Computer und Co.
22.03.2019

«Es ist Showtime»: Neuer Videodienst von Apple erwartet

Von Andrej Sokolow, dpa

Cupertino (dpa) - Apple ist bereit, seine Hollywood-Pläne der Öffentlichkeit vorzustellen.

Seit über einem Jahr werden nach und nach große Namen präsentiert: Jennifer Aniston und Reese Witherspoon spielen in einer Serie über Rivalitäten im Frühstücksfernsehen, Steven Spielberg lässt die Mystery-Serie «Amazing Stories» wiederaufleben, von M. Night Shyamalan («The Sixth Sense») gibt es einen Thriller, dessen Story noch geheim ist. Alles in allem soll Apple zwei Milliarden Dollar in exklusive Inhalte gesteckt haben. Steht also der Angriff des iPhone-Konzerns auf die heutigen Streaming-Schwergewichte Netflix und Amazon Prime bevor?

Eine Antwort auf diese Frage dürfte es am Montag geben. Apple setzte ein Event in seinem Hauptquartier in Cupertino an, bei dem ausnahmsweise nicht Geräte im Vordergrund stehen sollen. Die animierte Einladung lässt wenig Zweifel, worum es gehen wird: «Es ist Showtime», heißt es nach einem stilisierten Filmrollen-Countdown. Was bisher unklar bleibt, ist die Reichweite von Apples Ambitionen.

Nach bisherigen Medienberichten geht es dem iPhone-Konzern nicht nur darum, Kunden mit exklusiven eigenen Inhalten zu locken, sondern auch die Rolle als Plattform für andere Dienste zu stärken. Apple hat bereits seit einer Zeit seine «TV»-App, von der aus Nutzer Zugriff auf Inhalte verschiedener teilnehmender Dienste haben. In Deutschland zum Beispiel sind es Sky Ticket, Amazon Prime Video und Sender-Mediatheken. Netflix ist nicht dabei - und Firmenchef Reed Hastings machte vor wenigen Tagen deutlich, dass der Streaming-Primus auch bei der neuen Apple-Plattform nicht mitmachen werde.

Apple könnte künftig gebündelte Pakete von Abos - zum Beispiel der Bezahldienste HBO, Showtime und Starz in den USA - günstiger verkaufen als die Einzelangebote, schrieb das Technologieblog «Recode». Der iPhone-Konzern werde nicht zum ernsthaften Wettbewerber für Netflix & Co.: «Apples Fokus wird - zumindest vorerst - darauf liegen, anderen beim Verkauf ihrer Videostreaming-Abos zu helfen und einen Umsatzanteil davon zu bekommen», schrieb der gut vernetzte «Recode»-Medienreporter Peter Kafka. Das wäre allerdings weniger aufregend als eine Frontal-Attacke auf Netflix. Auf der anderen Seite würden es sicherlich viele Zuschauer begrüßen, wenn sie an einer Stelle ein bequemes Sammel-Abo für unterschiedlichste Dienste abschließen könnten, anstatt mehrere Konten verwalten zu müssen.

Für die Rolle des Abo-Vermittlers spricht auch das bisher bekanntgewordene Ausmaß der Investitionen von Apple. So sind zwei Milliarden Dollar zwar eine Menge Geld - aber Netflix gibt pro Jahr um die acht Milliarden für Inhalte aus, einen wachsenden Teil davon für exklusiv nur bei dem Dienst verfügbare Filme oder Serien. Andererseits ist das vielleicht auch nur der Anfang: Während Netflix seine Ausgaben immer noch hauptsächlich auf Pump finanziert, sitzt Apple auf einem Geldberg aus mehreren hundert Milliarden Dollar. Und kann auf eine Basis von 1,4 Milliarden Geräten im Umlauf zurückgreifen - auf denen zum Beispiel die Eigenproduktionen exklusiv verfügbar sein könnten.

Zugleich dürfte das neue Videoangebot die Debatte um Apples Rolle als Plattform-Anbieter und gleichzeitig Konkurrenz von anderen Diensten befeuern. Vor gut einer Woche reichte der Musikstreaming-Marktführer Spotify Beschwerde bei der EU-Kommission ein und wirft Apple unfairen Wettbewerb vor. Spotify sieht sich unter anderem dadurch benachteiligt, dass der Dienst für Abo-Abschlüsse in der iPhone-App einen Anteil von 15 bis 30 Prozent an Apple abgeben müsste - während der Konkurrent die Erlöse von Apple Music komplett behalten kann und dadurch einen Preisvorteil habe. Genauso wie Spotify bietet auch Netflix inzwischen keine Möglichkeit an, ein Abo in Apps auf Apple-Plattformen abzuschließen - um den Erlös nicht teilten zu müssen.

Eine weitere Ankündigung am Montag könnte ein neues Abo-Angebot für Nachrichten sein. Nach Informationen der «New York Times» hat Apple dafür als Top-Adresse zumindest das «Wall Street Journal» an Bord holen können. Dagegen wollten die «Washington Post» und die «New York Times» nicht mitmachen. Das «Wall Street Journal» hatte wenige Wochen zuvor mit einem Bericht, wonach Apple von den Verlagen die Hälfte der Abo-Erlöse einbehalten wolle, für heftige Kritik an dem iPhone-Konzern aus der Medienbranche gesorgt.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation