Thema des Tages
25.04.2019

Regen lindert Trockenheit kaum

Berlin/Offenbach (dpa) - Der vorhergesagte Regen dürfte die große Trockenheit in weiten Teilen Deutschlands kaum lindern. Zum Beginn der Vegetationsperiode sind die Böden laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in vielen Regionen deutlich trockener als im vieljährigen Durchschnitt.

Besonders betroffen sind die östlichen Bundesländer. Erste Waldbrände haben in den vergangenen Tagen schon zahlreiche Gegenden in Deutschland heimgesucht. Die Gefahr bleibt weiter hoch. Der Deutsche Feuerwehrverband fordert daher mehr Löschhubschrauber.

Die Niederschläge der nächsten Tage seien «mancherorts wieder nur der sogenannte Tropfen auf dem heißen Stein», sagte Markus Übel vom DWD. Am meisten Regen falle im Westen und Südwesten. Aber auch im Osten regne es etwas - nur leider nicht genug. Die Natur und die Landwirtschaft benötigten dringend Regen.

Im hessischen Seulingswald (Kreis Hersfeld-Rotenburg) kämpfen rund 400 Einsatzkräfte gegen einen Großbrand. Nach Angaben der Polizei stenden etwa sieben Hektar des Waldgebiets in Flammen. Nach einem schweren Gewitter war das Feuer am späten Mittwochabend ausgebrochen. «Wir gehen davon aus, dass ein Blitz in den Wald eingeschlagen hat», sagte ein Polizeisprecher. Menschen seien nicht in Gefahr. Der Brand war am Morgen zwar unter Kontrolle, die Löscharbeiten würden jedoch noch mehrere Stunden weitergehen.

Das Bonner Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe spielte unterdessen ein Szenario durch, was bei weiteren sechs Jahren Dürre wie im Sommer 2018 geschehen würde. Ergebnis der neuen Risikoanalyse: In manchen Regionen Deutschlands könnte die Trinkwasserversorgung zusammenbrechen, Stromausfälle wären möglich, die Agrarwirtschaft, aber auch die Stahl- und Chemieindustrie würden erheblich leiden. In der Risikoanalyse wird unter anderem auf die Folgen der Dürre 2018 verwiesen, die bereits die Schifffahrt beeinträchtigte, wodurch unter anderem die Benzinpreise stiegen.

Im Kampf gegen einen Waldbrand am Bleiloch-Stausee in Thüringen wurden Höhenretter zur Bekämpfung möglicher Glutnester an steilen Felswänden eingesetzt. Der Kampf gegen das Feuer auf etwa 15 Hektar könnte sich nach Einschätzung der Einsatzkräfte noch bis Freitag hinziehen. «Wir setzen große Hoffnungen auf den Hubschrauber der Bundeswehr. Er ist aber erst morgen einsatzbereit», sagte der Kreisbrandinspektor des Saale-Orla-Kreises, Uwe Tiersch, am Mittwoch. Es gebe weiterhin Glutnester, die bislang nicht erreicht werden. «Dort soll der Hubschrauber Wasser abwerfen.» Am Mittwoch geriet noch ein größerer Wald in Thüringen in Brand. Nach Angaben der Behörden waren mehrere Feuerwehren im Einsatz.

Aus Sicht eines Waldexperten muss der «Wald der Zukunft» vielfältig sein, um Waldbrände abzuwenden. Strukturreiche Laubwälder mit verschiedenen Baumarten brennen nicht so schnell und trocknen nicht so stark aus wie reine Nadelwälder, wie der Naturwissenschaftler Pierre Ibisch von der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung sagte. «Die großflächigen Monokulturen werden mittelfristig scheitern.»

Die Bundesregierung versprach Hilfe für Länder und Kommunen bei der Brandbekämpfung, wenn diese nötig sei. «Es ist so, dass der Katastrophenschutz (...) Angelegenheit der Länder ist und der Brandschutz Angelegenheit der Kommunen. Der Bund hat eine ganz schmale Zuständigkeit nur für den Zivilschutz», sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Mittwoch in Berlin. Allerdings helfe der Bund Ländern und Kommunen mit Ausrüstung. Der Bundestag habe 100 Millionen Euro für weitere Aufstockungen bei Brand- und Katastrophenschutz im Zeitraum von 2019 bis 2022 bewilligt.

Der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbands, Hartmut Ziebs, sagte am Mittwoch, jedes Flächenbundesland müsse im Schnitt einen Löschhubschrauber zur Verfügung haben, «um in der diesjährigen Waldbrandsaison adäquat auf Vegetationsbrände reagieren zu können». Die Feuerwehren forderten Hubschrauber bei Bundeswehr oder Bundespolizei an, die dann für diesen Einsatz bereitgestellt würden, erläuterte Ziebs in der Mitteilung.

Nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums hilft die Bundeswehr nur dann aus, «wenn die zuständigen Hilfskräfte eben nicht mehr in der Lage sind, den Brand zu löschen, beziehungsweise nicht mehr in der Lage sind, genug Material und Personal an den Punkt zu bekommen, wo sie es brauchen», erläuterte er. Dabei würden Hubschrauber genutzt, die zwar nicht spezielle Löschhubschrauber seien, aber Wassertanks transportieren könnten.

So hat der Einsatz eines Bundeswehr-Helikopters eine Ausbreitung des Moorbrandes im niedersächsischen Goldenstedt verhindert. «Für Entwarnung ist es aber viel zu früh», sagte Landkreissprecher Jochen Steinkamp am Mittwoch. Nach seinen Angaben nahm die Maschine seit dem Vormittag pro Flug bis zu 5000 Liter Wasser aus dem nahe gelegenen Hartenbergsee auf und warf sie über dem Brandgebiet ab.

In Berlin sind Bürger aufgerufen, beim Gießen von Straßenbäumen und jungem Grün mitzuhelfen. Das Grünflächenamt allein schaffe das mit seinem Personal nicht, sagte der Baustadtrat des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt. «Besonders viel Wasser brauchen die neu gepflanzten Bäume und andere Pflanzen am Straßenrand.»

Bei andauernder Trockenheit könnte Deutschland nach Einschätzung des DWD auf einen weiteren Dürresommer zusteuern. «Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden», sagte der Leiter der DWD-Agrarmeteorologie, Udo Busch, in Offenbach.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation