Thema des Tages
23.06.2012

Analyse: Löws Bankkapital bringt Gewinn

Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa

Marco Reus (unten) und Mesut Özil bejubeln das 4:1. Foto: Marcus Brandt

Danzig (dpa) - «Frech wie immer» sollte er spielen, hatte Joachim Löw dem Noch-Gladbacher Marco Reus mit auf den Weg gegeben. «Und dass ich mir was zutrauen soll», berichtete der 23-jährige Offensivspieler nach seinem Turnierdebüt von Löws Einweisung.

Reus hielt sich daran, kombinierte, sprintete, erarbeitete sich haufenweise Torchancen und traf schließlich mit seiner letzten fulminant beim 4:2-Sieg im EM-Viertelfinale gegen die Griechen. Die Freude war groß - nur sein geplanter Freudentanz fiel aus. «Ich hatte einen Krampf und konnte nicht richtig jubeln», erzählte Reus nach seinem sehenswerten Tor.

Mit Jérome Boateng wollte er «eigentlich etwas machen», falls es bei seinem ersten Einsatz bei der Fußball-Europameisterschaft gleich klappen würde mit einem Treffer. «Jérome hat erzählt: In der Schule sind die Leute auf den Tisch gesprungen und haben den Surfer gemacht. Das wollten wir nachmachen. Das hat nicht so richtig geklappt», erklärte Löws Joker, den er neben Miroslav Klose und André Schürrle gegen das griechische Abwehrbollwerk aus dem Ärmel gezogen hatte. «Marco kommt rein - und spielt überragend. Das ist sehr wichtig», lobte Klose.

Am «Tag der Veränderungen» (Löw) durften sich besonders der Routinier Klose und der Frischling Reus auch als persönliche Sieger fühlen. «Der Plan war mir schon länger im Kopf herumgegeistert», verriet der Bundestrainer. «Ich musste frischen Wind bringen, andere Spielertypen, die die Laufwege machen aus dem Mittelfeld in die Tiefe. Es ist gut aufgegangen», sagte der DFB-Chefcoach: «Marco Reus hat sehr gut gespielt, André Schürrle ebenso. Miroslav Klose macht ein Tor wie Reus. Das war irgendwie auch der Schlüssel zum Sieg.»

Lange hatte Reus wie die anderen Jungstars Mario Götze und Schürrle warten müssen, wie Rennpferde in der Startbox haben sie sich gefühlt. «Ich habe diesen Tag herbeigesehnt», betonte Reus, der ab dem EM-Finaltag offiziell als Profi von Borussia Dortmund geführt wird. Für 17 Millionen Euro Ablöse hat sich der Meister bis 2017 die Dienste des Jungstars gesichert, dem eine glänzende Zukunft vorausgesagt wird. Gegen die Griechen war Reus noch nicht ganz mit sich zufrieden: «Ich habe schon zwei, drei Chancen in der ersten Halbzeit gehabt, da wollte ich es eigentlich anders machen.»

Reus und Schürrle drängten nicht irgendwen aus der Startelf, sondern den WM-Torschützenkönig Thomas Müller und den ewigen «Deutschland-Poldi» Lukas Podolski. «Unsere Bank ist sehr, sehr stark, das zeichnet uns aus. Wer da alles reinkommen kann, das ist schon sagenhaft», meinte Klose, der selbst vom dreifachen Turnier-Torschützen Mario Gomez den Platz im Angriffszentrum wieder übernahm. «Ich denke, dass wir vorn schon die eine oder andere Szene hatten, so wie der Trainer und wir uns das vorstellen. Das sah schon sehr nach Fußball aus», meinte Klose. Der nun 64-malige Torschütze selbst und Reus hatten einen besonders großen Anteil daran.



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