Thema des Tages
21.04.2019

Oster-Anschläge wecken in Sri Lanka Erinnerungen

Von Nick Kaiser und Anthony David, dpa

Colombo (dpa) - «Wie ein Déjà-Vu» beschreibt Gerhard Tauscher den blutigen Ostersonntag aus Sicht der Sri Lanker.

Die Anschläge auf Kirchen und Hotels seien ein Rückfall in finstere Zeiten, sagt Tauscher, der in der Hauptstadt Colombo für den Einsatz der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung zuständig ist. «Da ist ganz viel Porzellan zerschlagen.»

Im kommenden Monat jährt sich das Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka, der gut ein Vierteljahrhundert dauerte, zum zehnten Mal. Wie es schien, hatte der südasiatische Inselstaat die Gewalt endlich hinter sich gelassen, auch wenn Spannungen blieben. Der Tourismus blühte. Am Sonntag nahm innerhalb einer halben Stunde beides schweren Schaden - der Frieden und das Image des Landes als Traumurlaubsziel.

Vieles ist noch ungewiss. Über die Angreifer ist wenig bekannt, obwohl es Festnahmen gegeben hat. Regierungsvertreter sprechen vage von extremistischen Gruppen. Deren Opfer waren vor allem Christen, die in drei Kirchen den Ostergottesdienst feierten. Die Täter hatten es wohl auch auf Ausländer abgesehen, denn drei Fünf-Sterne-Hotels in Colombo gehörten ebenfalls zu ihren Zielen. Mindestens einer der Anschläge wurde, wie die Polizei vermutet, von einem Selbstmordattentäter verübt.

In den betroffenen Kirchen herrscht nach den Explosionen Chaos. Bilder zeigen Holztrümmer eines Kirchendachs auf dem Boden. Daneben blutüberströmte Menschen, die versuchen, einander zu helfen. Auf einem Video ist zu sehen, wie reglose Opfer aus einer Kirche herausgetragen werden. Schockiert dreinblickende Menschen laufen durch Scherbenhaufen. Schreie sind zu hören. «Ich habe gesehen, wie Leute aus ihren Plätzen geschleudert wurden», erzählt Jude Sebestian, der die Ostermesse in der St.-Antonius-Kirche in Colombo besucht hatte.

«Schreckliche Szenen», twittert Sri Lankas Minister für Wirtschaftsreformen, Harsha de Silva. «Ich habe viele Körperteile überall verstreut gesehen.» Unter den mehr als 200 Toten und Hunderten Verletzten sind einige Ausländer, die große Mehrheit sind aber Einheimische.

Im Bürgerkrieg kämpften die «Befreiungstiger von Tamil Eelam» (LTTE) von 1983 bis 2009 für einen unabhängigen tamilischen Staat im Norden der Tropeninsel. Die LTTE verübte im ganzen Land Selbstmordanschläge und sprengte Züge in die Luft. Die Armee bombardierte das Siedlungsgebiet der Tamilen. Schätzungen zufolge starben während des Bürgerkriegs an die 100.000 Menschen. Beiden Seiten werden Kriegsverbrechen vorgeworfen.

Der Konflikt schwelt in den Tamilengebieten im Nordosten des Landes auf niedriger Flamme durchaus noch weiter. Und es gibt auch andere Spannungen in der sri-lankischen Gesellschaft. Im vergangenen Jahr kam es zu Angriffen von wütenden Mobs der buddhistischen Mehrheit der Singhalesen gegen Muslime - angefacht von Gerüchten, die sich über soziale Medien verbreiteten. In den zehn Jahren seit dem Ende des Krieges hatte es aber keine Anschläge mehr gegeben. Und weder Christen - die nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung ausmachen - noch Ausländer waren zur Zielscheibe von Gewalt geworden.

Einige Stunden nach den ersten sechs Explosionen knallt es am Sonntagnachmittag plötzlich noch zweimal, in einem weiteren Hotel und einer Wohngegend in Vororten von Colombo. Der Regierung zufolge sind es dieselben Täter, die identifiziert seien und nun flüchteten. Eine Ausgangssperre tritt in Kraft, der Zugang zu sozialen Medien wird blockiert. Damit soll Ruhe einkehren.

Im Supermarkt hätten sich viele Menschen noch schnell mit dem Nötigsten eingedeckt, erzählt Gerhard Tauscher. Die Ausgangssperre soll zunächst bis Montagmorgen gelten. «Wir gehen davon aus, dass das deutlich länger andauert», meint Tauscher. So schnell wird Sri Lanka nicht zu der Normalität zurückkehren, die es in den vergangenen zehn Jahren genossen hat.



Thema des Tages

Spahn will Notaufnahmen mit vorherigen Prüfungen entlasten

Berlin (dpa) - Mit einer grundlegenden Reform der Notfallversorgung will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Rettungsstellen der Kliniken entlasten. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Rettungsplan für Notaufnahmen - Spahn setzt zu großer OP an
  • Ukraine: Prowestlicher Selenskyj gewinnt absolute Mehrheit
  • Studie: Auf dem Land wird zu viel neu gebaut
  • Computer

    Twitter-Account von Scotland Yard geknackt

    London (dpa) - Unbekannte Hacker haben den Twitter Account der Londoner Polizei geknackt. In etlichen gefälschten Tweets forderten sie am Freitagabend die Freilassung des Rappers Digga D, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Microsoft mit Gewinnsprung - Aktie auf Rekordhoch
  • Facebook wehrt sich gegen NetzDG-Bußgeld
  • Große Wirtschaftsmächte warnen vor Facebook-Geld Libra


  • Wissenschaft

    Eingespielte Lacher machen schlechte Witze besser

    London (dpa) - Witze werden als lustiger wahrgenommen, wenn zur Pointe Lacher vorgespielt werden. In einer britischen Studie bewerteten die Teilnehmer maue Witze am besten, wenn spontanes, natürliches Gelächter eingespielt wurde. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Indien schickt eine Raumsonde zum Mond
  • Humanitäre Krisen erschweren Kampf gegen Aids
  • Münchner Studenten gewinnen erneut Hyperloop-Wettbewerb
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.300,00 +0,33%
    TecDAX 2.894,75 +0,98%
    EUR/USD 1,1214 -0,04%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation