Thema des Tages
24.06.2018

Saudische Frauen feiern das Ende des Fahrverbots

Riad (dpa) - Frauen haben ihre neue Freiheit nach dem Ende des Fahrverbots in Saudi-Arabien gefeiert. Überall in dem islamisch-konservativen Königreich setzten sich Fahrerinnen am Sonntag ans Steuer und fuhren erstmals legal im saudischen Straßenverkehr los.

Viele sprachen von einem historischen Tag. «Was für ein wunderschöner Morgen», schrieb eine Frau auf Twitter, die angab, aus der Stadt Al-Chubar zu sein. Eine andere Frau twitterte zu einem Film mit ihr am Steuer: «In diesem Moment mischen sich Begeisterung und Glück.»

Das Ende des Fahrverbots für Frauen in Saudi-Arabien war um Mitternacht Ortszeit in Kraft getreten. Ein Sprecher der saudischen Sicherheitsbehörden erklärte am Sonntag, der Verkehr laufe normal. Es gebe keine ungewöhnlichen Vorkommnisse.

Aktivisten forderten weitere Reformen und verlangten die Freilassung inhaftierter Frauenrechtler, die im vergangenen Monat festgenommen worden waren. Als nächstes müsse das System der männlichen Vormundschaft für Frauen beendet werden, sagte die Aktivistin Hala al-Dosari der Deutschen Presse-Agentur. In Saudi-Arabien brauchen Frauen die Zustimmung eines männlichen Vormunds, etwa wenn sie heiraten oder reisen wollen.

Das Ende des Fahrverbots sei ein «sehr bedeutender Moment» für Frauen in Saudi-Arabien, erklärte Al-Dosari, die sich gerade in den USA aufhält. «Ich bin glücklich und hoffe, dass die Frauen in Saudi-Arabien noch viel mehr erreichen», sagte sie. Allerdings seien viele Frauenrechtler in Haft, die für das Ende des Fahrverbots gekämpft hätten. «Mir tun die Aktivisten leid, die diesen Moment möglich gemacht haben und nun wie Verräter behandelt werden.»

In der Hauptstadt Riad startete die 30 Jahre alte Wala Abu Nadschm im Wagen ihres Mannes die erste Fahrt im saudischen Verkehr. «Endlich kann ich meine Familie besuchen, ohne meinen Mann fragen zu müssen, ob er mich fährt», freute sie sich. Ihre größte Sorge sei die Reaktion der Öffentlichkeit auf das Ende des Fahrverbots. Im Internet kursieren seit Monaten saudische Witze über Frauen am Steuer.

Das Ende des Autofahrverbots für Frauen gehört zu einer Reihe von Reformen, mit denen das saudische Königshaus das Land öffnen möchte. Seit einigen Monaten sind bereits Konzerte erlaubt. Auch Kinos wurden wieder zugelassen. Vorangetrieben werden die Reformen vom 32 Jahre alten Kronprinz Mohammed bin Salman, der als starker Mann und künftiger Herrscher des autokratischen regierten Königreiches gilt. Vor allem unter jungen Saudis genießt er Ansehen - konservative beobachten die Reformen jedoch skeptisch. Sie stoßen sich vor allem an der Aufweichung der strikten Trennung von Männern und Frauen.

Das Ende des Verbots soll den Frauen auch helfen, stärker auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Bisher sind sie oft auf Chauffeure angewiesen. Berichten zufolge wird Frauen auch in der diktatorisch regierten Ex-Sowjetrepublik Turkmenistan in Zentralasien das Fahren schwer gemacht. Saudi-Arabien bemüht sich darum, seine Abhängigkeit vom Öl zu verringern und will dazu die Wirtschaft umbauen.

Viele Frauen befürchten indes, dass die Straße zu einem Ort werden könnten, an dem Männer sie belästigen. Als Reaktion auf die Sorgen der Frauen hatte die Regierung ein Gesetz beschlossen, das sexuelle Belästigung unter hohe Strafen stellt. Wer sich eines Vergehens schuldig macht, kann mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von umgerechnet bis zu 70.000 Euro bestraft werden.

Der historische Tag wird von der Verhaftungswelle im Mai überschattet. Die saudischen Behörden hatten mehr als ein Dutzend Frauenrechtsaktivisten festgenommen. Mindestens neun von ihnen sind noch immer in Haft. Ihnen wird vorgeworfen, mit «feindlichen» ausländischen Mächten in Kontakt gestanden zu haben. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einer «Razzia gegen abweichende Meinungen».

Das harte Vorgehen gegen Aktivisten wird als Warnung der autokratischen Führung gesehen, dass sie das Ausmaß der Reformen selbst bestimmen will. Das «Project on Middle East Democracy» schrieb, die Festnahmen seien ein bedrohliches Zeichen, dass Saudi-Arabien die Zivilgesellschaft auslöschen wolle.



Thema des Tages

Ifo: US-Zölle könnten deutsche Auto-Exporte fast halbieren

München (dpa) - US-Präsident Donald Trump könnte laut dem Münchner ifo-Institut die deutschen Autobauer durch Sonderzölle auf Autos empfindlich treffen. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Sechs Tote bei Schießerei in Fabrik bei Chicago
  • Präsidentenwahl in Nigeria in letzter Minute verschoben
  • Die neun wichtigsten Köpfe der Sicherheitskonferenz
  • Computer

    5G: Eilantrag von Vodafone könnte Frequenzauktion verzögern

    Köln (dpa) - Der Widerstand gegen Mobilfunk-Ausbauregeln der Bundesnetzagentur verstärkt sich. Nach Telefónica reichte mit Vodafone ein weiterer Netzbetreiber Antrag auf Eilrechtsschutz beim Kölner Verwaltungsgericht ein, wie ein Behördensprecher sagte. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • IT-Verband gegen Smartphone-Verbot für Kinder unter 14
  • Facebook droht Milliarden-Datenschutzstrafe in den USA
  • Deutschland will bei Künstliche Intelligenz aufholen


  • Wissenschaft

    Zecken breiten sich aus: Höchststand bei Hirnentzündung FSME

    Berlin (dpa) - In Deutschland sind 2018 überdurchschnittlich viele Menschen an der von Zecken übertragenen Hirnentzündung FSME erkrankt. Zudem gab es bei den Risikogebieten einen Sprung nach Norden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • In die Fotofalle getappt: Seltener schwarzer Leopard gefilmt
  • Nasa gibt Mars-Rover «Opportunity» auf
  • Neue Schildkrötenart steht kurz vor Ausrottung
  • Börse
    DAX
    Chart
    DAX 11.337,50 +2,23%
    TecDAX 2.593,00 +1,13%
    EUR/USD 1,1293 -0,02%

    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation