Computer und Co.
17.09.2018

Netzagentur verteidigt Pläne für Mobilfunk-Versteigerung

Bonn (dpa) - Der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, hat die Pläne seiner Behörde verteidigt, bei der Versteigerung der 5G-Mobilfunklizenzen keine lückenlose Versorgung zu verlangen.

«Ein flächendeckender Ausbau mit der 5G Technologie bereits jetzt ist unverhältnismäßig teuer», sagte Homann. Die Netzagentur gehe mit ihren «Versorgungsauflagen an die Grenze des wirtschaftlich Zumutbaren und rechtlich Möglichen».

Nach dem Entwurf der Vergabebedingungen und Auktionsregeln müssen die Netzbetreiber bis Ende 2022 mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland mit einer Datengeschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde im Download versorgen. Bei den verbleibenden zwei Prozent handelt es um Haushalte in schwer zugänglichen Gebieten, meist im ländlichen Raum, wo sich der Ausbau für die Konzerne kaum rechnet.

Die Netzagentur werde in den nächsten Jahren «weitere Frequenzen vergeben, insbesondere auch solche, die für die Versorgung der Fläche besser geeignet sind», kündigte Homann an. Die Kosten für den weiteren Ausbau würden künftig sinken, weil es dann mehr Glasfaserleitungen gebe.

Autobahnen und Bundesstraßen müssen von den Netzbetreibern bis Ende 2022 mit Datengeschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde versorgt werden. Über die Auflage für die Haushalte werde zusätzlich ein großer Teil aller Straßen erreicht. «Für das automatisierte Fahren haben wir bereits Frequenzen bereitgestellt, damit sich Fahrzeuge erkennen oder mit der Straße kommunizieren», erklärte Homann.

Über den Entwurf der Auktionsregeln wird der Beirat der Netzagentur den Angaben zufolge am 24. September beraten. Danach sind Gespräche mit den Mobilfunkfirmen geplant. Die endgültige Entscheidung über die Regeln soll im November fallen. Die Aktion ist im ersten Quartal 2019 in Mainz geplant.

Kurz vor der Veröffentlichung des Entwurfs hatte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter Nachbesserungen bei den Bedingungen der Auktion und mehr Investitionssicherheit gefordert. «Das Papier braucht eine Reparatur», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Einige Formulierungen, die man heute findet, erschrecken uns.» Dabei geht es unter anderem um den Teil des Frequenzspektrums, der für regionale Nutzung vorbehalten bleiben soll, statt an Netzbetreiber zu gehen. Die Bedingungen dafür seien nicht ausreichend ausformuliert.

«Wenn das regionale Spektrum eine Hintertür wird für einen vierten Netzbetreiber, der kaum investieren muss, dann wäre das eine Fehlentwicklung, weil es die Investitionen der anderen komplett entwertet», sagte Ametsreiter. Ohne entsprechende Einschränkungen könne man sich eine Situation vorstellen, in der zum Beispiel Finanzinvestoren sich ein lokales Spektrum günstig sichern und dann mehrere Regionen zusammenschalten.

Unterdessen bekräftigten mehr als zwei Dutzend Führungskräfte aus der deutschen Industrie, dass Deutschland dringend eine bessere Infrastruktur brauche, um den Anschluss nicht zu verlieren. «Eine rasche und möglichst flächendeckende Bereitstellung von 5G als schnelles, breitbandiges und zuverlässiges mobiles Datennetzwerk ist für die Zukunft in der Automobilindustrie ein Faktor von zentraler Bedeutung», erklärte etwa Helmut Matschi vom Autozulieferer Continental im «Handelsblatt». Commerzbank-Vorstand Martin Zielke warnte: «Andere Länder gehen entschlossen voran, Deutschland droht zurückzufallen.»



Thema des Tages

May auf Brexit-Rettungsmission in Europa

Brüssel/London (dpa) - Wegen der massiven Widerstände gegen ihre Brexit-Lösung hat die britische Premierministerin Theresa May am Dienstag eine hektische Rettungsmission durch halb Europa gestartet, auch zu Kanzlerin Angela Merkel nach Berlin. »weiter
Lesen Sie auch:
  • UN: 20 Millionen Menschen im Jemen leiden Hunger
  • 716 Millionen Euro in fünf Jahren für Regierungsberater
  • Fast alle Deutschen halten sich für guten Bürger
  • Computer

    Google schließt sein Online-Netzwerk nach neuer Panne schneller

    Mountain View (dpa) - Das Online-Netzwerk Google Plus wird für Verbraucher deutlich früher als geplant dichtgemacht, nachdem der Internet-Konzern eine neue Datenpanne entdeckt hat. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Amazon-Deutschlandchef: Roboter bringen mehr Arbeitsplätze
  • Betriebsräte warnen Politik vor nationaler 5G-Roamingpflicht
  • Qualcomm meldet iPhone-Verkaufsverbot in China


  • Wissenschaft

    «Voyager 2» verlässt als zweite Sonde Heliosphäre der Sonne

    Washington (dpa) - Sechs Jahre nach ihrer Zwillingsschwester «Voyager 1» hat «Voyager 2» als zweite Raumsonde in der Geschichte der Menschheit die Heliosphäre der Sonne verlassen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Bhutans Energiequellen trocknen aus
  • Einfach singen: Wie Seelenklempner Stress bewältigen
  • Löwenzahn im Autoreifen: Alternative zu tropischem Kautschuk
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 10.783,00 +1,52%
    TecDAX 2.526,00 +1,81%
    EUR/USD 1,1394 +0,38%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation