Computer und Co.
07.08.2012

Erste Gebote bei Kodak-Patentauktion noch niedrig

Der Schriftzug des amerikanischen Fotopioniers Kodak. Foto: Maurizu Antin/Archiv

New York (dpa) - Bei der für Kodak überlebenswichtigen Patentauktion sind Apple und Google laut einem Zeitungsbericht nur mit niedrigen Geboten ins Rennen gegangen.

Die ersten Preisvorschläge lägen bei 150 bis 250 Millionen Dollar, schrieb das «Wall Street Journal» am Dienstag unter Berufung auf informierte Personen. Kodak hatte den Wert des Pakets aus rund 1100 Patenten zuvor auf bis zu 2,6 Milliarden Dollar geschätzt. Der insolvente Fotopionier braucht das Geld dringend für einen Neustart und muss auch noch die Gläubiger auszahlen.

Die Bieter glaubten entgegen den Vorstellungen von Kodak, am Ende kaum mehr als 600 Millionen Dollar bezahlen zu müssen, hieß es im «Wall Street Journal». Solche Äußerungen könnten aber auch zur Auktionstaktik gehören. Apple und Google stehen in dem erbitterten Patentkrieg der Mobilfunk-Branche auf unterschiedlichen Seiten, daher wird allgemein mit einem heftigen Bieterwettstreit gerechnet. Nach bisherigen Medienberichten führt Google in der am Mittwoch beginnenden Auktion eine Koalition des Android-Lagers mit Samsung, HTC und LG Electronics an. Apple habe sich mit Microsoft zusammengetan.

Im vergangenen Jahr hatten sich Apple und Microsoft in einer Versteigerung die Patente des insolventen Netzwerk-Ausrüsters Nortel für 4,5 Milliarden Dollar gesichert. Den Anfang in der Auktion hatte Google mit einem Startgebot von 900 Millionen Dollar gemacht. Kodak hofft, dass sie sich dieses Mal ähnliche gegenseitig hochschaukeln werden. Allerdings bekam das Paket jüngst einen Kratzer ab: Die US-Handelsbehörde ITC betrachtete eines der zentralen Patente - bei dem es um die Anzeige von Vorschaubildern geht - angesichts vorheriger Erfindungen als ungültig.

Die 1100 Kodak-Patente sind für die Auktion nach vorherigen Berichten in zwei Gruppen aufgeteilt worden. Bei den einen geht es um Aufnahme und Bearbeitung von Bildern. Bei der anderen vor allem um das Speichern und Auswerten. Offizielle Angaben zur Versteigerung gibt es kaum, weil das Insolvenzgericht eine Auktion hinter verschlossenen Türen gebilligt hat.

Kodak hatte Ende des 19. Jahrhunderts den Fotofilm erfunden und auch die Anfänge der digitalen Fotografie mitgeprägt. Daher könnten die 1100 Patente sehr wertvoll für laufende Patentverfahren sein - alle Smartphones sind inzwischen auch Fotoapparate. Kurz vor der Insolvenz verklagte Kodak auch noch quer durch die Bank so gut wie alle wichtigen Unternehmen der Handy-Branche mit dem Vorwurf von Patentverletzungen.

Kodak war als Marktführer in der klassischen Fotografie nicht mit dem Wechsel zu digitalen Bildern klargekommen. Der US-Konzern versucht seit geraumer Zeit, sich als Druckerspezialist neu zu erfinden - die hohen Verluste zwangen Kodak jedoch in die Insolvenz, bevor der Wandel abgeschlossen werden konnte.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation