Thema des Tages
04.06.2012

Euro-Schuldenkrise belastet Märkte weiter

Finanzmarktexperte Robert Halver von der Baader Bank in der Frankfurter Börse. Foto: Frank Rumpenhorst

Frankfurt/Berlin (dpa) - Zur Euro-Schuldenkrise kommen zunehmend Ängste vor einer Eintrübung der Weltwirtschaft. Die internationalen Finanz- und Kapitalmärkte reagierten auch am Montag äußerst nervös. Erstmals seit fünf Monaten rutschte der deutsche Aktien-Leitindex Dax unter 6000 Punkte.

Die ohnehin stark verunsicherten Anleger zeigten sich beunruhigt, dass nach Spanien auch Portugal seine Banken mit Milliarden unterstützen muss.

Um die von den europäischen Banken-Aufsehern geforderte Stärkung des Kernkapitals bis zum 30. Juni erfüllen zu können, gewährt Portugal den drei der vier größten Finanzinstitute Hilfen in Höhe von insgesamt 6,6 Milliarden Euro. Die Mittel dafür sollen aus dem von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) gewährten 78-Milliarden-Hilfspaket kommen.

Finanzminister Vítor Gaspar erklärte, die «Troika» habe inzwischen die Freigabe einer neuen Milliarden-Tranche gewährt. Vor Portugal waren auch im Nachbarland Spanien staatliche Rettungsaktionen für Banken angekündigt worden.

«Zu den Sorgen um die Euro-Zone - im Besonderen Spanien und sein angeschlagener Bankensektor - kommen nun auch zunehmend Sorgen um das Weltwirtschaftswachstum», sagte Händler Markus Huber von ETX Capital. Die US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag waren schwächer als erwartet ausgefallen. In China hat sich das Wachstum im Dienstleistungssektor im Mai weiter verlangsamt.

Die Märkte präsentierten sich auch am Montag weiterhin äußerst nervös: Nach dem Fall unter die 6000-Punkte-Marke direkt nach Handelsbeginn reduzierte der Dax seinen Verlust zunächst und notierte zeitweise wieder über der psychologisch wichtigen Marke. Am Ende schloss er allerdings mit 1,19 Prozent im Minus bei 5978,23 Punkte.

Im Gegensatz zu Deutschland hat sich Frankreich für direkte Hilfen aus dem europäischen Krisenfonds ESM für kriselnde Banken ausgesprochen. «Die Notwendigkeit für eine direkte Rekapitalisierung der Banken über den ESM ist ein grundlegendes Thema, über das Vorschläge auf dem Tisch liegen», sagte Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici am Montag nach seinem Antrittsbesuch bei der EU-Kommission in Brüssel. «Ich hoffe, dass dies auf der Agenda des EU-Gipfels am 28. und 29. Juni eine der Möglichkeiten für die Zukunft sein wird.»

Die Rechtslage verbietet solch direkte Hilfen aus dem ESM an europäische Banken. Bislang können nationale Regierungen nur Hilfen aus dem Rettungsschirm bekommen und diese dann an die Geldhäuser weitergeben. Im Gegenzug müssen die Staaten strenge Auflagen einhalten und Reformen umsetzen wie zum Beispiel das Bankensystem sanieren. Wegen der Bankenkrise in Spanien ist das Thema jüngst in die Debatte gekommen.

Die Bundesregierung sieht trotz der Talfahrt an den Börsen keine Eskalation in der Schuldenkrise. Seit 2008 seien der Euro und die Aktienkurse mehrfach mal rauf und mal runter gegangen, sagte der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Martin Kotthaus, am Montag in Berlin. Es habe regelmäßig wellenförmige Entwicklungen gegeben. «Jetzt warten wir erst einmal ab, was die nächsten Tage und Wochen bringen.»

Der europäische Leitindex EuroStoxx 50 schaffte bis zum Nachmittag die Kehrtwende und endete mit einem Plus von 0,52 Prozent bei 2078,96 Punkten. In Paris schloss der Cac 40 ebenfalls im Plus. In London blieb die Börse zum Wochenstart wegen eines Feiertags geschlossen.

Kräftige Kursverluste musste die Börse in Tokio hinnehmen. Auch andere asiatische Aktienmärkte starteten mit kräftigem Verkaufsdruck in die neue Woche. Die Ölpreise setzten am Montag angesichts der eingetrübten Konjunkturaussichten ihre Talfahrt ebenfalls fort.

Derweil mehren sich auch die Sorgen um den Interbankenmarkt, denn weltweit fahren Institute ihre grenzüberschreitende Kreditvergabe wegen der Schuldenkrise drastisch zurück. Wie der am späten Sonntagabend veröffentlichte Quartalsbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zeigt, haben die Geldhäuser ihre frischen Mittel an Unternehmen, Regierungen und andere Kreditinstitute so stark gekappt wie zuletzt nach dem Lehman-Zusammenbruch 2008. Besonders Banken in der Eurozone sind von der Entwicklung betroffen.



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    Quelle: Deutsche Bank / Realtime Indikation