Thema des Tages
25.04.2019

Diskussion um Elfmeter überschattet Bayern-Sieg

Von Thomas Prüfer und Tobias Brinkmann, dpa

Bremen (dpa) - Am Tag nach dem Bayern-Sieg in Bremen hat der Chef der DFB-Videoschiedsrichter die Diskussion um den umstrittenen Elfmeter zum 3:2-Sieg wieder angeheizt.

«Aus schiedsrichterfachlicher Sicht halten wir die Strafstoßentscheidung für nicht korrekt», wird Jochen Drees auf der Internetseite des Deutschen Fußball-Bundes zitiert. Das deckte sich mit der Sicht der Bremer, die nach dem verlorenen Halbfinale des DFB-Pokals wütend über den Pfiff von Schiedsrichter Daniel Siebert waren - während Ober-Bayer Uli Hoeneß befand: «Die Entscheidung geht hundertprozentig in Ordnung.»

Der Strafstoß, den Robert Lewandowski (80. Minute) zum 3:2 verwandelte, war entscheidend. Nur darin bestand Einigkeit. Schon nach Abpfiff der Partie hatte es hitzige Diskussionen gegeben, auch unter den Trainern Niko Kovac und Florian Kohfeldt. «Wir sind zwei befreundete Trainer, aber beim Elfmeter sind wir nicht einer Meinung», sagte Werders Kohfeldt.

Kohfeldt stufte den Elfmeter als «brutal» und unberechtigt ein. Werder-Verteidiger Theodor Gebre Selassie hatte den kaum zu stoppenden Wirbelwind Kingsley Coman im Strafraum leicht mit dem Ellbogen berührt, der Bayern-Stürmer fiel daraufhin und holte so den Strafstoß heraus. So zog Rekord-Pokalsieger Bayern zum 23. Mal ins Finale ein - Gegner ist am 25. Mai in Berlin RB Leipzig. Werder bleibt dann nur die Zuschauerrolle.

Drees entfachte die Debatten des Pokalabends neu. In einem SWR-Interview hatte bereits einen Kommunikationsfehler eingeräumt. Schiedsrichter Siebert und Videoassistent Robert Kampka hätten sich «im Prinzip diese Situation noch mal anschauen müssen. Und da haben beide einfach nicht auf die Art und Weise miteinander kommuniziert und geredet, wie wir das erwarten würden», sagte der frühere Bundesliga-Referee.

Werder hilft das nicht mehr. «Es war am Mittwochabend bitter, und es ist noch immer bitter», sagte Werders Sportdirektor Frank Baumann dem Internetportal «meinwerder.de». Baumann findet es aber «positiv, dass der DFB einsieht, dass es keine richtige Entscheidung war».

Kovac hatte immerhin von einer «harten Entscheidung» gesprochen. «Wenn er nicht pfeift, können wir uns nicht beklagen», meinte Kovac, sagte aber auch: «Der King (Coman) fällt nicht von allein. Der Ellbogen von Gebre Selassie war schon da, den hätte er besser weggelassen. Da hat er sich ein bisschen dumm angestellt.»

Dank des Elfmetertores hat Bayern weiter die Chance auf den Double-Gewinn. «Mit Ausnahme des Champions-League-Heimspiels gegen Liverpool spielen wir seit Weihnachten fantastischen Fußball», lobte Hoeneß. «Ich bin total stolz auf die Mannschaft und habe gelesen, es ist die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte. Da wollen wir uns nicht beklagen, sondern einfach so weitermachen», fügte der 67-Jährige am Mittwochabend nach dem 3:2-Erfolg des Rekordmeisters und -Pokalsiegers im Halbfinale bei Werder Bremen hinzu.

Beim 30. Pokal-Auswärtssieg in Serie zerstörten die Münchner den stolzen Nimbus der Bremer, die zuvor 31 Jahre und 37 Cup-Heimpartien nicht verloren hatten. Im Endspiel wartet am 25. Mai in Berlin nun RB Leipzig, das seit Wochen in Liga und Pokal ebenfalls von Sieg zu Sieg eilt. «Das Finale wird die Zuschauer begeistern. Leipzig spielt auch eine Super-Rückrunde. Die werden sich nicht hinten reinstellen, sondern mit uns mitspielen wollen», glaubt Hoeneß.

Da in der Liga auch die erfolgreiche Titelverteidigung den Münchnern winkt, lobte Hoeneß den von ihm geförderten Coach für die «überaus erfolgreiche Arbeit». Dass Kovac immer mal wieder in Frage gestellt wird, brachte den Clubchef dann aber doch einmal in Rage.

«Ich verstehe langsam die Welt nicht mehr. Wir sind im Pokalfinale und Bundesliga-Tabellenführer, und dann wird über unseren Trainer diskutiert. Da muss ich sagen, fehlt mir jegliches Verständnis», schimpfte er in die Mikrofone.

Dass sein lange souveränes Team trotz 2:0-Vorsprungs durch die starken Offensiv-Asse Lewandowski (36.) und Thomas Müller (63.) nach dem Bremer Doppelschlag durch Yuya Osako (74.) und Milot Rashica (75.) vorübergehend ins Wanken geriet, wollte er dagegen nicht überbewerten. «Die Leichtsinnigkeiten nach dem 2:0 kann man verschmerzen, wenn man am Ende gewinnt und weiterkommt.»

Noch nicht im Ziel wähnt der Weltmeister von 1974 seine Bayern im Liga-Titelrennen. Im Vergleich zum Pokal-Endspielgegner aus Leipzig sieht er den Meisterschaftsrivalen aus Dortmund noch eine Stufe höher. «Borussia Dortmund ist die zweitbeste deutsche Mannschaft, dann kommt Leipzig», sagte Hoeneß.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation