Thema des Tages
02.08.2012

Griechenland verhandelt wieder mit Geldgebern

Athen (dpa) - Die Geldgeber prüfen in Athen, wie ernst die neuen Sparbeschlüsse der neuen Regierungen gemeint sind. Für Griechenland wird es eng. Die Staatskassen sind fast leer. Der Reformstau ist groß.

Unmittelbar nach der Einigung über das Sparpaket nahm die griechische Regierung die Verhandlungen mit den Geldgebern auf. Finanzminister Ioannis Stournaras traf am Donnerstag die Experten der Troika von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Athen, um sich über die Details des Sparprogramms von 11,5 Milliarden Euro zu verständigen. «Wir hatten ein exzellentes Treffen», sagte der Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), Poul Thomsen, vor Journalisten, ohne Einzelheiten zu nennen. Brüssel lobte die griechischen Sparbeschlüsse.

Sie seien «ein klares Zeichen für den Willen der griechischen Regierung, die dringend nötige Reform der griechischen Wirtschaft herbeizuführen», teilte die EU-Kommission mit. Die Eckpunkte für Strukturreformen seien ein wichtiger Beitrag zum Umbau des Landes, zu dem sich Griechenland in Vereinbarungen mit seinen Geldgebern verpflichtet habe. «Wir erwarten nun die entschlossene Umsetzung aller Reformzusagen Griechenlands», mahnte die EU-Kommission.

Allerdings wurden noch keine Details der Sparbeschlüsse veröffentlicht. Die bislang durchgesickerten Eckpunkte des neuen Sparpakets sehen weitere Kürzungen und Deckelungen von Renten sowie kräftige Einkommenseinschnitte für Beschäftigte staatlicher Unternehmen vor.

Der erfolgreiche Abschluss der Verhandlungen mit den Troika-Experten ist Voraussetzung für weitere internationale Hilfen an das pleitebedrohte Euroland. Die linke Opposition kritisierte das neue Sparprogramm. Es führe direkt zum Zusammenbruch der griechischen Wirtschaft und zur Drachme zurück.

Die Koalitionsregierung in Athen hatte sich am Vorabend auf das neue Sparprogramm geeinigt. Seit Wochen hatten die Parteispitzen über die von den Geldgebern Griechenlands geforderten zusätzlichen Einsparungen gestritten. Von diesem Sparprogramm und weiteren Reformen hängt ab, wie der Bericht der Troika ausfällt. Die Experten der Geldgeber prüfen derzeit in Athen die Bücher. Ihr Bericht soll im September vorliegen.

Wie die Nachrichtenagentur dpa aus Kreisen des konservativen Regierungschefs Antonis Samaras erfuhr, gelang die Einigung der Koalitionsspitzen erst nach einer äußerst turbulenten Sitzung. Samaras habe die Chefs der Sozialisten und der Demokratischen Linken mit den Worten unter Druck gesetzt: «Es ist die letzte Chance. Leiten wir keine zusätzlichen Sparmaßnahmen ein, werden wir aus dem Euroland scheiden». Die Staatskassen seien fast leer, spätestens im September gehe das Geld aus.

Die Sozialisten und die Demokratische Linke befürchten neue Massendemonstrationen und soziale Unruhen, wenn weitere harte Einschnitte bei den Löhnen und Renten erfolgen. Auch der Präsident des Europäischen Rates, Herman Van Rompuy, sei bei den Verhandlungen telefonisch eingeschaltet worden.

Die Geldgeber blockieren die Auszahlung von Teilzahlungen zugesagter Hilfsgelder, weil Athen mit seinen Sparverpflichtungen und Reformschritten in Rückstand ist. «Jetzt kommt die (neue) Rechnung», kommentierte am Donnerstag die Athener Zeitung der politischen Mitte «Ta Nea» die neuen Verhandlungen. «Renten, Löhne und das Sozialsystem wieder im Visier der Experten», laute die Hiobsbotschaft für den kleinen Mann.

Der Präsident der linken Opposition, Alexis Tsipras, kritisierte das neue Sparprogramm schärfstens. Die Athener «Drachme-Troika» (die Regierung der Konservativen, Sozialisten und der Demokratischen Linken) führe das Land «zur Auflösung», schimpfte Tsipras im Fernsehen. Zuvor hatte er sich mit der Führung der Gewerkschaft der Staatsbediensteten getroffen.



Thema des Tages

Drama pur im Bundesliga-Abstiegskampf

Düsseldorf (dpa) - Showdown im Bundesliga-Keller, Hoffnungen auf den Euro-Segen im internationalen Geschäft. Augsburg, Düsseldorf und Hoffenheim kämpfen am letzten Spieltag im Herzschlagfinale gegen den Abstieg, Schalke im Duell mit Freiburg um das Champions-League-Ticket. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Der 34. Bundesliga-Spieltag im Telegramm
  • Rechenaufgaben: Bundesliga-Trio kämpft um die Rettung
  • Die Sprüche der 50. Bundesliga-Saison
  • Computer

    Hacker schlugen jetzt auch bei «Financial Times» zu

    London/Berlin (dpa) - Die «Financial Times» ist am Freitag zur nächsten großen Medienorganisation geworden, deren Twitter-Profile von angeblichen syrischen Hackern erfolgreich angegriffen wurden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Panne bei Software für Kommunen: Kinderdaten im Internet
  • Bitkom: Rückgaberecht bei App-Käufen «realitätsfern»
  • Apple-Chef beklagt sich über Steuern


  • Wissenschaft

    Studie: Alkohol in der Pubertät beeinflusst späteren Alkoholkonsum

    Mannheim (dpa) - Die Pubertät ist eine schwierige Phase. Davon können Eltern ein Lied singen. Sie scheint auch entscheidend für den Umgang mit Alkohol im weiteren Leben. Das haben Mannheimer Forscher herausgefunden. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • «Bio-Waffe»: Asiatische Verwandte verdrängen heimische Marienkäfer
  • Fragen & Antworten: Rückt der Klon-Mensch näher?
  • Nasa meldet schwere Probleme mit Weltraumteleskop «Kepler»
  • Börse