Thema des Tages
19.01.2019

Tod im Inferno: 67 Tote nach Pipeline-Explosion in Mexiko

Von Amelie Richter und Gaby Mahlberg, dpa

Tlahuelilpan (dpa) - Flammen schlagen meterhoch aus der Pipeline in den schwarzen Nachthimmel über Mexiko. Menschen rennen in Panik schreiend in alle Richtungen davon. Videoaufnahmen zeigen das Chaos nach einer Explosion an einer Benzinleitung im Bundesstaat Hidalgo.

Mindestens 67 Menschen kommen bei dem Unglück ums Leben. Ein Verletzter sei am Samstag im Krankenhaus an seinen schweren Verletzungen gestorben, teilte Gesundheitsminister Jorge Alcocer Varela mit. 75 Verletzte würden noch in verschiedenen Krankenhäusern behandelt.

Viele der Verletzten hätten schwere bis sehr schwere Verletzungen erlitten, sagte der Gouverneur des Bundesstaats Hidalgo, Omar Fayad. Einige Menschen seien von Angehörigen als vermisst gemeldet worden, berichtete ein Reporter des Fernsehsender «Milenio TV». Es sei jedoch unklar, ob sie tot oder in einem Krankenhaus seien. Viele der Todesopfer seien zu stark verbrannt, um sie schnell identifizieren zu können. Im Tageslicht am Samstag zeigte sich das Ausmaß des Brandes - um die Pipeline ist die Erde meterweit schwarz verkohlt.

In der Nähe der Leitung hätten sich zum Zeitpunkt der Explosion am Freitagabend zwischen mehreren Hundert bis sogar tausend Menschen befunden, berichteten lokale Medien. An der Kraftstoff-Leitung in der Stadt Tlahuelilpan, rund 80 Kilometer nördlich von Mexiko-Stadt, hatte sich zuvor ein Leck gebildet, Anwohner näherten sich, um das Benzin in Eimern oder Kanistern mitzunehmen. Wie genau es zu der Explosion kam, war am Samstag noch nicht klar.

Am Freitagnachmittag war nach Angaben des Fernsehsenders «Milenio TV» eine Öffnung an der Leitung gemeldet worden. Der staatliche Mineralölkonzern Pemex erklärte, es habe sich um einen illegalen Anzapf-Versuch an der Pipeline zwischen den Städten Tuxpan und Tula gehandelt. Als sich die Nachricht rumsprach, eilten Menschen zu der Leitung, um dort Benzin abzufüllen - was in Mexiko eine Straftat ist.

Der Benzin-Diebstahl ist ein großes Problem in dem lateinamerikanischen Land. Nach Pemex-Angaben wurde im vergangenen Jahr alle 30 Minuten versucht, illegal eine der Pipelines anzuzapfen. Fayad rief nach dem Unfall die Bevölkerung auf, sich nicht am Benzin-Klau zu beteiligen. Es sei lebensgefährlich, warnte Fayad auf Twitter. Der Vorfall schmerze, sagte Präsident Andrés Manuel López Obrador bei einer Pressekonferenz. «Aber der Diebstahl von Benzin muss aufhören.»

Seit Ende Dezember hat die Regierung damit begonnen, das Verteilungssystem angesichts der massiv gestiegenen Zahl von Anzapf-Versuchen zu ändern. Einige Leitungen wurden geschlossen, der Sprit wird in bewachten Tanklastern transportiert. An vielen Tankstellen führte das in den vergangenen Wochen zu langen Warteschlangen und Panikkäufen. Ob wegen des Benzin-Engpasses so viele Menschen in Tlahuelilpan die vermeintliche Chance auf Benzin nutzen wollten, ließ sich zunächst nicht bestätigen. Lokale Medien berichteten, in der Region habe Sprit gefehlt.

In der Nacht versuchten Menschen zur der Unfallstelle zu gelangen, um nach Familienangehörigen zu suchen. Soldaten und Polizisten hielten sie zurück. Nun wird auch die Frage lauter, warum das Gebiet um das Leck in der Benzinleitung nicht schon vor der Explosion abgeriegelt wurde. Ein Video des Fernsehsenders «Milenio TV» zeigt bewaffnete Soldaten vor der Explosion bei der Pipeline - sie lassen die Menschen mit Kanistern seelenruhig in Richtung des Lecks laufen.



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation