Thema des Tages
20.07.2012

Amoklauf im Kino: Zwölf Tote bei «Batman»-Premiere

Ein Krankenwagen hält vor dem Kino. Foto: Bob Pearson.

Washington/Denver (dpa) - Ein schwer bewaffneter Amokläufer hat bei einer nächtlichen Batman-Filmpremiere in einem Kino bei Denver 12 Menschen erschossen und 59 verletzt.

James Holmes trug kugelsichere schwarze Kleidung, Handschuhe und eine Gasmaske wie der Bösewicht Bane in dem Actionfilm «The Dark Knight Rises». Die Menschen versuchten in Panik, aus dem Kino herauszukommen. Über das Motiv des 24 Jahre alten Schützen, der nach dem Blutbad in der Stadt Aurora festgenommen wurde, herrschte Rätselraten. US-Präsident Barack Obama äußerte Entsetzen. Das Verbrechen löste eine Debatte über die Waffengesetze in den USA aus.

Der junge Mann hatte den Kinosaal im US-Bundesstaat Colerado kurz nach Filmbeginn betreten und wild um sich geschossen, wie Augenzeugen erzählten. Zuvor habe er Tränengas in den Saal gesprüht. Unter den Zuschauern herrschte Chaos. Die Polizei schloss Terrorismus als Motiv aus und geht davon aus, dass der Täter allein handelte.

Bei der Festnahme auf einem Parkplatz hinter dem Kinokomplex habe er vier Schusswaffen bei sich getragen. Der Mann habe keinen Widerstand geleistet. Der 24-Jährige hatte nach Angaben der Polizei keine Vorstrafen. Er sollte am Montag einem Gericht vorgeführt werden.

Der Vorfall geschah zwei Tage vor dem ersten Jahrestag des Massakers von Utøya in Norwegen und außerdem nicht weit entfernt vom Schauplatz des Amoklaufs an der Columbine High School im Jahr 1999. Dort hatten zwei Teenager 13 Menschen getötet und 23 weitere verletzt, bevor sie sich selbst erschossen.

New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg rief Obama und dessen republikanischen Herausforderer bei der Präsidentenwahl, Mitt Romney, dazu auf, für eine Verschärfung der Waffengesetze zu sorgen. Bloomberg ordnete nach CNN-Angaben zudem Sicherheitsvorkehrungen bei Batman-Vorführungen in seiner Stadt an. Das Filmteam selbst sagte geplante Werbeauftritte in Paris ab.

Videoaufnahmen von Zuschauern zeigten schreckliche Szenen: Menschen schrien und drängten zu den Ausgängen, einige waren blutüberströmt. Nach Angaben von Augenzeugen trat der Täter etwa eine Viertelstunde nach Beginn des Films durch einen Notausgang in den Kinosaal Nummer 9.

«Der Typ kam über die Treppe und schoss sofort um sich», berichtete ein junger Mann CNN. Einige Kugeln durchschlugen die Wand zum Kinosaal nebenan. Viele der zumeist jungen Premierengäste dachten zunächst, die Schüsse gehörten zum Film. «Ich habe zunächst überhaupt nicht begriffen, was los ist.»

Viele der Verletzten hatten Schusswunden, einige erlitten Rauchvergiftungen, wie KUSA berichtete. Unter den Verletzten seien mehrere Kinder. Auch ein drei Monate altes Baby wurde in einem Krankenhaus behandelt, hieß es weiter. Der lokale Polizeichef Dan Oates schilderte, zehn der Opfer seien im Kino gestorben, die zwei weiteren im Krankenhaus.

Nach der Tat wurde zunächst das Auto des Täters auf Sprengstoff untersucht, später auch seine Wohnung. Vorsichtshalber wurden dabei umliegende Appartements evakuiert. Oates sagte vor der Presse, Holmes habe in seiner Wohnung zahlreiche Sprengfallen errichtet. Es werde Tage dauern, bis diese entfernt seien.

Einem Bericht des Senders NBC zufolge soll Holmes in Aurora Neurowissenschaften studiert haben. Er sei aber dabei gewesen, sein Studium aufzugeben.

Obama legte bei seinem Auftritt in Florida zusammen mit seinen Zuhörern eine Schweigeminute ein. Er sprach von einer herzzerreißenden Tragödie und einem «sinnlosen Akt der Gewalt». Die Opfer hätten Träume gehabt, «die jetzt nicht mehr erfüllt werden können». Er ordnete an, die Flaggen an allen Bundesgebäuden auf halbmast zu setzen.

Zuvor hatte Obama in einer schriftlichen Erklärung versichert, seine Regierung werde alles tun, um den Opfern und den Betroffenen zu helfen. Der Täter werde zur Rechenschaft gezogen. Obama brach seine Wahlkampftour in Florida ab, um nach Washington zurückzukehren. Auch Romney äußerte in einer Erklärung Entsetzen und Anteilnahme.



Thema des Tages

150 Jahre: SPD feiert sich

Leipzig (dpa) - Die Umfragen sind schlecht, die Aussichten auf eine Rückkehr an die Macht im September mau. Doch das zählt für die SPD heute nicht. Einen Tag lang feiern sich Deutschlands Sozialdemokraten selbst - und ihre 150-jährige Geschichte. Selbst die CDU zollt Beifall. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Merkel würdigt SPD als «unbeugsame Stimme der Demokratie»
  • Chronologie: 150 Jahre Sozialdemokratie
  • David Kross: SPD kann auch für junge Leute attraktiv sein
  • Computer

    Bericht: Microsoft will alte Spiele nicht auf Xbox One anpassen

    Berlin (dpa) - Die neue Xbox One kann mit ihrem neuen Prozessor keine alten Spiele abspielen. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Twitter sorgt nach Hacker-Attacken für mehr Sicherheit
  • Linux macht sich in «eingebetteten Systemen» breit
  • Neue Microsoft Xbox One tritt als Entertainment-Maschine auf


  • Wissenschaft

    Winziger Frosch gehört zu «zehn skurrilsten Entdeckungen» von 2012

    Tempe/New York (dpa) - Ein nur sieben Millimeter großer Frosch ist jetzt das kleinste bekannte Wirbeltier der Welt. Damit hat es der Winzling auf neue Liste der zehn skurrilsten Entdeckungen des Jahres 2012 geschafft. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Neue Spinnentier-Arten in Brasilien entdeckt
  • Zahn zeigt Stillgewohnheiten der Neandertaler
  • Pilz auf unserer Haut: Mikroben lieben Füße
  • Börse
    DAX
    DAX 8.303,00 -2,67%
    TecDAX 951,75 -2,46%
    EUR/USD 1,2885 +0,25%

    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation