Thema des Tages
23.05.2012

Nach Lafontaines Rückzieher gerät Bartsch unter Druck

Oskar Lafontaine zieht seine Kandidatur für Linken-Vorsitz zurück. Foto: Becker&Bredel/Archiv

Berlin (dpa) - Nach dem Rückzug von Oskar Lafontaine geht der Führungsstreit bei der Linken in eine neue Runde. Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow legte Lafontaines Widersacher Dietmar Bartsch nahe, nun ebenfalls auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz zu verzichten.

Zugleich mehren sich die Stimmen für eine weibliche Doppelspitze. Bereits an diesem Mittwoch wollen die stellvertretende Parteichefin Katja Kipping und die nordrhein-westfälische Landesvorsitzende Katharina Schwabedissen gemeinsam ihren Hut in den Ring werfen.

Nach Angaben des Bundestagsabgeordneten Thomas Nord möchten die beiden als Führungsduo kandidieren. Prominente Linke-Politiker haben für den Mittag (12.00 Uhr) zu einer Pressekonferenz in Hannover eingeladen, zu der auch Schwabedissen und Kipping erwartet werden. Schwabedissen hat bereits ihr grundsätzliches Interesse an einer Kandidatur signalisiert. Kipping hatte letzte Woche einen neuen Personalvorschlag für den Fall angekündigt, dass es zu keiner einvernehmlichen Lösung zwischen Lafontaine und Bartsch kommen sollte.

Weitere Kandidaten für die neue Doppelspitze sind Bundestags-Fraktionsvize Bartsch und die sächsische Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann. Die sieht ihre Chancen durch den Rückzug Lafontaines nicht geschmälert. «Ich habe meine Kandidatur nicht von Oskar Lafontaine abhängig gemacht», sagte Zimmermann der in Chemnitz erscheinenden «Freien Presse».

Lafontaine hatte am Dienstag seinen Verzicht auf eine Kandidatur für den Parteivorsitz erklärt, nachdem Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi ihm am Montag seine Unterstützung entzogen hatte. Lafontaine hatte sich nur unter der Bedingung zu einer Kandidatur bereiterklärt, dass kein anderer gegen ihn antritt. Vor allem Ost-Linke, die dem pragmatischen Flügel um Bartsch zuzurechnen sind, bezeichneten dieses Verhalten als undemokratisch.

Inzwischen wird der Ruf nach einer weiblichen Doppelspitze lauter. «Zwei Männer haben wir ja schon gehabt», sagte Parteichef Klaus Ernst am Dienstagabend auf einer Regionalkonferenz in Berlin. Es müssten Frauen mit Ausstrahlung auch in die alten Bundesländer sein. Der stellvertretende saarländische Linke-Chef Heinz Bierbaum verlangte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa, Lafontaines Lebensgefährtin, die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht, müsse dabei eine zentrale Rolle spielen.

Auch der Thüringer Fraktionschef Ramelow plädierte für einen sogenannten Dritten Weg. «Ich habe Dietmar Bartsch immer den Rücken frei gehalten», sagte er der «Berliner Zeitung». «Aber wenn es einen besseren gemeinsamen Weg gibt, dann möchte ich darüber nicht öffentlich zu Gericht sitzen. Alle müssen sich gemeinsam an einen Tisch setzen.» Denkbar sei eine weibliche Doppelspitze, bei der sich die Frage stelle, «ob ein versierter Bundesgeschäftsführer mit dem Profil eines Dietmar Bartsch dabei gewollt ist».



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