Thema des Tages
02.08.2012

Standard & Poor's gibt Deutschland erstklassige Noten

Deutschland hat die Wiedervereinigung verkraftet, also wird es auch andere Krisen verwinden, meint die Ratingagentur Standard & Poor's. Foto: Ian Langsdon

Frankfurt/Main (dpa) - Zuletzt gab es einen ersten Warnschuss: Die Ratingagentur Moody's hatte in der Euro-Schuldenkrise nun auch Deutschland ins Visier genommen. Für Erleichterung sorgt nun die Einschätzung des Moody's-Konkurrenten Standard & Poor's.

Die führende Ratingagentur stärkt Deutschland in der Schuldenkrise den Rücken. Sie bestätigte am Donnerstag die erstklassige Bewertung der Kreditwürdigkeit «AAA». «Unserer Meinung nach hat Deutschland eine breit aufgestellte und wettbewerbsfähige Wirtschaft, die die Fähigkeit bewiesen hat, schwere wirtschaftliche und finanzielle Schocks zu verkraften», begründete S&P seine Haltung. Das Land habe sowohl die Wiedervereinigung gestemmt als auch die Rezession 2009 gemeistert.

Die andere große US-Ratingagentur Moody's hatte dagegen die Bewertung der deutschen Bonität auf den Prüfstand gestellt und den Ausblick für die Bundesrepublik auf «negativ» gesetzt. In den nächsten Monaten wird der S&P-Konkurrent aufgrund der weiteren Entwicklung entscheiden, ob er Deutschland die Spitzenbonität aberkennen soll - wegen der unsicheren Aussichten in der Schuldenkrise.

S&P beschäftigte sich auch mit den Euro-Sorgenkinder Portugal und Zypern. Für Portugal bestätigte die Agentur die Bonitätsnote «BB». Die Bewertung liegt somit weiterhin zwei Stufen unter dem sogenannten Ramschniveau. Der Ausblick bleibe «negativ». Allerdings bescheinigte S&P dem Land, in den vergangenen zwölf Monaten bedeutsame wirtschaftliche Reformen umgesetzt zu haben. Mit Blick auf Zypern senkte S&P die Kreditwürdigkeit von zuvor «BB+» um eine Stufe auf «BB». Die Anleihen gelten damit ebenfalls als hochspekulativ.

Die Warnschüsse von Moody's hatten sich auch gegen deutsche Bundesländer gerichtet, mehrere Banken und Staatsunternehmen sowie den Eurorettungsfonds EFSF, der bislang ebenfalls eine Spitzennote hält. EU-Justizkommissarin Viviane Reding kritisierte daraufhin: «Es ist doch interessant, dass immer dann, wenn sich die haushaltspolitische Lage in den USA verschlechtert, bestimmte Rating-Agenturen Europa ins Rampenlicht rücken.» Der Markt wird von den drei großen Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch dominiert.

Standard & Poor's dagegen hält am «stabilen» Ausblick für Deutschland fest. Das bedeutet: Es besteht hier derzeit keine Gefahr einer Abstufung der Kreditwürdigkeit.

Ein gutes Rating ist am Kapitalmarkt wichtig. Je besser die Note, desto niedriger sind in der Regel die Zinsen, die ein Schuldner zahlen muss. Deutschland gilt als sicherer Hafen in der Eurozone und kann sich zu entsprechend günstigen Konditionen Geld leihen. Jüngst war es Deutschland sogar gelungen, Staatsanleihen mit negativer Rendite unter die Investoren zu bringen. Im Klartext: Das Land zahlt weniger zurück als es sich geliehen hat. Im Gegensatz zu heftigen Marktturbulenzen nach früheren Rückstufungen von Euro-Krisenländern hatte der Moody's-Warnschuss keinen Effekt für deutsche Anleihen.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation