Computer und Co.
12.06.2019

Instagram bei jungen Leuten für News wichtiger als Facebook

Berlin/Hamburg (dpa) - Nachrichten über das Weltgeschehen erreichen junge Menschen in Deutschland inzwischen häufiger über Instagram als über Facebook. Das geht aus dem «Reuters Institute Digital News Report» hervor, der heute erscheint.

«Instagram hat bei den 18- bis 24-Jährigen Facebook und Twitter als Nachrichtenquelle überholt», sagte der Kommunikationswissenschaftler Sascha Hölig vom Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg der Deutschen Presse-Agentur.

Rund ein Viertel (23 Prozent) der Internetnutzer im Alter von 18 bis 24 Jahren sieht sich bei Instagram regelmäßig Nachrichteninhalte an, das beim Vergleich mit anderen sozialen Medien damit vorn liegt. Facebook und Youtube rangieren mit 22 Prozent knapp dahinter. WhatsApp kommt bei den 18- bis 24-Jährigen auf 10 Prozent, Twitter nur auf 6 Prozent.

«Auch in der Gesamtheit der Befragten hat Instagram Twitter hinter sich gelassen», sagte Hölig. «Es ist eben das angesagte Medium. Doch nutzt niemand Instagram, um Nachrichten zu suchen. Man bewegt sich eben dort - hauptsächlich, um Fotos von Freunden oder Essen zu sehen - und findet dann Nachrichten quasi als Beifang.» Ohnehin nutze so gut wie niemand soziale Medien als alleinige Nachrichtenquelle. Nur 3 Prozent der Befragten stützen sich nach eigenen Angaben ausschließlich darauf.

Die Wissenschaftler untersuchten für die aktuelle Studie auch das Vertrauen der Menschen in Nachrichten: Demnach stimmt in Deutschland etwa die Hälfte (47 Prozent) der erwachsenen Internetnutzer der Aussage zu, dass sie dem Großteil der Nachrichten vertrauen. Das sei ein vergleichsweise guter Wert, sagte Hölig. «Das Vertrauen in die Nachrichten allgemein ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern hoch. In Großbritannien sind es 40 Prozent, in den USA 32 Prozent, in Ungarn 28 Prozent und Frankreich sogar nur 24 Prozent. Deutschland liegt im vorderen Drittel.»

Man müsse auch unterscheiden: «In diesem Wert sind alle Nachrichten enthalten, die den Befragten insgesamt und auf sämtlichen Wegen begegnen können», erklärte Hölig. «Bei Nachrichten, die man selbst nutzt, hat sich der Wert seit drei Jahren bei 60 Prozent eingependelt.»

Deutlich mehr Vertrauen als Instagram oder Facebook genießen klassische Medien wie Tageszeitungen oder öffentlich-rechtliches Fernsehen. Nachrichten, die sich über soziale Medien verbreiten, sehen die Nutzer dagegen sogar zunehmend skeptisch: «Das Vertrauen in Nachrichten in sozialen Medien ist rückläufig», sagte Hölig. «Nur noch 16 Prozent vertrauen ihnen. 2018 sind es noch 18 Prozent gewesen. Die jüngeren Mediennutzer sind noch skeptischer, dort sind es nur 12 Prozent. Man darf also nicht in die Logik verfallen, dass junge Leute auf Fake News hereinfielen und deswegen ihr Wahlverhalten änderten.»



Thema des Tages

Offen wie selten: Tunesien wählt neuen Präsidenten

Tunis (dpa) - Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen sind Millionen Tunesier nach dem Tod des bisherigen Staatschefs Beji Caid Essebsi aufgerufen gewesen, einen neuen Präsidenten zu wählen. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Klima-Aktivisten blockieren Haupteingang der IAA
  • USA: Iran steckt hinter Drohnenangriffen in Saudi-Arabien
  • Günstig aber effektiv: Das Drohnenprogramm der Huthis
  • Computer

    Datenschützer verbietet AfD-Meldeportal «Neutrale Schule»

    Schwerin (dpa) - Das umstrittene AfD-Meldeportal «Neutrale Schule» ist in Mecklenburg-Vorpommern verboten worden. Die dort veröffentlichten Textpassagen, in denen Schüler zur Meldung angeblicher Verstöße von Lehrern gegen das Neutralitätsgebot aufgefordert werden, müssen bis 20. September entfernt werden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Paris will Entwicklung von Libra in Europa nicht erlauben
  • Online-Spiele in Ultra-Tempo: Tokyo Game Show öffnet Tore
  • Facebook sperrt Chatbot auf Netanjahus Profil wegen Hetze


  • Wissenschaft

    Neuer Komet ist möglicherweise interstellarer Besucher

    Pasadena (dpa) - Ein Ende August entdeckter Komet stammt möglicherweise von außerhalb unseres Sonnensystems. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • NDR: Pharmakonzerne entwickeln keine neuen Antibiotika mehr
  • Forscher fürchten dramatischen Schwund am Aletschgletscher
  • Gentechnisch veränderte Mücken breiten sich in Brasilien aus
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.456,50 -0,10%
    TecDAX 2.869,25 -0,10%
    EUR/USD 1,1074 +0,09%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation