Thema des Tages
13.02.2019

«El Chapo» schuldig gesprochen - Kartelle bleiben mächtig

Mexiko-Stadt/New York (dpa) - Der Schuldspruch des früheren mexikanischen Drogenbosses Joaquín «El Chapo» Guzmán ändert nach Ansicht von Experten nichts an der Macht der Kartelle in den USA und Mexiko.

Guzmán war am Dienstag nach sechstägigen Beratungen von einer New Yorker Jury

in allen zehn Anklagepunkten für schuldig befunden worden und dürfte den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen.

Das Sinaloa-Kartell, das «El Chapo» 25 Jahre lang anführte, sei so stark, dass es den Verlust eines bekannten Mitglieds gut verkraften könne, sagt der Sicherheits-Analyst Javier Oliva von der mexikanischen Universität UNAM der Deutschen Presse-Agentur.

Der 61-Jährige kann keinen Antrag auf vorzeitige Entlassung stellen und dürfte damit bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben. Das Gericht muss das Strafmaß noch offiziell verkünden. Guzmáns Verteidiger kündigten umgehend an, die Möglichkeiten einer Berufung zu prüfen. «Der Kampf ist noch nicht vorbei», sagte Anwalt Jeffrey Lichtman. Die Aussichten dafür scheinen angesichts der teils erdrückenden Beweislast und der Verurteilung in allen Anklagepunkten sehr gering.

Die US-Regierung feierte den Schuldspruch als großen Erfolg und kündigten an, weiter hart gegen Schmugglerkartelle vorzugehen. Das Urteil sei eine «unwiderlegbare Botschaft an die in Mexiko verbleibenden Hauptakteure, dass sie letztlich festgenommen und verurteilt werden», sagte der amtierende US-Justizminister Matthew Whitaker. Die USA und Mexiko würden weiter mit allen verfügbaren Mitteln gegen Drogenschmuggler und deren «gewalttätige Organisationen» kämpfen.

Der Kampf gegen illegale Drogen kostet die USA laut einer Studie von 2010 jährlich fast 51 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro). Laut dem nationalen Bericht der US-Strafverfolgungsbehörde für Drogendelikte aus dem vergangenen Jahr hält das Sinaloa-Kartell immer noch den größten Anteil am Geschäft in den Vereinigten Staaten.

Andere Syndikate wie Juárez oder Los Zetas bestehen weiter, aber Konkurrenz bekommt Sinaloa in den USA vor allem vonseiten des Kartells Jalisco Nueva Generación (CJNG). Die Organisation ging 2010 aus dem Sinaloa-Kartell hervor und macht dem Syndikat auch in Mexiko zunehmend Druck.

Trotzdem ist den Experten zufolge der Einfluss des Sinaloa-Kartells auch ohne Guzmán ungebrochen. Für den langjährigen Chef, der seinen Spitznahmen «El Chapo» («der Kurze») wegen seiner Körpergröße von 1,64 Metern trug, war bereits nach seiner Festnahme im Januar 2016 ein Nachfolger aufgerückt: Ismael «El Mayo» Zambada.

Den «El-Chapo»-Prozess kritisierte Verteidiger Eduardo Balarezo als «Show», um amerikanisches «Können und Macht zu demonstrieren». Staatsanwälte hatten über drei Monate mehr als 50 Zeugen aufgerufen und der Jury massenhaft Beweismaterial präsentiert. «Die US-Regierung weiß sehr wohl, dass sich mit «El Chapos» Verurteilung nichts geändert hat und nichts ändern wird», schrieb Balarezo auf Twitter.

Guzmán hatte bei der Verlesung des Urteils keine Regung gezeigt und lediglich Blicke mit seiner Frau Emma Coronel gewechselt, die im Publikum saß. Guzmán nahm den Schuldspruch seinen Anwälten zufolge «positiv» hin. Er ist aktuell in einem Hochsicherheitsgefängnis in New Yorks Stadtteil Manhattan eingesperrt. Offen ist, ob er seine Strafe dort absitzen soll oder in eine andere Haftanstalt verlegt wird. In Mexiko gelang es Guzmán bereits zwei Mal, aus dem Gefängnis auszubrechen: 2001 entkam er in einem Wäschekorb und 2015 durch einen Tunnel, den Komplizen bis unter seine Zelle gegraben hatten.



Thema des Tages

Kramp-Karrenbauer will Einsatz gegen IS fortsetzen

Al-Asrak (dpa) - Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat bei ihrer ersten Einsatzreise eine Fortsetzung der deutschen Beteiligung im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gefordert. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Vor 30 Jahren: Historische Flucht von DDR-Bürgern aus Ungarn
  • Deutschland holt erstmals IS-Kinder aus Syrien zurück
  • Island erklärt offiziell ersten Gletscher für «tot»
  • Computer

    Branche feiert Gamescom-Auftakt

    Köln (dpa) - Mit einem Abend voller Spiele-Neuheiten und rund 1500 Fans hat die Gamescom in Köln am Montagabend auf der «Opening Night Live» ihren Auftakt zelebriert. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Neue App lässt Berliner Mauer in Augmented Reality erleben
  • Huawei bekommt weitere drei Monate Aufschub bei US-Blockade
  • E-Sport mit kräftigem Umsatzzuwachs in Deutschland


  • Wissenschaft

    Wie Raucher und Trinker von Äpfeln und Tee profitieren

    Perth/Kopenhagen (dpa) «Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern»: An dem Sprichwort könnte einer internationalen Studie zufolge etwas dran sein - insbesondere für Raucher und Trinker. Und vor allem dann, wenn das Obst mit einer Tasse Tee genossen wird. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Island erklärt offiziell ersten Gletscher für «tot»
  • Handel mit Wildtieren: Eine Lösung für deren Schutz?
  • Abholzung am Amazonas hat um 15 Prozent zugelegt
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.693,00 +1,13%
    TecDAX 2.747,25 +1,63%
    EUR/USD 1,1079 -0,14%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation