Thema des Tages
18.06.2012

Wahlsieger in Griechenland drücken aufs Tempo

Der Chef der Nea Dimokratia, Samaras (r), begrüßt den Chef des radikalen Linksbündnisses, Alexis Tsirpa, zu Sondierungsgesprächen. Foto: Alexandros Vlachos

Athen (dpa) - Nach dem Sieg der Euro-Befürworter bei der Parlamentswahl in Griechenland gibt es Hoffnung auf eine rasche Regierungsbildung.

Angesichts der schwersten Wirtschafts- und Finanzkrise in der Geschichte des Landes erklärten sich die Sozialisten grundsätzlich bereit, mit der konservativen Nea Dimokratia eine Koalition zu bilden. «Das Land muss bis morgen Abend eine Regierung haben», sagte der Parteichef der Sozialisten, Evangelos Venizelos, am Montag in Athen.

Beide Parteien wollen den Sparpakt mit den Geldgebern fortsetzen, erwarten aber Lockerungen. Konservative und Sozialisten haben eine Mehrheit von 162 der 300 Sitze im Parlament.

Der Ausgang der Schicksalswahl sorgte in Griechenland, bei den Regierungen in Europa sowie den Börsen für Erleichterung. Nach den Worten von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist die Europäische Union bereit, Griechenland dabei zu helfen, wieder auf die Füße zu kommen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wertete das Ergebnis als gute Nachricht für den Euro, die Eurozone und Europa. Allerdings stellte Merkel klar, dass es keine Abstriche am Reformprogramm in Griechenland geben dürfe. Auch eine neue Regierung müsse die eingegangenen Verpflichtungen einhalten, sagte Merkel vor Beginn des G20-Gipfels in Mexiko. Natürlich könne über zusätzliche Wachstumsimpulse geredet werden. «Das ändert aber nichts an den Rahmenbedingungen.» Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sagte in Washington: «Es kann keine Abstriche geben.»

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wiederholte nicht mehr seine Aussage vom Vorabend, dass sich die Bundesregierung eventuell mit einer Verlängerung der Fristen für die Sparmaßnahmen einverstanden erklären könne. Gleichwohl sagte er: «Die Wahlkämpfe in Griechenland haben Zeit gekostet, wertvolle Zeit.»

Das hoch verschuldete Griechenland kann noch im Juni mit der Auszahlung einer weiteren Milliarde Euro an internationalen Hilfsgeldern rechnen. Das verlautete aus EU-Kreisen in Brüssel. Diese Notkredite aus dem zweiten Hilfspaket für Athen waren bereits Anfang Mai in Aussicht gestellt worden.

Die Griechen hatten bei der Richtungswahl am Sonntag dafür gestimmt, im Euroland zu bleiben. Stärkste politische Kraft wurde die konservative Traditionspartei Nea Dimokratia mit 129 der 300 Sitze. Ihr Parteichef Antonis Samaras sicherte zu, dass seine Partei das mit den internationalen Geldgebern ausgehandelte Sparprogramm grundsätzlich umsetzen wolle. «Das griechische Volk will unsere europäische Politik. Wir halten das Versprochene ein.» Aber Samaras will das bisherige Sparprogramm abmildern - vor dem Hintergrund der «quälenden Realität der Arbeitslosigkeit und anderer unglaublich schlimmer Schwierigkeiten, die jede griechische Familie erlebt».

Wahlsieger Samaras hatte am Montagmorgen von Staatspräsident Karolos Papoulias das Mandat erhalten, Sondierungsgespräche für eine Regierungsbildung zu führen. Umgehend kündigte der Chef des Bündnisses der radikalen Linken (Syriza) an, lieber in die Opposition zu gehen. «Wir werden Gegner bleiben», sagte Alexis Tsipras. Die Radikallinken sind die zweitstärkste Partei im Parlament. Sie wollen den Spar- und Reformkurs auf Eis legen und Entlassungen im öffentlichen Dienst rückgängig machen. Auch die populistische Partei der Unabhängigen Griechen gab Samaras bei der Regierungsbildung einen Korb. «Wir haben uns nicht geeinigt», sagte Parteichef Panos Kammenos. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen die Gespräche der sogenannten Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) in Athen schnell wieder aufgenommen werden. Als Termin ist Anfang Juli im Gespräch. Die Troika-Mission müsse rasch einen Bericht über die Lage in Griechenland vorlegen, sagte Merkel. «Ich spreche ausdrücklich nicht über ein neues Hilfspaket.»

Auch in Deutschland forderten SPD und Grüne die künftige griechische Regierung auf, zu den bisherigen Zusagen zu stehen. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt lehnte inhaltliche und zeitliche Zugeständnisse der EU für den Sparkurs ab.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir forderte, Griechenland in der «Zeitachse» entgegenzukommen. Linke-Chef Bernd Riexinger ist weiterhin gegen das vereinbarte Sparprogramm: «Die Börsen jubeln, weil die Regierungen in Europa weiter für die Banken aufkommen», sagte er im Nachrichtensender n-tv.



Thema des Tages

150 Jahre: SPD feiert sich

Leipzig (dpa) - Die Umfragen sind schlecht, die Aussichten auf eine Rückkehr an die Macht im September mau. Doch das zählt für die SPD heute nicht. Einen Tag lang feiern sich Deutschlands Sozialdemokraten selbst - und ihre 150-jährige Geschichte. Selbst die CDU zollt Beifall. »weiter
Lesen Sie auch:
  • Merkel würdigt SPD als «unbeugsame Stimme der Demokratie»
  • Festakt zu 150 Jahre Sozialdemokratie begonnen
  • Chronologie: 150 Jahre Sozialdemokratie
  • Computer

    Twitter sorgt nach Hacker-Attacken für mehr Sicherheit

    New York (dpa) - Der Kurzmitteilungsdienst Twitter führt nach einer Welle von Hacker-Angriffen auf Profile einflussreicher Medien zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ein. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Bericht: Microsoft will alte Spiele nicht auf Xbox One anpassen
  • Linux macht sich in «eingebetteten Systemen» breit
  • Neue Microsoft Xbox One tritt als Entertainment-Maschine auf


  • Wissenschaft

    Winziger Frosch gehört zu «zehn skurrilsten Entdeckungen» von 2012

    Tempe/New York (dpa) - Ein nur sieben Millimeter großer Frosch ist jetzt das kleinste bekannte Wirbeltier der Welt. Damit hat es der Winzling auf neue Liste der zehn skurrilsten Entdeckungen des Jahres 2012 geschafft. »weiter
    Lesen Sie auch:
  • Neue Spinnentier-Arten in Brasilien entdeckt
  • Zahn zeigt Stillgewohnheiten der Neandertaler
  • Pilz auf unserer Haut: Mikroben lieben Füße
  • Börse