Thema des Tages
23.06.2012

Analyse: Salpingidis hat «jeden Moment genossen»

Von Heinz Büse und Carsten Lappe, dpa

Danzig (dpa) - Am Ende aller Träume genossen die Verlierer den Applaus der Fans. Trotz des deutlichen 2:4 (0:1) gegen Deutschland verharrten die griechischen Nationalspieler minutenlang auf dem Rasen der Danziger EM-Arena.

Der Blick auf den jubelnden und dankbaren Anhang tröstete über das Aus im EM-Viertelfinale hinweg. «Es war sehr schön hier in Polen. Wir haben jeden Moment genossen», kommentierte Angreifer Dimitrios Salpingidis.

Alle Hoffnungen auf einen neuerlichen EM-Coup erwiesen sich als Wunschdenken. Nur beim stürmisch bejubelten zwischenzeitlichen Ausgleich durch Georgios Samaras (55.) wurden Erinnerungen an den EM-Triumph acht Jahre zuvor in Portugal wach. Doch spätestens mit der 2:1-Führung der Deutschen durch Sami Khedira (61.) brachen alle Dämme. Gegen das schnelle Passspiel der DFB-Elf geriet die zuvor hochgelobte griechische Defensive mehr und mehr ins Wanken.

«Das zweite Gegentor hat uns das Genick gebrochen», bekannte Trainer Fernando Santos, sprach seinen Profis aber im nächsten Atemzug Komplimente aus: «Ich möchte meiner Mannschaft für die Leistung heute und im gesamten Turnier gratulieren.»

Ähnlich positiv fiel das Fazit in den griechischen Medien aus. «Wir sind stolz auf euch - Ihr habt uns eine wunderbare Reise geschenkt. Danke!», kommentierte «SportDay». Ähnlich wohlwollend urteilte «LiveSport» und verwies auf den Klassenunterschied zwischen beiden Teams: «Das Monster war nicht zu bezähmen. Löws Mannschaft spielt auf einer anderen Ebene. Sie ist der große Favorit.»

Kaum war das Aus besiegelt, ging der Blick nach vorn. Nächstes Ziel ist die Fußball-WM in Brasilien. Die Fluktuation innerhalb des Teams wird sich in Grenzen halten. Gut möglich, dass Trainer Santos künftig auf alternde Stars wie die ehemaligen Bundesliga-Profis Theofanis Gekas und Nikolaos Lymperopoulos und die drei Europameister von 2004 Konstantinos Chalkias, Georgios Karagounis und Konstantinos Katsouranis verzichtet.

«Diese Mannschaft hat eine Zukunft», befand der Bremer Innenverteidiger Sokratis. «Wir sind eines der acht besten Teams in Europa. Das ist ein Riesenerfolg, wenn man bedenkt, dass die Niederlande es nicht ins Viertelfinale geschafft hat.»

Anders als in Holland wird es in Griechenland keine Trainerdiskussion geben. Bereits vor dem Start in die EM-Vorbereitung hatte Santos seinen Vertrag bis 2014 verlängert. Dem Vernehmen nach wurde das Gehalt des Trainers nach dem überraschenden Einzug in das Viertelfinale angehoben. Die Griechen wissen die Arbeit des Portugiesen zu schätzen: Schließlich gingen seit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren erst drei Länderspiele verloren. «Was ich mitnehme aus dem Turnier ist die Lust, die Leidenschaft, die die Mannschaft in allen Spielen gezeigt hat», sagte Santos.



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