Thema des Tages
25.05.2012

Bahr: «Wenn mehr mitmachen, müssen weniger warten»

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr mit Organspendeausweis. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin (dpa) - Wegen des großen Mangels an Spenderorganen werden die Krankenkassen künftig im staatlichen Auftrag bei den Bürgern in Deutschland nicht mehr locker lassen.

Auf die regelmäßige Post mit der Frage nach der Spendebereitschaft stimmt Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) anlässlich der Organspende-Reform im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa ein.

Was bedeutet die Reform für Sie?

Bahr: «Persönlich ist es mir seit langem ein Herzensanliegen. Seit zehn Jahren bin ich in einem Verein aktiv, der für Organspende wirbt. Ich habe selbst einen Spenderausweis. Jeder Organspender ist ein Lebensretter.»

Was ist für Sie bei der Entscheidungslösung zentral?

Bahr: «Die Regelung akzeptiert, wenn Menschen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht entscheiden wollen. Aber es wird nicht lockergelassen. Die Menschen werden regelmäßig angeschrieben. Jeder sollte sich mindestens einmal im Leben mit dem Thema beschäftigen.»

Kann so wirklich der dramatische Mangel an Spenderorganen behoben werden?

Bahr: «Wenn mehr mitmachen, müssen weniger warten. Wichtig sind auch die Abläufe in den Krankenhäusern. Die verbessern wir durch die Verpflichtung aller Entnahmekliniken, Transplantationsbeauftragte zu benennen. So wird es flächendeckend Ansprechpartner geben, die den Prozess der Organspende im Krankenhaus koordinieren. Durch die Entscheidungslösung, die eine regelmäßige Information zum Thema Organspende vorsieht, werden sich auf jeden Fall mehr Menschen damit beschäftigen. Und wenn dem eine Erklärung zur Organspende folgt, ist das ein nachhaltiger Schritt.»

Wie nachlässig sind die Krankenhäuser heute bei der Identifizierung der Organspender?

Bahr: «Es gibt regionale Unterschiede. Von Krankenhaus zu Krankenhaus ist die Zahl gemeldeter Spender auch unterschiedlich. Viel zu viele Menschen warten auf ein Organ viel zu lange und oft auch vergeblich. Da kann ich solche Unterschiede nicht akzeptieren.»

Kritik gibt es, weil künftig die Krankenkassen die Erklärung der Versicherten auf die elektronische Gesundheitskarte schreiben dürfen sollen.

Bahr: «Es wird kein Schreibrecht geben. Der Versicherte bleibt Herr seiner Daten. Zugriff auf die sensiblen Gesundheitsdaten haben nur die Versicherten und die Ärzte. Wenn es in einigen Jahren eine Speicherung der Organspende-Erklärung auf der Gesundheitskarte geben kann, ist dies auch nach Meinung von Datenschützern im übrigen sicherer als ein Ausweis im Portemonnaie.»

Reichen die heutigen Änderungen bei der Lebendspende etwa von Nieren aus?

Bahr: «Auch hier sehen wir Verbesserungen vor. Die Lebendspende ist ein altruistisches Verhalten, das keine Nachteile nach sich ziehen darf. Klar geregelt wird, dass der Spender einen Anspruch gegenüber der Versicherung des Organempfängers hat. Das betrifft etwa Krankenbehandlung, Vor- und Nachbetreuung, Rehabilitation. Wir regeln aber auch die Entgeltfortzahlung und Ansprüche gegenüber der Unfallversicherung.»

Linke und Grüne bemängeln, dass die Koalition die umstrittene Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) weitgehend unangetastet lässt, die für die Abwicklung der Organspenden zuständig ist.

Bahr: «Die Stiftungsträger - die Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen - sollen bessere Kontrollrechte bekommen. Der Geschäftsbericht der DSO muss künftig jährlich veröffentlicht werden. Das sind deutliche Änderungen. Wenn es Vorwürfe gibt, muss und kann dem nachgegangen werden.»



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