Thema des Tages
07.12.2017

Internationale Medien warnen vor Gewaltspirale

Washington (dpa) - Internationale Medien warnen nach dem historischen Alleingang von Donald Trump und der Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt vor einer neuen Spirale der Gewalt.

Der US-Präsident gebe dem Dschihad Nahrung und lege «ein Streichholz an die Lunte des Pulverfasses», schrieb die belgische Zeitung «De Tijd» am Donnerstag. Nach dem «brutalen Bruch» von internationalem Konsens dürfe Washington nicht erschrecken, wenn das Fass auch explodiere.

Das dänische Blatt «Politiken» kommentierte, Trumps Entscheidung fehle «Verstand und Logik» - der US-Präsident trage erneut «zu einer instabileren Welt bei». Die schwedische Zeitung «Aftonbladet» mutmaßte, «im schlimmsten Fall» könne Trumps Ankündigung zu mehr Gewalt führen. In jedem Fall sei klar, «dass die kleine Hoffnung auf Frieden, die es dort noch gab, nun noch schwächer ist».

Aus Sicht der italienischen Tageszeitung «Corriere della Sera» droht ein «möglicherweise explosives Nachspiel». «Es ist neben den wütenden Reaktionen der islamischen Welt die eklatante Welle der Kritik der internationalen Gemeinschaft, die die erhebliche Schwere der Entscheidung deutlich macht.»

Die spanische Zeitung «El Mundo» schrieb, Trump drohe mit seiner Ankündigung «die fragile Situation im Nahen Osten weiter zu verschlechtern und jede Möglichkeit einer Wiederaufnahme des israelisch-palästinensischen Friedensprozesses zu verhindern».

Der US-Präsident stelle mit seinem Schritt nicht zum ersten Mal «inländische Unterstützung über die Außenpolitik», kommentierte die Londoner «Times». «Auch wenn es bedeutet, wertvolle Verbündete in einen Alarmzustand zu versetzen.» Trump zerreiße mit seinem Vorgehen «ein zerlesenes Kapitel im Handbuch der amerikanischen Außenpolitik».

Die «Neue Zürcher Zeitung» bewertete die Lage ähnlich: «So schön Trump sein explosives Weihnachtsgeschenk zu verpacken versuchte, diese historische Wende in der amerikanischen Außenpolitik ist nicht nur für die gesamte muslimische Welt schmerzhaft, sondern entfremdet auch die europäischen Partner weiter von Washington.»

«Washington Post»-Kolumnist Dana Milbank schrieb, dass der US-Präsident sich einer Möglichkeit beraubt habe, positiven Einfluss zu nehmen. «Trump hätte die Verlegung als einen Hebel für den Frieden nutzen können. Stattdessen hat er sie benutzt, um in der Region Geschirr zu zerschlagen.»

Die liberale «New York Times» befand mit amerikanischem Blickwinkel, Trump verteile einseitig Geschenke. Es habe noch nie einen US-Präsidenten gesehen, der «so viel an so viele für so wenig aufgegeben hat», schrieb Kommentator Thomas Friedman. Trump habe die von der israelischen Regierung heiß ersehnte Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt einfach so verschenkt. Sowohl in China - im Bezug auf Trumps Handelspolitik - als auch in Israel sei Weihnachten dieses Jahr früher als sonst. «Die Chinesen und die Juden flüstern beide ihren Kindern zu: «Es gibt wirklich einen Weihnachtsmann.» Und sein Name ist Donald Trump.»

Für das konservative «Wall Street Journal» hingegen ist der Schritt weniger radikal, als Kritiker behaupten. Ein solcher Schritt sei schon in der Vergangenheit versprochen worden - nur hätten frühere US-Präsidenten immer wieder Rückzieher gemacht. Trump hingegen habe sein Wahlkampfversprechen gehalten. «Mr. Trump hat seine Entscheidung am Montag eine «Anerkennung der Realität» genannt, und er hat recht.»

Trumps Politik sei zumindest der Versuch, um Fortschritte im Friedensprozess zu erreichen, befand das «Wall Street Journal»: «Führende Persönlichkeiten in der arabischen Welt haben die Verlegung der Botschaft verurteilt, aber wir fragen uns, wie lange die Wut andauern wird. Die sunnitischen Araber müssten sich auch mit den Bedrohungen des islamistischen Terrors und iranischen Imperialismus auseinandersetzen, und die Palästinenser sind ein Anliegen dritter Ordnung.»

Die regierungsnahe Budapester Tageszeitung «Magyar Idök» versucht, die Rationalität hinter Trumps Entscheidung zu erkennen. «Der US-Präsident steht bedingungslos an der Seite Israels, ist zumindest kein Heuchler, behauptet nicht, wie sehr er mit den Palästinensern mitempfindet - er empfindet für sie gar nichts -, spielt nicht den Unparteiischen - er ist keiner - und er tut auch nicht so, als wäre er der Weihnachtsmann.» Friede in Nahost sei nicht möglich, denn selbst in den Grundfragen gebe es keine Lösung. «Die Lösung ist, dass es keine Lösung geben wird.»



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    Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation