Computer und Co.
18.04.2019

Verwertungsgesellschaft VG Media will Milliarden von Google

Berlin (dpa) - Nach der Verabschiedung der neuen EU-Richtlinie zum Urheberrecht hat sich die Verwertungsgesellschaft VG Media mit einer Milliardenforderung an Google gewandt. Das teilte die VG Media am Donnerstag mit.

Für die Nutzung von digitalen Presseerzeugnissen solle der US-Internetriese rückwirkend für die Zeit vom 1. August 2013 bis zum 31. Dezember 2018 1,24 Milliarden Euro zahlen. Für die Zukunft strebt die VG Media pauschale Lizenzsummen an, die zwischen 3,44 Milliarden (2019) und 8,5 Milliarden Euro (2024) pro Jahr betragen sollen. Zuerst hatte die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» über die Forderungen berichtet.

Die Verwertungsgesellschaft beruft sich bei den rückwirkenden Forderungen auf das nationale Leistungsschutzrecht für Presseverlage, das in Deutschland bereits am 1. August 2013 in Kraft getreten ist. Allerdings ist unklar, ob das deutsche LSR überhaupt gültig zustande gekommen ist.

In einem Rechtsstreit zwischen Google und der VG Media will das Berliner Landgericht beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) klären lassen, ob Deutschland die Europäische Union vor der Verabschiedung des Gesetzes hätte informieren müssen. Wäre diese «Notifizierung» nötig gewesen, dürfte das Gesetz nicht angewendet werden.

Der zuständige EuGH-Gutachter hatte im Dezember erklärt, er halte das deutsche Gesetz für nicht anwendbar, weil die Bundesregierung 2013 darauf verzichtet hatte, die EU-Kommission in Kenntnis zu setzen. Eine Entscheidung des Gerichts steht noch aus.

Die VG Media erklärte, sie sei nach sechs Jahren Auseinandersetzung an einer Befriedung interessiert. Der europäische Gesetzgeber habe mit der am Montag endgültig beschlossenen Reform auch für das europäische Urheberrecht «sehr deutlich den Weg gewiesen». «Dies sollte Google zum Anlass nehmen, sich endlich rechtskonform zu verhalten und eine Einigung mit den Rechteinhabern zu erzielen.» Google war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Bei den auf die Zukunft gerichteten Forderungen beruft sich die VG Media auf die neue Urheberrechtsrichtlinie der EU, die am Montag vom Rat der EU-Mitgliedsstaaten bestätigt worden war. Diese ist bislang aber noch in keinem EU-Staat in nationales Recht umgesetzt worden. Deutschland und die anderen EU-Mitglieder haben für die nationale Gesetzgebung zwei Jahre lang Zeit.

Bei der Kalkulation der rückwirkenden Forderung geht die VG Media davon aus, dass der Verwertungsgesellschaft ein fünfprozentiger Anteil des von Google in Deutschland erzielten Umsatzes von 24,77 Milliarden Euro zustehe.



Thema des Tages

Österreich vor Neuwahl - Van der Bellen empfängt Kurz

Wien (dpa) - Nach dem Bruch der rechtskonservativen Koalition bereitet sich Österreich auf eine Neuwahl vor. Bundespräsident Alexander Van der Bellen will an diesem Sonntagvormittag Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) empfangen, um über die weiteren Schritte zu beraten. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Bayern-Meistertrainer Kovac: «Wir haben Großes geleistet»
  • Niederlande gewinnen ESC - Deutschland nur Platz 24
  • Merkel und Weber stellen sich in Zagreb gegen Nationalismus
  • Computer

    Experte: Teslas «Autopilot» war bei Todescrash eingeschaltet

    Washington (dpa) - Ein erster Unfallbericht zu einem tödlichen Tesla-Crash im März wirft neue Fragen zum Assistenzsystem «Autopilot» auf. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Neue Initiative für abhörsicheres Quanteninformationsnetz
  • Drahtzieher nach weltweitem Online-Betrug vor Gericht
  • Messenger-Chef: Trotz Verschlüsselung Hassreden bekämpfen


  • Wissenschaft

    Bettwanzen wohl älter als gedacht

    Dresden (dpa) - Bettwanzen piesacken ihre Mitgeschöpfe wohl schon weit länger als bisher angenommen. Die Parasiten gab es einer neuen Analyse zufolge schon vor etwa 115 Millionen Jahren, als noch Dinosaurier auf der Erde lebten. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Studie: Sex reizt bis ins hohe Alter
  • Rund 20,5 Millionen Kinder kommen zu leicht zur Welt
  • Umweltaktivisten bergen Geisternetze aus der Ostsee
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 12.198,00 -0,33%
    TecDAX 2.853,50 -0,48%
    EUR/USD 1,1157 -0,15%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation