktor für Depression, Depression kann auch Diabetes auslösen», sagte der Psychologe am Donnerstag anlässlich des Diabetes Kongresses 2012 in Stuttgart. Jeder achte Mensch mit Diabetes - im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt - leide an einer Depression, jeder fünfte an erhöhter Depressivität.

Depressive Menschen haben laut Kulzer ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko für Diabetes Typ 2. Entscheidend sei weniger der Lebensstil der Depressiven als Antidepressiva, die zu Gewichtszunahme und zur verminderten Reaktion der Zellen im Körper auf Insulin (Insulinresistenz) führten. Zudem beeinträchtige chronischer psychischer Stress die Wirkung von Insulin und ziehe Schlafstörungen nach sich; diese wiederum könnten zu entzündlichen Veränderungen an den Gefäßen führen.

Grund für eine Depression infolge von Diabetes könne sein, dass das Leben mit der Krankheit für viele Menschen eine ernstzunehmende Belastung, ein Stressfaktor ist. «Menschen mit Diabetes haben eine reduzierte Lebensqualität», sagte Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft, die den Kongress ausrichtet. Vom 16. bis 19. Mai werden dort 5000 Ärzte, Diabetesberater und Experten auf dem Feld der Diabetologie erwartet.

In Deutschland haben nach Angaben des Veranstalters sieben Millionen Menschen Diabetes. Weitere drei Millionen sind betroffen, ohne es zu wissen. Dennoch werde der wissenschaftliche Nachwuchs zur Erforschung und Behandlung dieser Krankheit langsam rar, hieß es. So habe sich die Zahl der Lehrstühle mit Schwerpunkt Diabetes in den vergangenen zehn Jahren auf derzeit weniger als zehn in Deutschland halbiert, sagte Andreas Fritsche, Sprecher der Diabetes Gesellschaft.

Auch ein renommiertes Diabetesforschungsinstitut in München existiere nicht mehr. Zudem hätten sich die Kontakt- und Forschungsmöglichkeiten für die Ärzte an den Kliniken vermindert, weil die Patienten heute - anders als noch vor 15, 20 Jahren - ambulant und nicht mehr stationär behandelt würden. Eigene Abteilungen für Diabetes an den Krankenhäusern gebe es kaum noch, so Fritsche.



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