Thema des Tages
21.01.2019

Matchball verwandelt: Deutschland erreicht Halbfinale

Von Nils Bastek und Eric Dobias, dpa

Köln (dpa) - Mit einem 22:21 (11:11)-Erfolg in einem hochspannenden Spiel gegen Kroatien hat die DHB-Auswahl vorzeitig das Halbfinal-Ticket für die Heim-WM gelöst und darf weiter von einer Medaille träumen.

Die deutschen Handballer tanzten nach einem dramatischen Schlussakt Arm in Arm über das Parkett, danach herzte Bundestrainer Christian Prokop jeden seiner Spieler mit einer innigen Umarmung. «Ich bin einfach nur happy, dass wir die erste Tür nach Hamburg genommen haben», sagte Prokop nach dem Drama mit Happy End. «Für uns ist das momentan die geilste Zeit im Job. Es ist schön, dass wir derzeit auf der Sonnenseite stehen.»

Unter dem lautstarken Applaus der 19.250 euphorischen Zuschauer in der erneut vollen Kölner Arena feierten Fabian Wiede und Co. noch Minuten nach dem Abpfiff. «Danke Köln», sagte der erleichterte Wiede, der mit sechs Treffern erfolgreichster Torschütze war. «Jetzt fahren wir nach Hamburg». Dort findet am Freitag das Halbfinale statt - allerdings ohne den schwer verletzten Spielmacher Martin Strobel.

In der von Beginn an umkämpften Partie verdiente sich vor allem die erneut auf allerhöchstem Niveau agierende deutsche Defensive eine Bestnote - und der wieder überragende Torhüter Andreas Wolff. Im Angriff haperte es dagegen gewaltig. Das Team leistete sich zu viele Fehlwürfe und -pässe.

«Das war heute eine ganz harte Prüfung», sagte Prokop, «so eine Drucksituation zu bestehen, darauf bin ich unheimlich stolz.» Torhüter Wolff stellte den Berliner Rückraumspieler Wiede heraus: «Fabi hat ein unglaubliches Spiel gemacht, er hat wahnsinnig gespielt.»

Am Mittwoch treffen die Deutschen zum Hauptrundenabschluss in Köln noch auf Spanien. Gegner am Freitag in Hamburg wird Dänemark, Schweden oder Norwegen sein. Auch die Franzosen stehen durch den Sieg der deutschen Mannschaft bereits als Halbfinalist fest. «Wenn man im Halbfinale ist, will man auch ins Finale und dann den Pokal hochstemmen», sagte Wiede.

Die Partie startete für die deutsche Mannschaft mit einem schweren Rückschlag. Mittelmann Strobel, der zentrale Regisseur im Spielaufbau der DHB-Auswahl, verdrehte sich in der neunten Minute in einem Zweikampf das linke Knie und musste unter Schmerzen auf einer Trage vom Feld transportiert werden. Kurz danach wurde der Zweitliga-Profi mit einem Innenbandriss und Verdacht auf einen Kreuzbandriss ins Krankenhaus gebracht. «Das ist schlimm. Die Mannschaft schenkt ihm die Halbfinalteilnahme», sagte Prokop.

Sein Team kompensierte den bitteren Ausfall mit viel Leidenschaft, großem Kampfgeist - und einer immer besser werdenden Abwehr. »Hinten auskotzen, dann können wir immer noch wechseln», forderte der Coach in einer Auszeit während des ersten Durchgangs. Tatsächlich wurde es für Kroatiens Weltklasse-Leute wie Domagoj Duvnjak und Luka Stepancic im weiteren Verlauf immer schwieriger, Lücken im deutschen Defensivblock zu finden. Dennoch blieb die hochspannende Partie eng, weil es nach dem Verlust von Strobel zum Teil ordentlich im deutschen Angriff haperte.

Das lag aber weniger am Spielaufbau, sondern an der teils mangelhaften Konzentration. Kapitän Uwe Gensheimer oder Rechtsaußen Patrick Groetzki, die beide einen schlechten Abend erwischten, vergaben aus teils besten Situationen und verpassten dadurch eine höhere Führung für die deutsche Mannschaft. «Das ist mir heute scheißegal. Wir sind im Halbfinale», sagte Prokop.

Zudem kassierte die DHB-Auswahl zum Teil unnötige Zeitstrafen und verschaffte den Kroaten somit immer wieder Überzahlsituationen. Nach der überraschenden Pleite gegen Brasilien am Vortag war bei den Kroaten jedenfalls in weiten Teilen nichts von einer Verunsicherung zu spüren.

Stattdessen entwickelte sich die erwartete Partie auf Augenhöhe. Ein Großteil der anwesenden Fans ignorierte ihre Sitzplätze und stand angesichts der Dramatik fast während der kompletten Partie. Und sie sahen eine deutsche Mannschaft, die immer wieder ihre Führung auf zwei oder mehr Tore hätte ausbauen können - aber diese Chancen auch immer wieder leichtfertig liegen ließ. Am Ende gab es aber nur noch Jubel.



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