Boulevard
07.03.2018

Große Picasso-Schau in der Tate Modern

Von Anna Tomforde, dpa

London (dpa) - Für Pablo Picasso (1881-1973) war die Malerei «eine andere Art, ein Tagebuch zu führen». Chronologisch, wie ein Tagebuch, präsentiert die Tate Modern in einer neuen Ausstellung das Jahr 1932 - Picassos «Jahr der Wunder» - Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens und Zementierung seines Ruhms.

Ziel der Schau «Picasso 1932 - Liebe, Ruhm, Tragödie» ist es, die «komplexe Dynamik zwischen Mensch und Kunst» offenzulegen. «Wir haben Picasso bisher mit einem riesigen Mythos beladen. Diese Ausstellung soll zeigen, dass es einen Schnittpunkt zwischen dem Leben eines Künstlers und seiner Kunst gibt», sagte Tate-Direktorin Frances Morris der Deutschen Presse-Agentur vor der Eröffnung.

Mit etwa 180 Gemälden, Zeichnungen und Plastiken aus rund 40 Sammlungen sollen Besucher «auf einem Spaziergang durch zwölf Monate von Picassos Leben und Schaffen» dem Künstler näherkommen. Das Auf und Ab seines persönlichen Lebens, Licht und Schatten, Schönheit und Horror liegen dicht beieinander.

Rund ein Viertel der gezeigten Werke stammen aus Privatsammlungen, und viele von ihnen sind erstmals in London zu sehen. Wichtige Leihgaben kamen aus dem Picasso-Museum in Paris und dem Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Allein die großzügigen Leihgaben machten die Schau laut Kurator Achim Borchardt-Hume einmalig.

Besonders stolz ist die Tate auf Raum 4 der Ausstellung (März 1932), als der damals 50-jährige Picasso auf dem Höhepunkt seines Schaffens innerhalb von zwölf Tagen sechs Gemälde von seiner Muse Marie-Thérèse Walter schuf. Erstmals seit 86 Jahren sind die Meisterwerke - einschließlich «Mädchen vor dem Spiegel», drei Akte von Walter und zwei Stillleben - in London wieder zusammengeführt. Da die meisten der Werke jetzt in Privatsammlungen sind, dürften sie in dieser Konstellation nie wieder zu sehen sein, sagt Borchardt-Hume.

In einem weiteren Raum wird eine Teil-Rekonstruktion von Picassos großer Retrospektive in Paris 1932 geboten. Sie zeigt realistische Porträts von seiner Frau Olga Chochlowa und Sohn Paulo aus den Jahren zuvor - sowie  Picassos Hinwendung zu Kubismus und Abstraktion.  

Erklärt wird Picassos Zerrissenheit zwischen der Fürsorge für seine Familie und der leidenschaftlichen heimlichen Liebe zu Walter, sein künstlerisches «Doppelleben» zwischen  Paris und seinem prunkvollen Landhaus und Studio in der Normandie, sowie seine Besorgnis über die Weltwirtschaftskrise und den Aufstieg des Faschismus in Europa. Die Farbe und Lebensfreude verschwindet zunehmend aus den Gemälden, wie eine Serie von verstörenden Zeichnungen zu Matthias Grünewalds «Isenheimer Altar» zeigt.

In einem «dramatischen Finale» des Jahres drückt Picasso vor dem Hintergrund düsterer Wolken über Europa, und einer schweren Erkrankung Walters, Angst und Verzweiflung in Themen wie Rettung und Vergewaltigung aus. Das letzte Bild der Ausstellung, «Die Rettung» entstand am 11. Januar 1933. «Picasso taucht in die dunkle Seite der menschlichen Psyche ein», sagte Borchardt-Hume dazu.



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